Der antitotalitäre Konsens ist aufgekündigt

Foto: Bundesarchiv, Bild 183-18684-0002 / Höhne, Erich; Pohl, Erich / CC-BY-SA 3.0

In der Bundesrepublik Deutschland, Produkt einer Geburt unter widrigen Umständen, herrschte bis zum Ende des Kalten Krieges eigentlich ein antitotalitärer Konsens. Alle großen Volksparteien, die Medien und die breite Öffentlichkeit waren der Ansicht, dass es an den rechten und linken Rändern, die an ihren äußersten Enden die Grenzen zwischen links und rechts verschwinden lassen, nichts zu holen gibt. Sowohl der rechte Totalitarismus in seinen vergangenen Ausprägungen als auch der linke Totalitarismus in seiner real existierenden Form des Kommunismus, der die halbe Welt beherrschte, waren Tabus. Nur im Spannungsfeld zu den sozialistischen und wahlweise nationalsozialistischen Terrorregimen, etablierte sich im globalen Westen ein demokratischer Liberalismus, dessen innerer Konsens die Ablehnung des Totalitären war.

Es war fast undenkbar, sich 1987 innerhalb des Staatsapparates zum Kommunismus zu bekennen oder dem Faschismus zu lobhudeln. Mit dem Aufkommen der Grünen im Parlamentarismus brach dieser Konsens langsam weg, ehe er mit dem Fall des Eisernen Vorhangs und den Folgejahren bis in die 2000er endgültig verschwand.

Ohne externe Bedrohung eines real existierenden Kommunismus, der die Linken an ihre verbrecherischen Brüder im Geiste erinnerte, gab es auf der linken Seite der politischen Ideologie im Westen kein Halten mehr. Wo die 68er und Folgegenerationen bereits offen kommunistische Agitation verbreiteten, bündelten sich nun eine globalistische Linke des Westens mit den Überresten der totalitären, marxistischen Diktaturen des Ostens. Die «Täter sind unter uns» von Hubertus Knabe ist nur eines der zeitgenössischen Werke, das sich mit dem Überleben der alten SED-Täter und ihrem Verschmelzen mit der politischen Linken der BRD befasst. Martin Draht und Hannah Arendt gehören vielleicht zu den wichtigsten Köpfen, wenn es um das Verständnis des Totalitarismus geht. Während man den Faschismus und den Nationalsozialismus weiterhin in guter Erinnerung behielt, scheint der kommunistische Terror trotz seiner unglaublichen Brutalität und Unmenschlichkeit langsam an dunklen Zauber zu verlieren.

Früher gab es drei wichtige Parteien in der Bundesrepublik: SPD, CDU und FDP, die sich alle darüber einig waren, dass den Versuchungen des rechten oder linken Totalitarismus nicht nachgegeben werden dürfe. Angesichts der Entwicklungen in unserer heutigen Zeit, wo Straßenterror gegen Dissidenten rechts der Mitte zur Normalität gehört sowie Internetzensur und Jobverlust bei Meinungsäußerungen en vogue sind, muss man von der heimlichen Aufkündigung des antitotalitären Konsens reden. Paradox ist, dass die politische Linke, solange sie in der Opposition war, immer die strukturelle Gewalt, die systemische Konformität der alten Bundesrepublik kritisiert hat. Heute steht sie selbst an der Spitze des Staates und prägt die politische Kultur und den Diskussionskonsens maßgeblich mit. Sie übt selbst die strukturelle Gewalt von oben aus, die sie damals kritisiert hat.

In Berlin veranstaltet die Linkspartei im Abgeordnetenhaus Gedenkfeiern für die KPD, jubelt den alten Kommunisten zu und Studenten tragen offen Hemden mit dem Konterfei von Lenin und sogar Stalin in den Universitäten der Stadt. Es gibt im linken Lager, anders als bei den rechten Demokraten, keinerlei Berührungsängste mit offen verfassungsfeindlichen und totalitären Radikalen wie Extremisten, die nichts lieber hätten, als dieses Land in eine blutige Wüste zu verwandeln, über dem die roten Fahnen einer neuen, aber doch allzu bekannten Ordnung wehen. Politische Gewalt, sogar Morde, werden in Zukunft zur neuen Normalität gehören. Zunächst wahrscheinlich erst von Links gegen Rechts, ehe die Eskalationsspirale ihre eigene Dynamik entfaltet. Die fehlende Distanz der politischen Linken zur Organisationen wie dem Schwarzen Block oder der Antifa ist kein Geheimnis und wird zusammen mit dem Bedeutungsverlust der alten SPD eine Radikalisierung der politischen Mitte, oder was sich für die Mitte hält, in Gang setzen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf younggerman.com

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2 Kommentare

  1. Und hat die SPD mal wider ein bißchen sozial rumgewunken, schon gehen (siehe 2005, als der Sozial-Demonteur Schröder fast wieder gewonnen hätte mit der demagogischen Polemik gegen „den Professor aus Heidelberg“) ihre Werte (à la mit Speck fängt man Mäuse) hoch, ein Armutszeugnis an politischer Reife für ein Volk, das zu 85% die Vernichter von Volk, Land, Werten, Traditionen, Institutionen) absegnet. Warum sollen die sich dann ändern??! Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt! Was man so von NRW hört, ist es eher schon gekippt!! Aber aufreizend passiv (bestenfalls wird nutzlos gejammert und empört) duldet der politisch völlig bis in die Mittelschichten degenerierte BRD-Deutsche alles! Andere Völker kamen mit einer Katastrophe zur Besinnung, bei den Deutschen bedarf es des Untergangs?? Oder auch dann nicht??!

  2. Zu meiner Schulzeit war man bei der Hälfte der Klasse gut angesehen, wenn man gegen F.J. Strauß war, und bei der anderen Hälfte war man gut angesehen, wenn man gegen H. Wehner war. Unterschiedliche Meinungen gab es insbesondere unter den Befürwortern von Atomkraft und ihren Gegnern. Ich kann mich aber nicht daran erinnern, dass man sich deswegen so verstritten hätte, dass man danach nicht doch wieder einträchtig zum Bier trinken gegangen ist, wo die unterschiedlichen Standpunkte nicht mehr wichtig waren. Man blieb trotzdem gut befreundet. Das ist heute völlig abhanden gekommen.

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