Venezuela: Kein Lebenszeichen von Billy Six

Kriegs- & Krisen Reporter Billy Six (32) befindet sich aktuell im Gefängnis in Venezuela; © jouwatch
Kriegs- & Krisen Reporter Billy Six (32) befindet sich aktuell im Gefängnis in Venezuela; © jouwatch

Von dem Berliner Reporter Billy Six, der in Venezuela vor zweieinhalb Monaten unter dem Vorwurf „Spionage, Rebellion und Verletzung von Sicherheitszonen“ verhaftet wurde, fehlt seit dem 9. Januar 2019 jedes Lebenszeichen. Es besteht Anlaß zu größter Sorge. Die B.Z. berichtete.

Der politische Machtkampf in Venezuela ist dabei, in einen Bürgerkrieg auszuarten. Bisher kamen mindestens 13 Demonstranten bei den wütenden Protesten ums Leben, die dem bisherigen Präsidenten gelten, dem Sozialisten Nicolás Maduro. Venezuela hat zur Zeit zwei Staatsoberhäupter. Am vergangenen Mittwoch erklärte sich Oppositionsführer Juan Guaido in Caracas ebenfalls zum Präsidenten. Noch ist nicht klar, auf wessen Seite sich das Militär schlagen wird. Die Bundesregierung hat inzwischen, ganz anders als im Fall der französischen Gelbwestenproteste, nach Neuwahlen in dem südamerikanischen Land verlangt.

Der Sozialist Maduro hatte am 10. Januar seine zweite Amtszeit angetreten, ohne daß er regulär gewählt worden wäre. Der Berliner Journalist Billy Six (32) hatte Maduro öffentlich kritisiert, und war bereits am 17. November 2018 in einem Strandhotel von Los Taques bei Punto Fijo vom venezolanischen Geheimdienst verhaftet worden. Seine Recherchen erstreckten sich auf Schmuggel und Emigration. Von Los Taques aus wurde er in das Gefängnis „El Helicoide“ in Caracas gebracht, welches als Folterzentrum der Geheimpolizei Sebin gilt. Seit dem 9. Januar gibt es kein Lebenszeichen mehr von Billy Six. Der junge Reporter war für die konservative Wochenzeitung „Junge Freiheit“ im vergangenen Jahr nach Venezuela gereist und verfasste dort unter anderem den JF- Artikel „Außer Kontrolle geraten„.

Billy Six zog vermutlich den Zorn der Regierung Maduro auf sich, weil er in dem Artikel beschrieb, weswegen sich allein im Jahr 2018 Hunderttausende Einwohner des krisengeschüttelten Venezuela im Nachbarland Kolumbien in Sicherheit brachten. Wegen „Spionage und Rebellion“ rächte sich der berüchtigte venezolanische Geheimdienst daruafhin an dem Berliner und steckte ihn in das berüchtigte Militärgefängnis El Helicoide in Caracas, verrufen als der Folterkeller des roten Regimes. Erst Wochen später durften ihn Mitarbeiter der Deutschen Botschaft dort besuchen. Kontakt zu seinem Bruder hielt Billy Six unterdessen über inoffizielle Kanäle.

Am vergangenen Mittwoch sollte der Prozess gegen den Journalisten eigentlich beginnen. Doch seit dem 9. Januar gibt es kein Lebenszeichen mehr von Billy Six. Weder der von seinen Eltern beauftragte Rechtsanwalt noch Botschaftsmitarbeiter hatten seither Kontakt zu ihm. Die Eltern von Billy Six machen sich größte Sorgen um ihren Sohn. Der „Jungen Freiheit“ gegenüber äußerte sich der Vater des Journalisten dahingehend, daß er nicht wisse, was die Deutsche Botschaft für Billy noch erreichen kann. So sei beispielsweise die  „nötige Unterschrift von Billy für die Autorisierung des von uns beauftragten Anwaltes und damit die Ablösung des staatlichen Pseudo-Verteidigers“, von den venezolanischen Sicherheitsbehörden hintertrieben worden. Man müsse daher im schlimmsten Fall damit rechnen, „dass unser Billy alleine vor einem Militär-Tribunal stehen und diesem wehrlos ausgeliefert ist“, so sein Vater im Gespräch mit der „Jungen Freiheit“.

Zwar habe es bei seiner ersten Vernehmung vor einem Militär-Gericht am 18. November 2018 noch einen Dolmetscher gegeben, so der Vater von Billy Six, doch dessen Englisch sei beim besten Willen nicht zu verstehen gewesen. Er gehe davon aus, dass es im eigentlichen Prozess genauso schlimm wird. Auch die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) bezweifelt, daß Billy Six einen fairen Prozeß zu erwarten hat. Das Verfahren gegen ihn sei eine Farce, äußerte ROG- Geschäftsführer Christian Mihr. Venezolanischem Recht zufolge habe „jeder Beschuldigte das Recht, von Beginn der Ermittlungen an von einem Verteidiger seiner Wahl vertreten zu werden“. Dies jedoch werde Billy Six „seit seiner Festnahme vor mehr als zwei Monaten verwehrt“. Zudem stehe Billy Six als Zivilist völlig zu Unrecht vor einem Militärgericht. Mihrs Worten zufolge sieht das Ganze sehr nach einem politischen Verfahren aus. Politische Schauprozesse sind eine Spezialität aller sozialistischen Diktaturen, egal ob rot- oder braunsozialistisch.

Die Anklage behauptet, Six habe bei Militärparaden anlässlich des Unabhängigkeitstages am 5. Juli 2017 und 2018 illegal fotografiert, im Mai 2018 rechtswidrig Staatspräsident Nicolás Maduro auf einer Wahlkampfveranstaltung innerhalb einer Sicherheitszone abgelichtet und sich obendrein mit der kolumbianischen Guerillagruppe FARC getroffen.

Alle Fotos, Interviews und Gespräche seien jedoch ausschließlich journalistischen Charakters gewesen, wie der Bruder von Billy Six vor einigen Wochen in einem Gespräch mit dem Berliner Kurier betont hat. Dafür drohen Billy Six jetzt 28 Jahre Haft in Venezuela. Extrem auffällig ist die mangelnde Berichterstattung in den deutschen Mainstream-Medien zu dem Fall. Als der deutsch-türkische Mainstream-Journalist Deniz Yücel 2017 in der Türkei inhaftiert worden war, sah das ganz anders aus. Sogar der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte war damals tätig geworden. (ME)

 

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