„Nazi-Methoden“-Proteste: Salvini räumt zweitgrößte Flüchtlingsunterkunft Roms

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Rom – Ende Januar ist Schluß mit dem zweitgrößten Flüchtlingslagers Italiens. Die Räumung hat begonnen, die Opposition ist entsetzt und wirft dem Innenminister Nazi-Methoden vor. Auch die dort angestellten Flüchtlingshelfer sind wenig begeistert – mehr als 100 von ihnen werden arbeitslos.

Bis Samstag sollen die 540 Bewohner des Asylheim in Castelnuovo di Porto ausziehen. 300 von ihnen würden anderweitig untergebracht. 200 illegale Einwanderer, die nun laut Tiroler Tageszeitung ihren Aufenthaltsstatus und ihre Asylrechte auf kostenlose Unterbringung unter Salvinis Dekret verlieren, drohe die Abwanderung in die Illegalität und Obdachlosigkeit, klagen flüchtlingsaffine Unterstützer, sollten sie ihrer Abschiebung nicht zustimmen. Große Unzufriedenheit herrscht auch unter den Angestellten der Asylunterkunft. 107 Arbeitsplätze seien durch die Schließung gefährdet. Die Genossenschaft, die das Asylheim betreibt, beschäftigt dort unter anderem Ärzte, Psychologen und Lehrer.

Salvini werden „Nazi-Methoden“ vorgeworfen

Am Dienstag zogen die ersten 30 Einwanderer um, am Mittwoch folgten weitere 75. „Männer, Frauen und Kinder werden auf eine Art aufgeteilt, die an Nazi-Lager erinnert, Familien werden getrennt“, behauptete Roberto Morassut von der Demokratischen Partei am Dienstag im Parlament. Großes Jammern auch beim Bürgermeister von Castelnuovo: „Kinder, die hier in die Schule gehen, müssen die Ortschaft verlassen. Junge Migranten, die hier einen Integrationsprozess begonnen haben, wissen nicht, wohin sie gehen werden“, klagt Riccardo Travaglini.

Der italienische Innenminister wies die Nazi-Methoden zurück und verteidigte sein Vorgehen gegen abgelehnte Asylbwerber und Co. Dadurch, dass weniger Migranten in Italien landen, würden in anderen Asyleinrichtungen Plätze frei werden.

Sechs Millionen Euro für Italiener in Not

„Es ist eine Frage des gesunden Menschenverstands und einer guten Verwaltungspraxis, die den Italienern jährlich sechs Millionen Euro einsparen wird“, so Salvini gegenüber einem lokalen Radiosender. Alle, die das Recht hätten sich in Italien aufzuhalten, würden weiterhin großzügig unterstützt werden und in anderen Unterkunft untergebracht werden, erklärte Matteo Salvini. Die sechs Millionen Euro würden nun für bedürftige Italiener verwendet. „Ich habe getan, was jeder gute Vater tun würde“, stellte der 45-jährige Lega Nord Politiker klar.

Im Vorfeld hatte Salvini das Asylzentrum in Rom, das in den vergangenen acht Jahren rund 8000 illegalen Einwanderern Unterkunft geboten hat, als „Höhle“ für Drogenhandel und  Kriminalität bezeichnet, so The Guardian.

Die römische Unterkunft Castelnuovo di Porto hatte 2016 Schlagzeilen geschrieben, als der Papst dort zur rituellen österlichen Fußwaschung von muslimischen Migranten angereist war.

In den nächsten Monaten werden weitere Asyleinrichtungen geschlossen, darunter auch das größte Siziliens in Mineo, berichtet Aljazeera.

 

 

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