Die grüne Katha im Plastikgewand – ein Plädoyer für nachhaltige Trachten

Max Erdinger

Heimat und Lebensart - Foto: Shutterstock

Wenn Sie Sawsan Chebli oder den Shooting Star der amerikanischen Demokraten, Alexandra Ocasio-Cortez, nicht für die Hellsten halten (Ocasio-Cortez: „Wir müssen Technologie erfinden, die wir bis jetzt noch nicht mal erfunden haben.“), dann haben Sie natürlich recht. Es gibt hellere: Katharina Schulze z.B., Grünen-Chefin in Bayern, genannt die „Kerosin-Katha“. Wegen der über 120.000 Flugmeilen, die sie in ihren jungen Jahren bereits gesammelt hat. Im Kopf ist sie allerdings auch nicht heller als die beiden Vorgenannten. Und würde man sie lediglich wegen ihres Äußeren für hell halten, dann hätte man ein ganz übles Vorurteil. Aber schick angezogen ist sie immer. Kleidung von Esprit. Chique für kleine Münze.

Don Alphonso hat das bei „Welt+“ genauer untersucht, in dem brillanten Artikel „Katha Schulze und der Atommüll unter den Kleidern„. Er rechnet vor, welche gräßlichen „Umweltbelastungen“ stattfinden mussten, ehe „der grünen Katha ihr Plastikgewand“ in dem Laden angekommen ist, in welchem sie es für satte 100 von ihren über 9.000 Euro Monatsgehalt eingekauft hat, um anschließend durch die Gegend zu laufen, als sei sie von irgendwoher, und nicht aus Bayern. Vom Erdöl erzählt Don Alphonso, das man braucht, um Kunstfasern herzustellen, von der Wasserverseuchung durch Mikro-Plastikteilchen, die beim Waschen von der geistreichen Esprit-Mode abbrechen, vom Fisch, der sie dann schluckt – und von der Kerosin-Katha, die wiederum den Plastikfisch ißt und davon mit der Zeit ein Plastikhirn bekommt. Das Letzte habe ich angefügt. Don Alphonso hat das nicht behauptet.

Und dann erzählt Don Alphonso, wie er selbst sich kleidet. Er kauft qualitativ hochwertige Kleidung aus heimischer Produktion, z.B. einen Lodenmantel, der garantiert kein Plastik enthält, und der aus Wolle von Schafen hergestellt ist, die auf bayerischen Bergwiesen grasen. Und er beweist, daß das im Endeffekt auch nicht teurer ist, als sich alle naselang ein neues „Glump“ zu kaufen, das schnell kaputt geht und weggeworfen werden muß. Da hat er zweifellos recht. Wer Minderwertiges einkauft, der kauft zweimal. Das ist bei der Kleidung nicht anders als beim Werkzeug. Außerdem sieht Don Alphonso in seinem Lodenmantel so aus wie jemand, der tief in der Gegend verwurzelt ist, in der seine Vorfahren seit Generationen wohnen. Bei ihm ist es der Tegernsee. Wenn er spricht, paßt vermutlich alles bestens zueinander: Seine Mode, sein Dialekt und die Umgebung. So schön könnte die Welt sein. Daß bei der Kerosin-Katha und anderen Grünen ein himmelweiter Unterschied zwischen Reden und Tun liegt, ist altbekannt. Don Alphonso führt das in seiner Betrachtung weiter aus, aber ich biege jetzt ab und lege den Schwerpunkt auf ein anderes Thema.

Die bunte Vielfalt

Die offene Gesellschaft, die Toleranz, die Buntheit und vor allem die Bereicherung durch Vielfalt sind die Lieblingsthemen der grünen Einfalt. Gewinn durch den Import dessen, was es bspw. in Afghanistan im Überfluß gibt, sozusagen. Meinereiner hat viel Toleranz der Vielfalt gegenüber, vor allem, wenn sie keine umweltschädlichen Transportwege verursacht, wie das bei regionalen Trachten der Fall ist. Mit zunehmendem Alter und weiterer Verschlechterung in der Autochthonie-Krise („autochthon“ gibt es eigentlich nur als Adjektiv. Ich habe es hier frech substantiviert), liebäugelt meinereiner zunehmend mit dem Gedanken, sich nach Art der ganz alt Eingesessenen zu kleiden. Auch, wenn die schon gestorben sind. Es gibt allein in Bayern eine derartig prachtvolle Vielfalt an regionalen Trachtengewändern, daß ich mir schon aus Stilgründen überlege, ob ich wirklich wie die Kerosin-Katha noch länger als Allerweltsmensch durch die Gegend laufen soll. Außerdem habe ich mit zunehmendem Lebensalter immer weniger Lust, mein Geld zum Fenster hinauszuwerfen. Ich könnte es wieder so machen, wie ich es machen musste, als mich meine Eltern noch mit Kleidung versorgten. Das ist ein halbes Jahrhundert her. Ich hatte eine lange Lederhose für den Winteralltag, und eine lange für den Sonntag. Für den Sommer hatte ich eine kurze Lederhose. Gekauft wurden die ein bißchen größer, damit ich hineinwachsen konnte – und wenn ich herausgewachsen war, gingen sie an meine jüngeren Brüder weiter. Eine Stoffhose hatte ich nur für den Kirchgang. Natürlich waren die Lederhosen teuer. Aber sie waren nur einmal teuer.

Freilich war Bayern in den Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts amerikanisches Gebiet. Der kulturelle Einfluß war enorm. Alles, was aus Amerika kam, ist automatisch sensationell gewesen. Allein schon die Straßenkreuzer aus meinem Autoquartett hinterließen einen ungeheuren Eindruck auf meiner jungen Autofanatikerseele. Und so nette Leute waren die Amerikaner. Jedenfalls, wenn es nach unserem Schwarzweiß-Fernseher ging. Doris Day war ein blondes Wunderfräulein von nie zuvor gesehener Anmut, Cary Grant und Audrey Hepburn waren ein schöneres Paar als Heidi und Jürgen aus dem Nachbardorf. Und der Opel GT war das schönste deutsche Auto; vom Design her das beste, was es im kleinen Bayern zu kaufen gab, eine Corvette C3-Miniatur. Daß ihn ein bayerischer BMW 2002 verblasen konnte, erfüllte mich allerdings schon mit Genugtuung. Wir würden sowieso noch zu richtigen Amerikanern werden, dessen war ich mir sicher. Schluß mit dem alten Krempel. Und dann war da noch Timmy, der Junge aus der Fernsehserie „Lassie“. Der hatte Jeans an. Ich wollte auch wie ein Amerikaner sein und Jeans haben. Es war ein harter Kampf. Später dann kam die Schimansky-Mode auf. Jahrelang lief ich in Jeans, Sweatshirt, weißen, knöchelhohen Adidas durch die Gegend, und wenn´s kühl war, hatte ich einen grünen Parka dazu an. Die ersten Grünen hatten durchaus meine Sympathie.

Globalisierung und Heimat

Heute ist Globalisierung. Und ich sehe partout nicht ein, wieso diese Globalisierung sein muß, so, wie sie laufen soll. Schließlich haben wir Internet. Das ist für meinen Geschmack Globalisierung genug. Heute begreife ich wahren Fortschritt als etwas, das sich bildlich so darstellt: Ich sitze in einer westmittelfränkischen Schäfertracht an meiner Tastatur und bin worldwide von daheim aus unterwegs. Einen altdeutschen Hütehund, einen Süddeutschen Schwarzen, habe ich schon. Es ist genau der Hund, der hier in der Gegend üblich war, als die Wanderschäferei noch groß gewesen ist. Auf ganz alten Fotos von Dörfern aus der Umgebung kann man ihn noch oft sehen. Heute gibt es nur noch 3.000 seiner Art – worldwide. Sie ist das klügste Hundemädchen, das ich je gesehen habe. Manchmal schaue ich sie an, sie schaut mich an – und mir wird klar, was wir gemeinsam haben. Ich als Franke, sie als Süddeutscher Schwarzer – wir sind beide vom Aussterben bedroht. Die Wut, die ich bekomme, wenn mir in der Situation einer mit „Globalisierung“ kommt, kann ich schwer beschreiben. Daß mein Hund und ich aussterben sollen, weil das heutzutage Globalisierung ist und weil Aussterben unter „Frauenrecht“ rubriziert wird, macht mich unfaßbar wütend. Wir sind nicht Franke und Süddeutscher Schwarzer, um auszusterben in einem Land, in dem jedes Frühjahr Krötenschutzzäune an den Straßenrändern aufgestellt werden.

Und unsere Heimat, die Landschaft, die über Jahrhunderte von unseren Vorfahren, sowohl Mensch als auch Schaf und Hund, kultiviert worden ist – und die wir täglich durchstreifen, das ist nicht die Landschaft für irgendwen in irgendwelchen Allerweltsklamotten und irgendeinem Deutsch, sondern das ist unsere und diejenige der Leute, die seit Jahrhunderten hier leben. Mit denen habe ich einen gemeinsamen Dialekt. Wir identifizieren uns heute schon anhand unseres Dialekts als „wir“. Und wenn wir uns als „wir“ identifiziert haben, fallen die Sprachregeln der Political Correctness. Dann reden wir so, wie wir es immer getan haben: Frank und frei. Dann ist das Arschloch ein Arschloch und kein „Mitbürger mit einem sozialethisch fragwürdigen Charakter“, womöglich noch mit „Hintergrund“.

Freilich ist es illusionär, darauf hinzuarbeiten, daß sich jeder wieder in der typischen Tracht seiner Gegend kleiden soll. Das ist ein netter Gedanke. Geeignet wäre es allenfalls, sich als Widerständler zu erkennen zu geben. Aber darum geht es auch nicht. Es geht darum, daß wir wirklich die Letzten sind, die sich eine Vielfalt aufschwatzen zu lassen hätten. Wir hatten Vielfalt schon immer. Wir hatten sie in den Trachten, in den lokalen Dialekten (ich weiß heute, wenn ich jemanden reden höre, aus welcher Ecke des Landkreises er kommt), in den regionalen Spezialitäten (Nürnberger Bratwürste, Aischgründer Karpfen, Langenburger Wiebele) – und ganz Europa ist ein Kontinent, der eine unglaubliche Vielfalt an Sprachen, Sitten , Gebräuchen, Trachten, Speisen und Lebensgewohnheiten hatte, lange bevor das erste gutmenschliche Arschloch auf die Welt gekommen ist, um uns seinen einfältigen Seich von der Vielfalt in die Ohren zu schmieren.

Die Nachhaltigkeit

Don Alphonsos Artikel bei „Welt+“ hat mich bestärkt in meinem Vorhaben, auf tatsächliche, wirklich „umweltfreundliche“ Nachhaltigkeit zu setzen. Als nächstes werde ich mir endlich wieder eine bayerische Lederhose kaufen, die ich bis an mein Lebensende tragen kann. Und ein paar qualitativ hochwertige Schuhe, die ebenso lange halten, werde ich mir auch zulegen. Und ein wahrhaftes Ökoauto werde ich entwerfen, eines, das niemals rostet, ungefähr 900 Kilo wiegt, von der Größe her etwa Golf I, das keinen elektrischen Schnickschnack hat außer für die Beleuchtung und das Motorsteuergerät, einen 200 PS starken Vierzylinder-Commonrail-Diesel mit Allradantrieb und einer Bereifung, die zusammen das gewaltige Drehmoment für das Leichtgewicht auf den Boden bringen. Ein Ökoauto, das 3 – 4 Liter auf 100 km verbraucht, ewig hält und ewig viel Spaß macht. Aus Freude am Fahren. Keine Airbags. Können oder sterben. Schluß mit den albernen, viel zu schweren Kisten und dem ganzen Schnickschnack, der dauernd kaputt geht. Start/Stop-Automatik in einem 2 Tonnen-Diesel kann man wirklich bloß dekadenten Schwachköpfen als „öko“ andrehen. Wenig Elektrik, 200 PS und 500 Nm Drehmoment bei 900 Kilo – das wird ein globaler Hit. Fuck Tesla.

Die grüne Kerosin-Katha und ihre Globalisierungsgenossen sollen sie meinetwegen in die Klapse stecken. Die haben sie doch nicht mehr alle.

 

 

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19 Kommentare

  1. Beim 900kg Auto würden mir persönlich auch locker 70PS reichen (es reicht, wenn das Moped 100PS hat) und die Katha ist nicht gerade schick, aber ansonsten stimme ich dem Autor in vollem Umfang zu. 🙂

    • Wer nicht den ganzen Schnickschnack im Auto haben will, der kauft sich einen gebrauchten Japaner die sind zudem noch sparsam im Verbrauch, da kann sich ein VW noch eine Scheibe abschneiden. Schicker sind sie außerdem noch.

  2. Schick ist die GRÜNEN-Doof-Katha ?

    Mit Klamotten, die durch Kinderarbeit in Bangladesh produziert wurden, die Abfälle der Färbereien direkt und ungefiltert in den Fluß Brahmaputra leiten…….

    …..mit einer „E-Mobil“-Ideologie, die Kinderarbeit in Kongos Kobaltminen fördert, die beim Rohstoff LITHIUM in Chile dem PINOCHET-Clan die Taschen füllt…

    …mit einer „Windrad-Vogelschredder“-Ideologie vom „klimafreundlichen Strom“ hierzulande ganze Wälder nach und nach vernichtet, mehr als die Summe aller Braunkohle-Tagebaue je Schaden am Wald anrichteten….

    Mit Windrädern, die pro Stück ca. 30 (!) Tonnen Kupfer benötigen, deren Anker für den Induktionsmotor Massen an Seltenen Erden wie NIOB erfordern, welche in China unter derart gräßlichen Bedingungen gefördert werden, die wir vielleicht noch aus der Vorphase der Industrialisierung in Europa kennen … wobei außerdem massenhaft RADIOAKTIVE STOFFE in die Umwelt freigesetzt werden lt. ARD-eigener Dokumentation usw. usf. etc. pp…………………..

    ***

    Mit dem ganz privaten 120’000 „Miles & More“- Jet Set – nach ihrer Fasson – bereits einen gigantisch negativen „ökologischen Fußabdruck“ erzeugt hat, der sich wie folgt rechnet :

    1 Meile = 1,61 km ===> 120000 Meilen = 194120 km = 17600 TONNEN CO2 !!!!!!!!!!

    FAZIT :

    Liebe KATHA : Ich rate Dir dringend, bei einer solchen, persönlichen „Umweltbilanz“ den sofortigen SELBSTMORD, um das Klima® – tatsächlich und NACHHALTIG™ – vor Leuten wie Dir zu schützen und vor Deinem doppelzüngigen Gequatsche von „UMWELT“ !

    Zur Berechnung, siehe : https://www.naturefund.de/wissen/co2_alt/flugzeug/

    DUMM —- DÜMMER —– KLIMA®-Kassandra Marke KATHA SCHULZE !

  3. Dafür schafft mein 900 Kilo-Spaßdiesel 100 mal hintereinander 0 auf 100 in 5 Sekunden, die letzten siebzig mal ohne Ihren IoniQ nebendran, bei dem nicht mal mehr die Rückleuchten funzeln.

  4. Wussten Sie schon, dass sich unser Ausdruck „die Tracht Prügel“ auf Trachten im Sinne traditioneller Kleidung bezieht? Das Sollte Katha erfahren. 🙂

  5. Selbst die bekannten Trachtenmarken verkaufen mittlerweile Dirndl die zwar echt aussehen, auch sauteuer sind (250,- EUR und mehr), aber aus Kunstfaser sind. Das ist doch kein Dirndl. Ein echtes bayerisches Dirndl hat aus Baumwolle, Leinen oder aus Seide zu sein. Aber mit Sicherheit kein Polyester. Dafür zahle ich nicht so viel Geld, da nähe ich mir mein Dirndl lieber selbst, aus reiner BW.

  6. Also der Hund ist Klasse, wie sieht die „westmittelfränkische Schäfertracht“ aus? 😉
    Das Auto wäre ein Traum!
    Übrigens: Lebt denn dem Heinerhofbauern sein Knecht noch?

  7. Die Globalisierung hat sich inzwischen deutlich als Gleichmacherei und Verelendung der Vermassten demaskiert. Warum das Projekt aus Neoliberalisten Pfoten in die ungewasxhenen Quanten der einfallslos Linken übergegangen ist, kann man u.a. bei Danisch lesen.

    Die Antwort auf Vermassung ist Individuum und Identität.
    Das Regionale ist eben nicht hinterwäldlerisch sowie Berlin eben auch nicht weltoffen, sondern nur sozialverkommen ist.

    Wofür ich in D als Identitär verschrieen würde (was mir aber nichts ausmacht… ) , das kann ich hier in Patagonien machen : ich trage – so wie mein Lebtag Hirschlederne und inzwischen auch Filzjacken gegen den strengen Wind. Wegen UV Index 9-10 kommen nun noch Filzhüte dazu.
    Und all meine sophisticated outdoor Kleidung bleibt meist im Schrank.

    Die Internationalist*INNINEN können machen, was sie wollen: die Grundfragen des durch sie provozierten Zeitalters lauten Nachhaltigkeit und Identität .

  8. So eine kurze Lederhose hab ich immer vom älteren Bruder bekommen. Die mußte ich dann auftragen. Am Latz war ein Hirsch.
    Die haben was ausgehalten.

  9. Vielen Dank Herr Erdinger und liebe Grüße aus Mittelfranken.
    Ihrer Analyse von Don Alphonso ist nichts hinzuzufügen, außer:
    „Oh Herr wirf Hirn vom Himmel“ und damit meine ich wirklich die Himmelsmacht
    und nicht den Gegenentwurf im Herzen Roms.

  10. Ein scheener Artikel. Do ka iech blus sogn “ Glück auf!“ – Und im Frühjahr werde ich mir eine schöne neue Tracht kaufen.

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