Ist Chinas 5G-Technik ein fortgeschrittenes Spionagenetzwerk? USA verklagt Huawei

Huawei Messestand. Bildquelle: Wikimedia Commons Ordercrazy, Bildlizenz: Public Domain

Das Misstrauen gegenüber dem chinesischen Smartphone-Hersteller Huawei wächst. Seine Technik zu 5G ist wesentlich weiter fortgeschritten als unsere westliche und die Preise für die Geräte unschlagbar niedrig. Smartphones, Tablets usw. machen nur ein Drittel des Riesenkonzerns aus. Das Geschäft mit der Technik für digitale Infrastruktur macht den Löwenanteil aus, und da ist Huawei global ganz vorn. Doch der Verdacht, China könnte in seine Geräte Spionage-Features einbauen, ist akut. Das Problem: Eben weil die chinesische Technik weiter ist als unsere, können westliche Ingenieure auch bei Untersuchung der Bauteile und Module nicht wirklich sicher sagen, was genau die machen und ob da möglicherweise Funktionen oder Schlupflöcher vorhanden sind, die zur Spionage oder Sabotage benutzt werden könnten.

Schon im Dezember 2018 ließen die USA per internationalem Haftbefehl die Finanz-Chefin und Tochter des Gründers von Huawei, Meng Wanzhou, festnehmen und unter Hausarrest stellen. Sie war gerade auf einem Zwischenstopp in Vancouver gelandet. Grund: Huawei habe gegen die Iran-Sanktionen der USA verstoßen.

Das wiederum könnte dafür sprechen, dass die USA einfach nur den chinesischen Konzern ausschalten und ihren amerikanischen Favoriten Apple nach vorne bringen will und ganz bewusst aus wirtschaftlichen Gründen den klaren Sieger Huawei absichtlich in Misskredit bringt.

Aber auch Fachleute warnen vor den Möglichkeiten zum Ausspähen und zum Missbrauch, die China über sein bestes Pferd im Stall, Huawei, bekäme, wenn praktisch überall auf der Welt das Telekommunikationsnetz 5G mit den Geräten aus China aufgebaut würde.

Der ehemalige US-Luftwaffengeneral Robert Spalding sah hier schon im letzten Jahr eine große Gefahr lauern und sich in der Pflicht, davor zu warnen. Seine Bedenken hatte er schon im Januar 2018 angemeldet und ein Memo veröffentlicht, indem er forderte, die US-Regierung müsse die Entwicklung des nationalen 5G-Netzes übernehmen. Hätte eine potentiell feindliche Macht die Möglichkeit, über einen Zugang via seiner eigenen Produkte auf das Netz zuzugreifen, könnte sie durch 5G umfassende technische Möglichkeiten nutzen, das Leben in einer Stadt vollkommen in den Griff zu bekommen – oder eben auch ins Chaos zu treiben (Wir berichteten).

In jedem Fall wirken die alarmistischen Warnungen der USA: Nachdem Australien und Neuseeland vorangegangen waren, ließen auch die britische BT Group und die japanische Regierung wissen, man werde keine Verträge mit Huawei abschließen, weil man Spionage – und im Ernstfall auch Sabotage – durch die chinesische Regierung fürchte. Huawei steht in sehr enger Verbindung zu Peking.

Bereits 2010 wurden „Sicherheitslücken“ in Produkten von Huawei entdeckt, woraufhin die US-Regierung eindringlich vor den Geräten dieses Herstellers warnte. Diese Sicherheitslücken wurden untersucht, es war jedoch nicht festzustellen, ob Huawei einfach nicht so sorgfältig mit Sicherheitsstandards war, oder ob es sich tatsächlich um absichtlich eingebaute „Schlupflöcher“ handelte, die man von außen ansteuern kann, um in das Gesamtsystem einzudringen.

Das Justizministerium hat jedenfalls die Firma Huawei mit verschiedenenen Klagen überzogen: Industrie-Spionage, Betrug, Verschwörung, Behinderung der Justiz und Geldwäsche. Mit unter die Räder gekommen ist dabei als Opfer die T-Mobile, die amerikanische Tochter der Deutschen Telekom. Hier geht es um Technologie Diebstahl: T-Mobile hat einen Testroboter „Tappy“, der Schäden bei Mobiltelefonen ermittelt. Mitarbeiter von Huawei sollen heimlich Fotos vom Innenleben des Roboters gemacht und Bauteile gestohlen haben, um in China das Gerät zu kopieren.

Huawei bestreitet dagegen jede Spionage und auch jegliche Zusammenarbeit mit der chinesischen Regierung. Das ist in der Tat wenig glaubwürdig. Technik-Firmen in China sind ja gesetzlich verpflichtet, den Behörden alle Daten zur Verfügung zu stellen. Das ist auch bei sozialen Plattformen so – und die Behörden nutzen diese Möglichkeit ausgiebig. Daher ist der Spionage-Verdacht durchaus nicht weit hergeholt.

Nicht nur Ex-Luftwaffengeneral Robert Spalding warnt vor den unabsehbaren Folgen, die ein möglicher Feind China verursachen kann, wenn er Zugang in das 5G-Netz hat (wir berichteten). Gerade, wenn das „Internet of Things“ kommt und neuralgische Sicherheitseinrichtungen über 5G attackierbar werden. Auch der australische Geheimdienstchef Mike Burgess hat der Regierung von „Down Under“ dringend ans Herz gelegt, Huawei beim Aufbau des 5G-Netzwerks auszuschließen.

Der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Gerhard Schindler, schließt sich gleichfalls dem Chor der Warner an. „Es gibt Risiken, die mit 5G und einer möglichen Beteiligung von Huawei daran verbunden sind“, sagte er und fügte hinzu, im Ernstfall könne China sogar das gesamte deutsche Netz lahmlegen. Da hat er aber weit untertrieben. Was alles an Regelkreisen, Schaltkreisen und wichtigen Geräten direkt über das Netz ansteuerbar ist, das weiß heute kaum jemand. Sogar ein Atomkraftwerk könnte man darüber in Gefahr bringen. Allein einer ganzen Stadt den Strom abzuschalten ist eine Komplettkatastrophe. Krankenhäuser, U-Bahnen, Aufzüge, Ampelanlagen, Straßenbahnen, Rolltreppen, Heizungen, automatische Türen der Geschäfte, Tankstellen, Feuerwehr, Krankenwagen, usw. usf. … alles stünde still und vieles würde Leben kosten.

Gerhard Schindlers simple Feststellung, dass derjenige, der die neue Kommunikationstechnologie bereitstellt, auch in der Lage ist, darauf zuzugreifen und die Kommunikation abzugreifen, muss nicht weiter erklärt werden. Auch Ex-Bundesnachrichtendienstpräsident Schindler weiß, dass China in der technischen Entwicklung des 5G-Equipments etwa zwei Jahre voraus ist, und wir hier daher gar nicht in der Lage sind zu beurteilen, was da alles in die Geräte eingebaut ist.

Und in die Zukunft gedacht: Wenn Huawei in Europa die 5G-Technik einführt und bereitstellt, sammelt Huawei auch alle Erfahrungen damit und entwickelt auf dieser Grundlage die Problemlösungsstrategien und kann auf diesen Erfahrungswerte die nächste Mobilfunkgeneration entwickeln… und dann auch verkaufen. Das würde, so Schindler, bedeuten, dass man in eine technische und strategische Abhängigkeit von China hineingleitet, technisch immer weiter „abgehängt“ wird und überhaupt nicht weiß, was in den Geräten an möglichen Gefahren lauert, weil man die Technik nicht mehr versteht.

Und was macht Deutschland? Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel rettet die nationale Sicherheit Deutschlands. Sie will den Chinesen die Leviten lesen. Sie sagte bei ihrer Reise nach Japan in der ersten Februarwoche, sie werde „mit China“ darüber sprechen, dass eben nicht die Firma einfach die Daten an den Staat abgibt, die verwendet werden, sondern dass man da Sicherheiten bekommt“. Der chinesische Staat solle nicht auf Daten aller chinesischen Produkte zugreifen können, die in Deutschland eingesetzt würden.

Ach, wirklich? Die Chinesen werden tief beeindruckt sein. So wie die Amerikaner auch, als Frau Bundeskanzlerin sich beschwerte, dass die NSA ihr Handy abgehört hat.

NV

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