Feind Feinstaub: Immer diese Lungenfachärzte

Max Erdinger

Nach dem Feinstaub kommt der Ultrafeinstaub Foto: Von cbies/Shutterstock

Es wirft ein bezeichnendes Licht auf die deutsche Debattenkultur, wie die Chefpropagandisten unter den Umwelthysterikern auf den Vorwurf des Pneumologen Dr. Köhler und hundert seiner Kollegen reagieren, die gesetzlichen Grenzwerte für die Feinstaubbelastung dienten lediglich der Panikmache. Wenn die fortgesetzten Täuschungsversuche vermittels „Umwelt“ nicht solche fatalen gesellschaftspolitischen Folgen hätten, könnte man über die pseudoargumentative Gegenoffensive der ertappten Hysteriker nur noch schallend lachen. In der Süddeutschen Zeitung schreibt so einer. Die Medienkritik.

Werner Bartens ist der Unglückliche, der ausgelost wurde, Ruhm und Ehre des Süddeutschen Beobachters zu retten und die vom Pneumologen Köhler ramponierte Reputation der Ideologenpostille aus München wieder herzustellen. Seine Tricks.

Als Experte erfährt man in Deutschland viel Aufmerksamkeit, erst recht, wenn man wie Köhler dieser Tage behauptet, „dass es keine relevante Gefährdung bei einer geringen Überschreitung der Grenzwerte für Stickoxide und Feinstaub gibt“. Wer anderer Ansicht sei, habe eben wissenschaftlich kaum Ahnung, übersehe die systematischen Fehler früherer Untersuchungen und lasse sich von falschen Vorannahmen leiten. Nachdem die Diskussion bereits Ende 2018 im Deutschen Ärzteblatt geführt wurde, wovon aber kaum jemand Notiz nahm, hat Köhler jetzt ein Positionspapier erstellt, das mehr als 100 Fachkollegen unterzeichnet haben. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie, also der Zusammenschluss der Lungenexperten, hat allerdings etwa 4000 Mitglieder.

Trick 1: Die Insinuation via „demokratischem Mehrheitstrick“. Weil die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie 4000 Mitglieder hat, sich aber nur etwa 100 davon hinter Köhler gestellt haben, seien Köhlers Behauptungen fragwürdig, wird so insinuiert. Ebenso gut möglich: Wegen des von hundert verschiedenen Seiten bereits beklagten Konformitätsdrucks hinsichtlich der freien Meinungsäußerung – zuletzt vorgetragen von Handball-Star Stefan Kretzschmar – halten 3900 Pneumologen einfach den Mund und sagen gar nichts. Nicht alle sind bereits im Ruhestand wie Dr. Köhler (70) und hätten persönlich durchaus viel zu verlieren, so sie sich gegen die herrschende Diskurshoheit der gesellschaftspolitisch überaus absichtsvollen Ökohysteriker stellen würden.

Auf den Furor angesprochen, mit dem Dieter Köhler die aktuellen Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid angreift, hat Schulz nur die Erklärung, dass dem Chefarzt im Ruhestand zunehmend die Offenheit für die Argumente der anderen fehle.

Trick 2: Die Unterstellung. Natürlich muß einer wie Schulz, Direktor des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum München, mit Vermutungen zur Motivlage Köhlers hervortreten, wenn er sich mit seinen „wissenschaftlichen Daten“ einem Vergleich mit denen Köhlers nicht stellen kann. Es geht notwendigerweise vom Wissenschaftlichen weg und zur Unterstellung eines persönlichen Motivs hin. Das läßt sich auf derselben Ebene kontern: Schulz behauptet in der Sache etwas anderes als Köhler. Insofern treffen Köhlers Behauptungen die wissenschaftliche Reputation von Schulz. Unterstellung: Schulz kontert ad personam, um seine eigene Reputation zu retten. Tatsache ist: Allgemein herrscht eher der Eindruck, als fehlte den Feinstaubhysterikern die „Offenheit für die Argumente der anderen“, nicht den Pneumologen um Köhler.

„Auch Köhlers Vergleich, dass es kein typisches „Vergiftungsmuster“ für Feinstaub, Stickoxide und Co. gebe, und Raucher trotz der Belastung auch nicht nach einem halben Jahr tot umfallen, entkräftet Schulz. „Bei einem jungen, gesunden Raucher sehen wir sehr wohl detailliert Entzündungszeichen in der Lunge und im Blut – das ist beim Zigarettenrauch ähnlich wie bei Feinstaub und Stickoxiden“, so der Arzt und Epidemiologe. „Ich will keine Panik schüren, aber auf die Belastung hinweisen. Und wir können nicht so weitermachen mit unserer ungebremsten Mobilität: Schauen sie mal, wie viel Platz in unseren Städten für Spielplätze vorhanden ist – und wie viel für Parkplätze.“

Trick 3: Ablenken vom Thema. Natürlich wollen die Feinstaubhysteriker Panik schüren. Schließlich verfolgen sie ein Ziel, das per Schüren einer Hysterie erreicht werden soll. Köhlers Vergleich mit den Rauchern ist exzellent gewählt. Helmut Schmidt war starker Raucher und starb mit 96 Jahren. Eigenen Veröffentlichungen der Feinstaubhysteriker zufolge belastet eine im Freien gerauchte Zigarette die Luft so stark mit Feinstaub, wie ein Diesel-Pkw-Motor, der eine Stunde lang im Stand läuft. Wie viel Platz in unseren Städten für Spielplätze vorhanden ist, hat mit der Frage nach der Gefährdung durch Feinstaub nicht das geringste zu tun. Ginge es um städtischen Raum um Spielplätze, ließe sich ebenso gut der „Solidaritäts-Quadratmeter“ für Kinder einführen. Alle Neubauwohnungen werden um einen Quadratmeter kleiner gebaut. Eine 80 qm-Dreizimmerwohnung hätte dann real nur 79 qm – und alle eingesparten Solidaritäts-Quadratmeter zusammen ergeben Spielplatzfläche. Abgesehen davon: In Großstädten kann man Kinder sowieso nicht mehr unbeaufsichtigt auf den Spielplatz lassen. Wozu dann also mehr Spielplätze? Ein Auto kann man evtl. noch unbeaufsichtigt stehen lassen.

Die Bevölkerung in Deutschland verliert durch die Luftverschmutzung jährlich 600.000 Lebensjahre

Trick 4: Die Sensation der großen Zahl. Wieviele Lebensjahre verliert die Bevölkerung durch den Ärger mit Merkels Migrationspolitik? Wieviele durch Bewegungsarmut und „falsche Ernährung“? Wieviele durch den Flugverkehr über ihren Köpfen? Wieviele durch Alkohol? Warum lebt eigentlich überhaupt noch jemand? Durch das Streuen völlig irrelevanter Zahlenwerte bei gleichzeitigem Ignorieren der relevanten Werte läßt sich gewaltiger Bohei generieren. Beispiel CO2: Die einzig relevante Zahl ist die, welche den Anteil von CO2 in der Luft angibt. Genau die wird aber nie genannt in der Debatte. Immer geht es nur um den Ausstoß, nie um das, was er prozentual aufs Ganze gesehen ausmacht. Aber bitte: Was sind 600.000 Lebensjahre verteilt auf 80 Millionen bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 80 Jahren? Rechnung: 600.000 : 80.000.000 x 80 = o,00009 Jahre pro Leben. Vier Nullen hinter einem Komma, vor dem eine Null steht. Es gibt Unwägbarkeiten im Leben, die vermutlich auf einen höheren Wert kommen.  Aber: 600.000 klingt nach einer großen Zahl – und sie heißt in diesem Zusammenhang doch nichts anderes als eben 0,00009375. Und das auch nur, wenn die 600.000 nicht sprichwörtlich „aus der Luft gegriffen“ waren.

Resümee: Versuch der fortgesetzten Leserverarschung in der Süddeutschen. Es sind gerade die hanebüchenen Versuche, den Pneumologen Köhler und seine 107 Kollegen zu widerlegen, die nahelegen, daß er recht hat. Zudem ist der zulässige Grenzwert für Feinstaubbelastung am Arbeitsplatz in geschlossenen Räumen um ein Vielfaches höher als der für die „frische Luft“. Genau dort also, wo sich der Lungenmensch acht Stunden am Tag aufhält, wird der Grenzwert für die Straßen um ein Vielfaches überschritten – und ist Gesetz. Es wäre interessant, zu erfahren, welche Reaktionen Chefarzt Köhler und seine Kollegen erhalten haben, seit sie sich mit ihrem Widerspruch hervorgewagt haben. Wahrscheinlich hat er schon den Titel „Feinstaubnazi“ verliehen bekommen.

 

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