FAZ tief religiös: „Was will Gott uns mit Donald Trump sagen?“

Max Erdinger

Foto: Collage

Berthold Kohler, seines Zeichens Herausgeber der FAZ, vermeinte vermutlich, es stünde ihm gut, zur Abwechslung einmal den Lustigen zu geben. Er setzte Donald Trump mit dem vierten Reiter der Apokalypse aus der Offenbarung des Johannes gleich. Das vierte, fahle Pferd steht dort für die Furcht, die Krankheit, den Niedergang und den Tod. Die Medienkritik.

„Inspiriert“ wurde Kohler von einer Äußerung der Sprecherin des US-Präsidenten, Sarah Sanders. Die hatte etwas flapsig bemerkt, daß die Präsidentschaft von Donald Trump gottgewollt sei. Das hat sie schön ausgedrückt, weil das heißt, daß sie Gott hauptsächlich für einen gütigen Gott hält, der die Amerikaner vermittels seines Sendboten Donald von der gar gräßlichen Heuschreckenplage der „Liberals“ befreit hat.

Nun ist es aber leider so, daß das europäische Äquivalent zu den amerikanischen „Liberals“ die hierzulande herrschende Gutmenschenkaste ist, der es nun so vorkommen muß, als habe Sarah Sanders einen Vater-Sohn-Konflikt heraufbeschworen. In Deutschland hält sich bekanntlich ein ganzes Weibsengeschwader von Göring-Eckardt über Angela Merkel bis hin zu Heinrich Bedford-Strohm für die diverse Form von Gottes Sohn. Ihr Motto: Sind wir nicht alle ein bißchen Jesus? Da wollte Berthold Kohler einfach für ein bißchen ulkige Selbstvergewisserung sorgen.

Damit das nicht sofort auffällt – und damit ihm niemand journalistisch-ungeziemliche Parteilichkeit vorwerfen kann – , sind seine drei anderen apokalyptischen Reiter, so weit nicht ungewöhnlich, personifiziert als Alexander Gauland, Alice Weidel – und jetzt kommt´s – Ursula von der Leyen. Die siebenfache deutsche Militärmutti in einer Reihe also mit dem siebenfachen Milliardenpapa aus Amerika. Freilich ist meinereiner zu gewieft, um hier nicht sofort das Kohlersche Täuschungsmanöver in seiner biblisch verkleideten Arglist zu identifizieren. Kohler will Trump bashen, ohne daß hinterher jemand behaupten kann, er hätte Trump gebasht.

Berthold Kohler witzelt sichtlich bemüht: „Präsident von Gottes Gnaden – das wird dem Selfmademan kaum gefallen. Er dürfte nach dem Zores, dem ihm seine Russian Connection einbrachte, auch abstreiten, dass es vor der Wahl Absprachen zwischen ihm und Gott gab – obwohl es in God’s own country üblich ist, einfach mal so mit dem Allerhöchsten zu plaudern.

Das ist richtig. In Amerika ist das üblich, wie man an dem ubiquitären „Oh my god!“ (OMG) erkennen kann, das selbst dann von amerikanischen Frauen ausgestoßen wird, wenn sie gar keinen Orgasmus haben, oder wenn ihnen die Tiefkühlpizza angebrannt ist. Es ist aber insofern auch nicht ungewöhnlich, als daß Protestanten keinen Papst brauchen und seit Luther einen je persönlichen Bezug zu Gott haben, wobei die amerikanischen „White Anglo Saxon Protestants“ (WASP) als Abkömmlinge Calvins sozusagen die Extremform des protestantischen Individualgläubigen darstellen. Weswegen meinereiner als wohlwollender Anhänger des Fundamentalkatholizismus auch nicht viel gibt auf die amerikanische Religiosität – und auf die sozialistisch-bedfordströhmliche in Deutschland schon dreimal nicht.

Aufgemerkt, Berthold Kohler: Was der Protestant für ein Pläuschchen mit Gott hält, nennt man in katholischen Fachkreisen ein „Selbstgespräch“. Das erklärt gut, warum dem Amerikaner so oft Bigotterie vorgeworfen wird, also die „Zwiegöttlichkeit“. Bei den protestantischen Briten der Church of England ist es seit Heinrich VIII. übrigens nicht viel anders. Wenn der weiße Amiprotestant betet, dann realiter zu sich selbst, in der Annahme, er richte sich an einen anderen, den er „Gott“ nennt. Deswegen beten sie in Amerika auch immer für die zum Tode Verurteilten. Sie wollen partout nicht wahrhaben, daß sie selbst es sind, die gerade einen umbringen wollen. Das schieben sie lieber einem „allmächtigen Gott“ in die Schuhe. Spirituelle Blindheit bei maximaler Selbstgerechtigkeit ist protestantisch, sozusagen. Mein Glaubensheld ist Pater Maximilian Kolbe und nicht Martin Luther King.

Aber was soll´s: Man ändert an den bekannten Verhältnissen in „God´s Own Country“ nichts dadurch, daß man die amerikanische Bigotterie ständig durch den Kakao zieht. Ernstnehmen muß man sie trotzdem. Das nennt sich Anerkennung der „Macht des Faktischen“. Fakt ist: „In God We Trust“ steht nicht auf der amerikanischen Bibel, sondern auf der amerikanischen Dollarnote. Die wiederum ist die Verkörperung des Materialismus par excellence. Und der wiederum kommt vom lateinischen „mater“ (für Mutter), so, wie die Materie auch. Weil nun der WASP- Gott eher groß, „gerecht“ und mächtig als gütig ist, haben amerikanische Mütter große weiße Zähne, die sie die ganze Zeit blecken. Mit denen können sie kraftvoll zubeißen, mit ihren aufgepumpten Titten säugen sie die protestantischen Gläubigen – und das Verhältnis des amerikanischen Punzenfiffis – Trump ist ganz zweifellos einer – zu den Materialistinnen besteht im wesentlichen aus einer Siegerphantasie, die jeglichen Realitätsbezugs entbehrt. Sie spiegelt sich in dem ubiquitären Gebrauch des Wortes „Motherfucker“. Das wiederum erklärt den Männersport der amerikanischen „Erfolgreichen“: Schöne Frauen flachlegen. Das zieht sich durch von Kennedy über Clinton bis Trump. Sie interpretieren das insgeheim als „den Gefallen des allmächtigen Gottes“ gefunden zu haben.

Da nun der männliche Sexualtrieb ebenfalls mächtig ist, spornt die Anbetung der materialistischen Göttin – in Amerika „God“ – zu materialistischen Höchstleistungen an, die kaum jemand besser personifiziert als Donald Trump. Das muß man tolerieren, weil man es nicht ändern kann. Toleranz kommt vom lateinischen „tolerare“, was soviel heißt wie „etwas ertragen, aushalten“. Das Faktische muß man aber nicht nur aushalten, sondern man muß auch damit umgehen. Das macht man am besten auf kluge Weise. Klug wäre gewesen, die Äußerungen von Sarah Sanders zur Gottgesandtheit von Trump mit einem wissenden Lächeln kommentarlos zu registrieren, anstatt sich pseudorenitent lustig zu machen über das, was sich ohnehin nicht mehr ändern läßt und jedem Altkatholiken längst klar ist.

Kohler unverdrossen: „Doch nehmen wir einmal an, dass mit der Wahl Trumps tatsächlich der unwiderlegbare Gottesbeweis erbracht worden wäre. Dann müsste man sich natürlich fragen, was den Herrgott dazu gebracht haben könnte, den Amerikanern und uns einen solchen Präsidenten zu schenken.

Das ist schon fast wirklich lustig. Kohler wird doch wohl nicht ernsthaft annehmen, daß sein Verstand ausreicht, um herauszufinden, warum (der katholische) Gott etwas verschenkt. Was glaubt er eigentlich, wozu es die Religion gibt, wenn er unterstellt, die ersten Christen seien der Ansicht gewesen, ihr Verstand reiche aus, um sich die Welt zu erklären? Fragen kann er sich natürlich lang. Antworten wird er so aber keine bekommen. Gott ist Suche, nicht Fundbüro.

Das hieße freilich, dass im Himmel ein ziemlicher Wutgott am Werk wäre, in gelber Weste. Denn er hätte ja auch mildere Plagen über uns kommen lassen können, die Schwarzen Blattern etwa. Oder noch einmal eine Sintflut.

Der Kohler kann eine Sintflut noch nicht mal dann erkennen, wenn er schon bis zur Hüfte drinsteht. Ob er jetzt die Schwarzen Blattern oder seine eigene Hirnerweichung für eine mildere Plage als Donald Trump hält, spielt dabei keine Rolle. Politische Analogie zur Sintflut: Das versammelte Gutmenschentum in seiner diabolischen Einbildung von der eigenen Gottgefälligkeit. Mit Angela Merkel als Prophetin. Diese Sintflut schwappt stinkend inzwischen durch jede Ecke der westeuropäischen Gedankenbehausung. Wir werden alle drin ersaufen, wenn uns ein gütiger Gott nicht bald etwas Trumpähnliches in der europäischen Variante schickt. Kohler outet sich hier als blasphemischen Atheisten und kommt sich noch witzig vor dabei. Dabei unterscheidet den Atheisten von einem calvinistischen Protestanten so gut wie gar nichts. Unterschied von Luther und Calvin im Detail: Calvinisten glauben, daß persönlicher Wohlstand ein Ausweis ihrer Gottgefälligkeit sei. Luther hatte den Materialismus wenigstens noch von seinem Gottesbegriff abgekoppelt, was freilich nichts daran ändert, daß er sonst mit allem danebenlag. Wenn auch nicht so furchtbar daneben wie Thomas Müntzer, der Gottes Reich partout schon auf Erden errichten wollte – womit er den WASPs von heute übrigens nicht ganz unähnlich gewesen ist – und paradoxerweise auch den Kommunisten nicht. Womit dann das folgende Thema zur Debatte stünde: Der Zusammenhang von Protestantismus, Sozialismus, Gleichheitsfetisch, Massendemokratie und Materialismus.

Wenn wir Glück haben, ist Trump nur die letzte Warnung, ein Schuss vor den Bug von allerhöchster Warte, der uns sagen soll: Treibt es mir nicht zu blond! Diese Mahnung wäre mehr als berechtigt, wenn man sich vor Augen hält, mit welchem Irrsinn die Menschheit ihre Zeit verplempert, und wie oft Männer mit hellen Haaren daran beteiligt sind. Aber auch dunklere Schöpfe haben sich schon auf „die Vorsehung“ oder direkt auf unseren Schöpfer berufen. Der musste immer dann aufs Koppelschloss, wenn wir in Massen ins Paradies einmarschieren wollten.

Nein. Wenn wir Glück haben, ist uns ein Artikel wie der von Kohler die letzte Warnung. Marx und Lenin siedeln sehr viel näher am „dunkleren Schopf“ als Trumps blonder Schopf – auch wenn der in deutlich  größerer, presbyterianischer Entfernung tendeziell in dieselbe Richtung schaut. Es zieht sich eine kerzengerade, logische Linie durch die europäische Geistesgeschichte, auf der drei Jahreszahlen in einer Reihe  liegen: 1517 – 1789 – 1917. (Reformation – frz. Revolution – Weltkommunismus). Trump ist zwar ein Erzkapitalist, aber den heute herrschenden, zivilreligiösen Egalitätsdogmen kann auch er sich nicht mehr entziehen. Der Mensch als je einzigartiges Geschöpf Gottes hat 1517 seinen ersten Schwinger bekommen, 1789 wurde es halb totgeschlagen und 1917 gar ermordet. Seither tappt es als kollektivierter Zombie über das Erdenrund. Typen wie Kohler finden das durchaus bewahrenswert. Aber was will man schon erwarten von einem heutigen Mainstreamprediger, wenn er sich mit „Gott“ beschäftigt?

 

 

 

 

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24 Kommentare

  1. sagen sie, trump sei ein paedophiler? ein werkzeug des deep states? das ist ja ein starkes stueck. beweisen sie das bitte.

  2. Der Deep State ist sehr mächtig und kann nicht im Handstreich erlegt werden, auch nicht vom US-Präsidenten. In meinen Augen macht Trump genau das Richtige um den Verbrechern ihre Grundlagen zu entziehen und schließlich hinter Gitter zu bringen. Alle seine Taten gehen genau in diese Richtung und eine andere Erklärung ist nicht plausibel. Die Theorie, daß das nur Theater sei, um die paar Aufgewachten einzufangen, halten ich für Unfug. Denn für vielleicht hundert eingefangene Aufgewachte werden durch die ganze Aktion mindestens fünfhundert Leute neu aufwachen. Man muß einfach Geduld haben.

  3. Wenn die Wahrheit an’s Licht kommt….und das kommt sie immer, also die Wahrheit der letzten 150 Jahre (reicht für’s erste) , dann wird eine Schockwelle die Welt erschüttern, die Schuldigen, Rotschild’s, Rockefellers, Warburgs, Soros usw. samt ihrer Marionetten von Clinton’s, Bush’s,den Demokratten in Übersee usw. hier Merkel, Macron, das gesamte linke Spektrum, der Vatikans, der City of London, Washington DC für immer in die Bücher bringen. Nur diesmal sind es Strafgesetzbücher, in denen sie als Beispiele für Hoch- und Landesverrat, beschuldigt im Sinne der Anklage wegen Menschen-und Kinderhandel, Pädophilie usw. niedergeschrieben werden. Ihre Anklagen werden kurz und sehr schmerzhaft in Militärgerichten vollstreckt werden.
    Gott schütze Donald Trump, Wladimir Wladimirowitsch Putin, Orban, Salvini und all die anderen Patrioten dieses Planeten !
    Wie sagte mal ein ital. Schriftsteller, selber Linker, zumindest wird es ihm zugeschrieben:
    „DER FASCHISMUS, DER WIEDER KOMMT WIRD NICHT SAGEN ICH BIN DER FASCHISMUS. NEIN ER WIRD SAGEN; ICH BIN DER ANTIFASCHISMUS „!!!!…wie wahr….
    Faschismus war schon immer links und nie rechts …., links kommt von „linken, betrügen, verarschen usw., während rechts von RECHT kommt !!!!

  4. Bei der FAZ ist man nun tatsächlich auch unter die Naatsies und Rassisten gegangen. Es gibt doch neuerdings nur noch einen Gott, und dessen Name beginnt mit A. Die „Journalisten“ hätten erst einmal Rücksprache mit dem schwergewichtigen Kardinal halten sollen, der mit dem Begriff des christlichen Abendlands ja auch so seine Probleme hat. Peinliche Panne, FAZ. Sechs, setzen!

  5. Gegenfrage: was will Gott damit sagen, daß er solche Leute wie Bedford-Strohm, Marx und deren Brüder und Schwestern im Geiste für sich sprechen läßt? Leute, die sich seines Namens bedienen für Sachen, die seinem Namen richtig gut Schaden zufügen? Ich als Heidnische bin froh, daß die nicht dazu berufen sind, die Namen der germanischen/ nordischen Götter in den Dreck zu werfen

  6. Trump = America first! Merkel, Macron, der Besoffene aus Brüssel: Moslems and Africa first!!! Man kann es täglich sehen, wie schön es ist!!!!!

  7. ,,Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen.“

    -Michael Klonovsky

  8. Die sogenannten Qualitätsmedien haben doch nur die Zeit all diesen Schwachsinn über trump, orban, salvini, brexit etc zu verzapfen weil sie nichts über die Missstände im eigenen Land berichten (dürfen). Das gute ist dass mittlerweile auch die Dümmsten ihrer Leser das erkannt haben und der Abbau der Jobs dieser schmierfinken bald beginnen wird.

  9. Wieder so ein hochtrabender mit allen möglichen Erkenntnissen und Mythen und sozialen Tatsachen gewürzter Artikel. Das sehe ich einfacher der scheinheilige Neoliberalismus und der verzweifelte Neomarxismus, versuchen sich die jeweiligen Bevölkerungen und deren schräge Eliten als Arbeitssklaven für ihre Spielchen zu erhalten.
    Gutmenschentum ,Weiberwirtschaft sind soziale Mutanten.
    Bunt, tolerant, weltoffen, gleich sind erdachte erwünschte Eigenschaften die diesen Oberwahnsinn, vorallem im Westen aufrecht erhalten sollen.
    Hallo mal lesen: „Gewalt“ und „Das unbeschriebene Blatt“ von Steven Pinker und „Politik der Apokalypse“ von John gray. !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  10. „Wenn wir Glück haben, ist Trump nur die letzte Warnung, ein Schuss
    vor den Bug von allerhöchster Warte, der uns sagen soll: Treibt es mir
    nicht zu blond!“

    Nicht die letzte Warnung, das ist erst der Anfang einer sehr langen linksbefreiten Epoche.

  11. Ist das Cheblisyndrom ansteckend? Je mehr solcher Schwachsinn verbreitet wird umso mehr glaub ich dass es ansteckend ist.

  12. Ich glaube zwar nicht an Gott, aber wenn es ihn doch geben sollte und er damit etwas sagen wollte, dann ganz bestimmt: „Leute, gebt kein Geld für ein Käseblatt wie diese FAZ aus.“

  13. Trump passt nicht in linkes Denken. Trump ist ein Macher. Er handelt unter dem Motto Angebot und Nachfrage. Er will verkaufen und einkaufen, egal ob es nun materiell oder ideell ist, setzt den Preis ganz hoch an und verhandelt dann, bis man für beide Seiten eine befriedigende Lösung findet. Das ist wesensfremd für Linksgrün, die immer nur verordnen, anordnen unter dem Motto alles oder nichts oder sich über den Tisch ziehen lassen, wenn es in ihren ideologischen Kram gerade mal passt.

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