Airbus A 380: Das Aus für den europäischen Supervogel

Max Erdinger

Der 14. Februar 2019 ist ein deprimierender Tag für Europa. Am Vormittag verkündete Airbus-Chef Tim Enders das Aus für den europäischen Supervogel. Er war der Stolz der europäischen Flugzeugindustrie: Der Airbus A 380, größter Passagierjet der Welt. In ganz geringen Stückzahlen wird er derzeit noch gebaut, die letzte Auslieferung eines A 380 wird in zwei Jahren erfolgen. Danach ist der Riesenvogel Geschichte. Es ist zum Heulen. Viele Köche verderben den Brei – und in der EU gibt es viele Köche. 

25 Jahre ist es her, daß man sich in Europa entschloß, den seit 1969 ununterbrochen größten Passagierjet der Welt, die amerikanische Boeing 747, den „Jumbo“, klein aussehen zu lassen. Die Geburtsstunde des Doppeldeckers der Lüfte liegt im Jahr 1994. Sechs Jahre später begann der Bau, im Jahr 2005 gab es den Jungfernflug des A 380. Er war eine Sensation. Die erste Auslieferung verzögerte sich dann wegen Technik- und Kabinenproblemen um zwei Jahre. Schön wurde der A 380 nicht, dafür aber sehr eindrucksvoll. Ein Superlativ jagte den nächsten. Länge, Breite, Höhe, Anzahl der Fahrwerksräder, Maximal mögliche Passagierzahlen – das Monster galt insgeheim als Sieg der europäischen Luftfahrtindustrie über die amerikanische. Aus der Traum. Die etwa zeitgleich entwickelte, kleinere Boeing 787 („Dreamliner“) macht das Rennen.

Der Flieger

Die Entwicklungskosten des A 380 beliefen sich auf 12 Mrd. Euro, nicht wenig davon europäisches Steuergeld. Nun wird seine Produktion eingestellt, weil der Flieger nur auf wenigen, stark frequentierten Langstrecken und guter Passagierauslastung profitabel zu betreiben ist. Die meisten heutigen Jets kommen mit zwei Triebwerken aus, der A 380 brauchte aber deren vier. Die mächtigen Rolls-Royce Turbinen haben enorm viel Durst, mehr, als sich in Geld umgerechnet mit einer halbwegs gut gefüllten Kabine rechnet. Ein vollgetankter A 380 kann ohne Zwischenlandung etwa 15.000 Kilometer weit fliegen. In dem Fall wiegt allein das Kersosin beim Start mehr, als das Flugzeug mit leeren Tanks. Und das wiegt so schon knapp 277 Tonnen. Wesentlich Mitschuld am hohen Verbrauch des A 380 haben die Tragflächen. Sie sind konzipiert für eine geplante, aber niemals gebaute, verlängerte Version des ohnehin schon riesigen A 380. Zudem ist der A 380 aus Aluminium gefertigt, was im Flugzeugbau der Zukunft keine dominante Rolle mehr spielen wird. Es ist selbst zu schwer, und seine Verarbeitung bedingt eine Unzahl an Rumpfverstrebungen, die wiederum selbst gewichtsträchtig sind.

Die Boeing 787 ist zwar nur etwa halb so groß wie der A 380, aber der „Dreamliner“ ist wesentlich moderner – und vielseitiger zu verwenden. Der Rumpf der Boeing 787 besteht aus Carbon. Dadurch ist die Boeing 787 das mit Abstand leichteste Flugzeug seiner Größenklasse. Auch hat die Boeing die moderneren Triebwerke – und nur deren zwei. Sie ist viel leiser als der A 380 und darf vielerorts auch nach Mitternacht noch starten. Und das Beste an der B 787 für die Passagiere: Durch den ovalen Rumpfquerschnitt gab es erstens größere Staufächer über den Köpfen als im A 380, dem Doppeldecker, und durch die Carbonbauweise entfielen zahlreiche Rumpfverstrebungen, so daß die Boeing 787 die größten Fenster jemals hat. Niemand muß mehr seinen Kopf zwischen die Schultern ziehen, um nach draußen zu sehen. Ganz klar: Das wesentlich modernere Flugzeug heißt Dreamliner.

Gedacht war der Airbus A 380 als Langstreckenjet, der große Hubs mit anderen großen Hubs verbindet. Dazu hätte sich sein Bauch mit Passagieren aus Zubringerflügen füllen müssen. Die Routenpolitik nahm aber eine andere Richtung. Gefragt sind Direktverbindungen zwischen kleineren Flughäfen, die nicht notwendigerweise zugleich auch sog. Hubs sind. Das kann die Boeing 787 schon deswegen besser, weil sich kleinere Flughäfen die nötigen Umbauten erspart haben, die nötig gewesen wären, um eine A 380 überhaupt abfertigen zu können.  Eine ziemlich voll besetzte Boeing 787 ist also wesentlich wirtschaftlicher, als eine lediglich halb oder dreiviertel gefüllte A 380.

Rückblick

Das erste, serienmäßig gebaute Düsenflugzeug für den Passagiertransport kam 1952 heraus und ist bis heute eines der formschönsten geblieben. Es wurde von den Briten gebaut. Die De Haviland Comet hatte vier in die Tragflächen integrierte Triebwerke, was sehr elegant aussah. Sie wurde ein Desaster. Reihenweise fielen die Comets vom Himmel. Heute gibt es nur noch eine einzige, vollständig erhaltene im Museum der Royal Airforce in Cosford. So richtig ging das Jet-Zeitalter dann mit der legendären Boeing 707 los. Sie wurde der Langstrecken-Passagierjet der Sechziger Jahre, bis sie ab 1969 peu a peu durch den Megaseller Boeing 747 verdrängt wurde. Ebenfalls im Jahr 1969 lief die Sache anders herum als heute: Die Concorde hatte ihren Erstflug. Sie war technisch der viel größeren Boeing 747 mindestens so viel voraus, wie heute die B 787 dem viel größeren A 380. Sie konnte mehr als doppelt so schnell fliegen wie Boeings Jumbo, fasste aber nur etwa 80 Passagiere. Im Linienverkehr war sie von 1976 bis 2003 unterwegs. Die Tickets waren extrem teuer. Seit 2003 fliegt keine Concorde mehr. Gründe: Dieselben wie heute für den A 380 – sie war nicht wirtschaftlich zu betreiben.

Drei europäische Status-Niederlagen

Es sieht so aus, als seien die Amerikaner einfach die besseren Rechner. Seit der Boeing 787 sind sie offenbar auch die besseren Konstrukteure. Die Boeing 707 dominierte den Langstreckenflug in den Sechzigern bis in die Siebziger. Ab da dominierte die 747 „Jumbojet“ (die 747 SP ist einer der formschönsten Langstreckenjets jemals) bis in die Nullerjahre des neuen Jahrtausends. Die Europäer sind mit ihrem aktuellen Prestigemodell A 380 wieder mal „auf die Schnauze“ geflogen, anstatt in die Gewinnzone. Boeing 777 und 787 haben die Nase vorn. Die kleineren Airbus-Modelle sind zwar gut nachgefragt, EADS geht es wegen des Produktionsstopps für den A 380 nicht schlecht, aber der Status-Wettkampf ist wieder einmal verloren. Bisher wurden 251 Exemplare des A 380 verkauft, 17 weitere werden bis zum Produktionsende noch gebaut werden. Die ursprüngliche Kalkulation belief sich auf 300 verkaufte Exemplare, nur, um die Entwicklungskosten von 12 Milliarden Euro wieder einzuspielen. Der A 380 ist zum teuren Flop geworden. (ME)

 

 

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18 Kommentare

  1. meines Wissens liegt das an dem enormen Spritvebrauch. also nicht die Größe stört, sondern die laufenden Kosten dieses Riesenvogels.

    Das war eine Fehlkalkulation von Airbus.

  2. Wieviele Menschen hätten mit den 12 Milliarden verbratenen Steuergelder lebenslänglich finanziert werden können?

  3. Wir brauchen wieder Konstrukteure wie die Horten Brüder oder Messerschmitt. Die würden die richtigen Flugzeuge bauen, die der Zeit voraus und dem Gegner überlegen sind.

  4. Ich könnte mich jetzt lachend zurücklehnen und sagen: Warum habt ihr mich nicht gleich gefragt. Das der A380 scheitert, war mir von Anfang an klar. Es sind ja nicht nur die Kosten für die Anschaffung des Flugzeuges, alles muß für diesen Flieger umgebaut werden, von der Halle bis zum was weiß ich nicht noch alles.

  5. Hä? Natürlich haben arabische Staaten die A380 gekauft aber auch Qantas! Die Lufthansa ist ehere ein kleiner Fisch fliegt aber auch nach Asien, Südafrika, New York usw.

  6. Ah, wieder weniger Arbeitsplätze für Fachkräfte…. aber es kommen doch trotzdem noch Mio an Raketeningenieuren……

  7. Der Flieger war eine Totgeburt. Ein super Flieger keine Frage. Aber wenn man diesen Vogel wegen „Europa“ quer durch Europa schicken muss, treibt das die Kosten in die Höhe und leidet die Qualität. Probleme können nicht mal eben auf dem kurzen Dienstweg behoben werden. Sie zu kurze Kabelbäume usw.
    Am ende wurde der Vogel mit jahrelanger Verspätung ausgeliefert. Das individuelle Konzept, jeder bekommt den Ausbau den er will, brachte das Fass zum überlaufen. Am ende wurde nichts mehr in Verbesserungen gesteckt. So verbraucht der A380 mittlerweile das doppelte an dem was ein A350 pro Passagier verbraucht.
    Schade, Schade, Schade aber da sieht man wohin Missmanagement und Europa!!! führen. In den Untergang.

    • 2015 bin ich mit der A380 geflogen. Ein tolles, sehr elegantes, ruhiges Flugzeug, bei dem man sogar auf „stillen Örtchen “ keine Platzangst bekam.
      Sehen wir es mal so, es haben tausende von Mitarbeitern profitiert, Erfahrungen im Flugzeugbau gesammelt und das Geld wanderte nicht zu Boeing.

    • Nein, das Steuergeld haben jetzt andere (zu meist Arbeitende bei Airbus ) und ich bin froh, daß im Gegensatz zu den islamischen Kolonisten, einigermaßen sinnvoll ausgegeben wurde. Vielleicht können wir uns auf diesem Nenner einigen.

    • In dieser Beziehung haben Sie recht. Aber wenn etwas entwickelt wird, was nur mit Subvention überleben kann, ist die Entwicklung von vornherein falsch gelaufen. Man kann doch wohl von Unternehmen erwarten, dass sie den Flugverkehr analysieren, z.B. wohin die meisten Fluggäste fliegen, bzw. es sich leisten können zu fliegen. So hat das Unternehmen einer Statistik geglaubt, die so nicht hinterfragt worden ist. Es war vom ersten Augenblick klar, dass der Dreamliner besser in die Nachfrageumgebung gepasst hat. Es wäre besser gewesen, dieses Steuergeld in sinnvollere Sachen, die dann ebenfalls den Arbeitern (ich gendere nicht und benutze nicht das Wort Arbeitenden) zu Gute gekommen wären, investiert worden wäre.

    • Liebe Pe Wi,
      danke für Ihre Stellungnahme.
      Zuerst will ich Sie mal von einem Irrtum abbringen, ich bin auch kein Freund von dem Gendersch..ss. Mit den dort Arbeitenden war wie im englischen gleich, die Verlaufsform gemeint, denn die Leute arbeiten immer noch dort. (Gott sei Dank. ) Ich kenne auch die hochkomplexen Prozesse , die zum Teil in Hamburg verwendet werden. Glauben Sie mir, wenn es nach den Ingenieuren, Technikern und Praktikern dort ginge, würde sehr vieles anders laufen, nur haben in diesem hochpolitisierten Konzern Leute das Sagen, die im privaten Bereich noch nicht mal die Kasse eines Karnickelzüchtervereins kontrollieren dürften. Ich hoffe das reicht Ihnen mal als Erklärung.
      Ausserdem, wenn es richtig gute deutsche Firmen gibt, die sich am Markt behaupten und sich nicht im Familienbesitz besitzen, was glauben Sie passiert dann ? Dann kommt irgend ein Investor mit grüner Krätze (US- Dollar) und käuft den Laden ( Konkurenzvernichtung) . Und wer hilft ? An erster Stelle solche Politiker wie Merz, ähnlich in dieser Form am eigenen Leibe erlebt.

    • Okay ich nehme Ihnen mal die Arbeitenden ab, obwohl man sie gut und gern durch Arbeitnehmer hätte ersetzen können, die eben auch noch dort arbeiten, falls noch nicht entlassen. Nur diese Endung „…enden“ wird heute nur für Gendermist genutzt. Ich muss Ihnen glauben, dass es anders gelaufen wäre, wenn Ingenieure und Techniker dort das Sagen gehabt hätten, aber – und nun kommt mein Einwand – haben die Ingenieure und Techniker nicht gerade diesen überdimensionierten Vogel konstruiert? Wollten die nicht gerade so einen überdimensionierten Vogel? Wenn nicht, dann tut es mir um dieses ingenieurtechnische Personal leid, wenn sie gezwungen worden sind, dieses Ding zu projektieren und zu konstruieren. Es war von Anfang an eine Missgeburt, außerhalb von Raum und Zeit, einfach um zu protzen. Im Mittelstand gibt es relativ viele Firmen, die außergewöhnliche Produkte erzeugen, ohne das es jemanden kümmern würde. Was Politiker leisten, nun da müssen wir uns nicht darüber unterhalten. Deren Verhalten spricht für sich.

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