Bleibt euch treu

Bundesarchiv, Bild 183-1990-0921-020 / Hirschberger, Ralph / CC-BY-SA 3.0

Wir leben in wirklich verrückten Zeiten. Gestern hatte ich ein langes Gespräch mit zwei Bekannten, das mich erneut in meinem Eindruck bestärkt, dass die politische Haltung nichts ist, was bei den meisten Menschen eine feste Position im Koordinatensystem hat. Ich unterhielt mich mit einem Oppositionellen aus der untergegangenen DDR, der im Wesentlichen sagte, dass die Transition der Anhänger der SED und Co. relativ glatt und problemlos hinüber in die Parteien der Bundesrepublik Deutschland vonstatten ging.

Die vielen Mitläufer des sozialistischen Systems, die wir in neuer Form und modischerer Kleidung heute in den Bahnhofsklatschern und Befürwortern der Masseneinwanderung sehen, den Klerikern der Vielfalt und Islamisierung, haben vom Prinzip her eigentlich keine gefestigte Weltanschauung. Nur die allerwenigsten Leute sind echte Anhänger von Multikulturalismus und dem Kurs der derzeitigen Regierung. Die Paradoxien dieser Wirklichkeit fielen mir kürzlich wieder auf, als einige Fußballsfans von Union hier in Köpenick neben dem Rewe einige ziemlich rassistische Äußerungen tätigten, die ich selbst nie denken geschweige denn aussprechen würde. Wenige Sekunden später fingen sie an auf die böse und fremdenfeindliche AfD einzuprügeln. Sinngemäß ließen die Jungs astreines Vokabular der NPD vom Leder, beteiligten sich dann aber am Ritual von «aber die scheiß AfD ist… ».

Vielleicht kennen Sie das ja auch. Ihre Kollegin kommt ins Büro gestürmt und beschwert sich lautstark über die vielen Rotationseuropäer und darüber, dass es nach ihrem Empfinden nur gerecht wäre, wenn man kriminelle Migranten schnell abschieben würde. Aber sie findet die Grünen aus unerfindlichen Gründen gut, wählt Merkel und glaubt gut informiert zu sein, wenn sie in der BZ oder im Spiegel mal einen Artikel über Hornhaut und Alexander Gaulands Krawatten gelesen hat.

Das ist kein Angriff auf die im Wesenskern unpolitischen Menschen, die sich vom Hauptstrom immer politisch machen lassen. Diese Eigenschaft gehört zum Menschsein wohl irgendwie dazu. Am Beispiel unserer Zeit heißt dies, dass eine große Masse an Menschen sehr gerne viele Probleme gelöst sehen würde, die mit Migration und den anderen Themen der AfD zu tun haben. Wenn jemand wie durch Zauberhand kommen würde, um ihre Probleme anzupacken und zu lösen, am besten ohne, dass sich die Leute dabei selbst anstrengen müssen, wären sie öffentlich empört. Sie würden mit dem Finger auf die bösen Handelnden zeigen, all jene unterstützen, die gegen diese sind und sich gleichzeitig heimlich freuen.

Der Treppenwitz unserer Zeit ist, dass Leute wie ich sich jetzt mit Sozialdemokraten und Linken von früher vereint sehen. Einfach nur aus dem Grund, weil wir unseren Grundpositionen treu geblieben und nicht mit der Zeit gegangen sind.

Sozialstaat braucht Grenzen, Einwanderung ohne Maß ist schädlich, Gemeinschaft braucht Werte und Rassismus ist schlecht, was aber auch für den Rassismus der Zuwanderer gegenüber den Einheimischen gilt. Die meisten Autoren hier auf dem Blog sind eigentlich immer Sozialdemokraten oder Christdemokraten geblieben. Wie die großen Steine im Fluss wurden wir jedoch nicht vom Strom weitergetragen, sondern sind dort geblieben wo wir immer standen. Vielleicht auch weil wir nicht der Meinung sind, dass bestimmte Ideen und Werte automatisch mit dem Lauf der Zeit ungültig werden. Deshalb nennt man uns Reaktionäre, wenn wir vom Volk sprechen.

Nach neuerem Verständnis gemäß Haldenwang gibt es ja kein deutsches Volk außerhalb des Grundgesetzes. Fragt sich dann, was für komische Leute dann 1990 mit uns wieder wiedervereinigt wurden und welche Minderheiten aus Russland in den letzten Jahren ohne jede Kenntnis vom Grundgesetz oder Besitz von diesem in die Republik als Deutsche einwandern durften.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf younggerman.com

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4 Kommentare

  1. Richtig analysiert – seit einigen Jahren, ne Jahrzehnten wurde aus Deutschen ein Volk ohne Rückgrat gemacht. Da heißt es immer worauf wollt ihr auch stolz sein – ohne Stolz kein Heimatgefühl, keine Identität und so kommt dann heraus, was wir heute erleben. Entweder oder 0 Kompromissfähigkeit – und Willen.

  2. Ich sage immer, ich stehe politisch noch da, wo ich immer gestanden habe, nur die CDU ist nach links abgehauen. Als geoutete AfD-Wählerin halte ich meinen Mitmenschen gerne ihre „rechtsextremen“ Aussagen vor, dann kommt aber ein empörtes „doch nicht die AfD“! Ist manchmal echt witzig, zumindest noch auf dem Land, wo gute Nachbarschaft über politischen Ansichten steht! In der Stadt wären bestimmt schon mein Haus beschmiert und die Reifen meines PKW zerstochen.

    • Geht mir auch so, ich denke auch so.
      Auf einer kleinen Feier bei mir sagte eine Nachbarin:….“ja,ja Dienstpflicht in Deutschland, wir wissen ja, dass du in der Bw Reservist bist, das brauchen wir nicht“

      Ich sagte:“ Ich sehe die Dienstpflicht unabhängig von der Bw. Wir schreien doch alle nach Nachwuchs in THW, Freiwilliger Feuerwehr, Rotem Kreuz usw. ….mit der Dienstpflicht/Wehrpflicht für Mann und Frau wäre das doch gelöst. Ich habe nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten in diesem Land“

      –Schweigen am Tisch– Danach große Augen und Kopfnicken am ganzen Tisch–
      Mit dem Zusatz „So habe ich das noch nicht gesehen.“

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