Harter Abschied von Deutschlands Großbanken

Peter Helmes

Foto: Durch Who is Danny/Shutterstock
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Mehr Realismus statt sozialistischer Fusionsträume

Erstmals seit drei Jahren meldet die Deutsche Bank (DBk) wieder einen kleinen Gewinn – eine echte Trendwende markiert das aber nicht; denn der mickrige Gewinn ist hauptsächlich den Sparanstrengungen des neuen Chefs zu verdanken. Der Aktien-Kurs sank nochmals um ein Drittel. Die DBk schaffte es nicht, einen Weg aus der gefährlichen Abwärtsspirale zu finden, in der sich die Bank seit langem befindet. Im Gegenteil, der Niedergang der Deutschen Bank hat sich beschleunigt, und es glimmt nirgendwo ein Hoffnungsschimmer, wie diese Talfahrt gestoppt werden könnte. Die eigentlichen Erträge bleiben schwach.

Vertrauen fehlt

Man muß nicht lange nach den Ursachen forschen, die Haupterkenntnis liegt auf der Hand und ist auch nicht zu leugnen: Vertrauen fehlt – das ist die bittere Erkenntnis für das einst so renommierte Bankhaus, das in guten Zeiten auch und erst recht international ein Aushängeschild der deutschen Wirtschaft war.

Vertrauen ist das wichtigste Pfand eines Bankhauses. Das hat die DBk – auch schon unter dem damals viel gelobten Ackermann – gründlich verspielt. Eine ganze Reihe von Skandalen kam hinzu. Gut zehn Jahre nach der Finanzkrise steht die Bank noch immer im Schatten der Sünden der Vergangenheit. Das Vertrauen, das Kunden, Investoren und Aktionäre in das einst so stolze Bankhaus hatten, will, so scheint´s, einfach nicht wieder zurückkehren, eher im Gegenteil. Und die Frage, mit welchem Geschäftsmodell die Deutsche Bank in Zukunft Geld verdienen will, wenn sich die Konjunktur abkühlt und die Zinsen im Euroraum niedrig bleiben, bleibt weiterhin offen.

Die Fusionsphantasie des Olaf Scholz

Da tritt ein Mann auf den Plan, der eine bahnbrechende Idee auf den Tisch legt – die den sozialistischen Charakter des deutschen Finanzministers Scholz mal wieder offenlegt: Eine Fusion müsse her, sagt er und faselt etwas von einem „nationalen Banken-Champion“. Möglicher Fusionspartner: die Commerzbank (CoBa), an der der Bund noch immer beteiligt ist. Und natürlich steht, wenn´s schiefgeht, der deutsche Staat bereit, der Bank unter die mageren Arme zu greifen. Wir kennen das schon.

Das ist also eine geradezu abwegige Idee. Wenn man zwei Tandemfahrer, die gerade keuchend und mit hängender Zunge als Letzte das Ziel erreicht haben, wieder in die Arena zurückschickt, wird daraus kein starkes Team, sondern eher eine müde Lazarettveranstaltung. Damit könnten die beiden Banken nicht zu alter Stärke zurückfinden.

Mit seinem Ruf nach Fusion – mit einer Rückendeckung durch uns Steuerzahler – hält Olaf Scholz zwar seit Monaten die Fusionsphantasien am Leben. Doch daß die beiden Banken durch eine Fusion zu alter Stärke zurückfinden könnten, daran glauben die wenigsten. Eine Zwangsfusion mit der Commerzbank (Börsenwert rd. 10 Mrd. €) ist demnach keine Lösung, sondern nur eine Verlängerung des Leidens der Aktionäre – und letztlich der Kunden.

Denn käme es tatsächlich zur Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank, entstünde ein Finanzriese, der nicht unbedingt zu groß, aber sicherlich zu vernetzt wäre, um ihn pleitegehen zu lassen. Und wohin das führt, hat vor Jahren die Finanzkrise gezeigt mit strauchelnden Banken, die am Ende der Steuerzahler retten mußte.

Und noch etwas: Was der Bundesfinanzminister und Möchtegern-Kanzlerkandidat gerne verschweigt: Viele Kräfte gibt es bei den größten deutschen Banken in der Tat derzeit nicht zu bündeln. Beide Institute schwächeln, kämpfen nicht nur gegen einen zunehmenden Bedeutungsverlust und einen schrumpfenden Börsenwert – die Commerzbank ist nicht mal mehr ein Dax-Unternehmen – sondern auch mit zu geringen Erträgen, zu hohen Kosten, und zu viel Personal. Eine solche Megafusion hätte allein eine radikale Schrumpfkur zur Folge mit massivem Stellenabbau und vielen Filialschließungen. Es wäre nicht mehr als eine politisch orchestrierte Zwangsehe zu einem zu hohen Preis.

Fazit: So bitter die Erkenntnis ist, wenn kein Wunder geschieht, werden DBk und CoBa zu Schrumpfbanken, die irgendwo mitmischen – aber bestimmt nicht in der ersten Liga.

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2 Kommentare

  1. Das die Banken so dastehen, vor allem die Deutsche Bank, sind dem Größenwahn geschuldet und der Dummheit unfähiger Politiker. Scholz ist das beste das Beispiel, SPD und Finanzen, ist wie Geld aus den Fenster werfen. Der letzte, der etwas von Finanzen bei der SPD verstand, ist Sarrazin. Wurde er deshalb nicht Bundesfinanzminister, da er nicht die faulen Tricks seiner Genossen und Merkel, mitgemacht hätte. Ob ich richtig liege, weiß ich nicht, doch so ist meine Einschätzung.

  2. Seien wir ehrlich, wer will bei Betrügern sein Geld investieren, und die Commerzbank ist nichts wert. Das uns Heilsbringer Scholz 😉 das nächste faule Ei ins Nest legen will dürfte wohl Wunschtraum bleiben, ich erinnere gern an die HSH, wo der Steuerzahler auch noch seine hart erarbeitenden Steuern versenkt sah.

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