Nazis raus! – Mein Dialog mit der verstockten Margarethe vom SPIEGEL

Max Erdinger

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Margarethe Stokowski (links) ebenfalls "links versifft" (rechts) - Foto: Imago

Die Margarethe vom SPIEGEL heißt Stokowski. Vielleicht hat sie polnische Vorfahren. Von „verstockt“ wird´s wohl nicht kommen. Aber ein bißchen verstockt ist sie trotzdem. Sie will und will es einfach nicht begeifen, daß sie als Küchenhilfe hätte glücklich werden können. Daß sie beim SPIEGEL nicht mehr alle Tassen im Schrank haben, wissen wir nicht erst seit Relotius. Aber daß sie die verstockte Margarethe immer noch dort schreiben lassen … – also, man macht sich schon Sorgen. Einen Dialog mit mir würde die verstockte Margarethe natürlich niemals führen, so ein gräßlicher Nazichauvisexist wie ich bin. Meinereiner weiß sich aber zu helfen. Er nimmt einfach das, was die verstockte Margarethe geschrieben hat, setzt seine Antworten völlig frei darunter und macht sich seinen eigenen Dialog mit der Margarethe. Die satirische Medienkritik.

Es ist ja nicht so, daß der Stokowski nicht schon öfter von Klügeren die Leviten gelesen worden wären. Aber sie lernt einfach nichts dazu. Die Tage hat sie wieder was geschrieben. Über die „deutscheste Debatte überhaupt„. Mit „Nazis raus!“ hat es zu tun – und mit einer anderen Powervrouw, die getwittert hatte, daß Nazi sei, wer die Grünen nicht wählt. Ich habe mir nicht gemerkt, wie die hieß. Weil ich mir nie merke, wie Frauen heißen, von denen ich nichts will. Außer bei Merkel. Da kommt sogar meinereiner nicht drum herum, sich den Namen einzuprägen. Und bei dieser Verstocktkowski natürlich. Wie hieß die jetzt mit Vornamen nochmal? Muß man wissen, weil sich in ihren Kreisen alle duzen. Ach so, ja, Margarethe. So heißt sie.

Der Tweet einer TV-Journalistin hat Anfang des Jahres einen teils abstrusen Streit ausgelöst. Vor allem aber hat er gezeigt, wie man in einer solchen Debatte falsch abbiegen kann„, schreibt die Margret. Jetzt darf ich aber auch mal:  Frauen können überall falsch abbiegen, du Margarethe. Ich bin in meinem Leben sehr viel mit dem Auto unterwegs gewesen. Ich weiß das.

Wenn man den kürzesten Weg gehen wollte, könnte man einfach festhalten, dass Boris Palmer die Parole „Nazis raus“ kritisch sieht, und schon wüsste man, dass sie richtig und gut ist.“ – Aha. Margarethe liebt Boris nicht. Sie stünde mehr auf einen Dunkelgrünen, wahrscheinlich. Was der hellgrüne Boris denkt, ist, so scheint es,  schon prinzipiell so unverständlich für die Margarethe, daß sie einfach rechthaben muß, um sich nicht selber für beschränkt zu halten.

Weil wir aber länger Zeit haben, können wir uns genauer ansehen, was da für eine traurige Debatte läuft, seit die ZDF-Journalistin Nicole Diekmann zum Jahresbeginn „Nazis raus“ twitterte.

Margarethe, ich glaube, es ist egal, wie lange ich mit dir gemeinsam etwas genau anschaue. Ich würde wohl immer etwas sehen, das dir verborgen bleibt.

Zunächst mal: Die deutscheste Debatte ever – sowohl in Bezug auf die Pingeligkeit, mit der gefragt wird, was genau denn jeweils die zwei Wörter im Einzelnen und in Kombination bedeuten, als auch in Bezug auf die weit verbreitete Bereitschaft, Menschenfeindlichkeit zu tolerieren und sich im Zweifel lieber doch nicht mit Antifaschistinnen zu solidarisieren.“

Welcher Zweifel denn, Margarethe?

Die Aufregung um Nicole Diekmanns Tweet hatte zwar erst mal auch etwas damit zu tun, dass Diekmann auf Nachfrage, was denn nun genau ein Nazi sei, den Witz machte, „jede/r, der/die nicht die Grünen wählt“ und Ironie im Internet immer dünnes Eis ist. Aber nicht nur. Sie hatte auch damit zu tun, dass es in einem Land, in dem sich Leute von einem „Nazis raus“ angegriffen fühlen, ein Problem gibt.

Daß das ein Problem sein könnte, – Respekt, Margarethe! Du bist gar nicht so verstockt. Weißt du, ich mag diese Braunlinken auch nicht. Weil ich überhaupt keine Linken mag. Deswegen empfinde ich das als ein Problem, wenn mich jemand mit „Nazis raus!“ anbrüllt. Der brüllt in die verkehrte Richtung. Das verstehst du doch, oder? Na komm …

Ein Tweet für alle Trolle und Rechten. #NazisRaus“, das war der Text, den Nicola Balkenhol, Deutschlandfunk-Onlinechefin, im Nachhinein nicht gelungen fand, wobei sie aber immerhin erklärte, dass man sich eigentlich nur aufs Grundgesetz einigen muss um zu sehen, dass in Deutschland kein Platz für Nazis sein sollte.

Nein, Margarethe, das stimmt nicht. Auf das Grundgesetz muß man sich nicht mehr einigen. Das ist schon 1949 passiert. Passiv mehr. Man ist darauf geeinigt worden. Da steht auch nicht drin, daß in Deutschland kein Platz für Nazis sein sollte, sondern daß keiner ist. Da wurde nicht vorgeschlagen, die NSDAP zu verbieten, sondern die wurde eindeutig verboten. Aber ich weiß natürlich, daß du keinen Nazi erkennen kannst, wenn du einen siehst. Deswegen kommen dir bloß alle so vor, die nicht genauso verstockt sind wie du. Das ist kein grundgesetzliches Problem, sondern deines. Frag mich einfach, wenn du mehr über Nazis wissen willst. Ich weiß da ziemlich viel. Zum Beispiel, daß die Funktionärsebene der NSDAP im Durchschnitt etwa dein Alter hatte. Deswegen waren sie auch noch nicht so lebenserfahren wie ich und haben viele böse Dummheiten angestellt. Manche haben sogar Artikel geschrieben. Im „Stürmer“ zum Beispiel. Das war damals das, was heute der SPIEGEL ist. Das glaubst du mir nicht? Doch, das stimmt, ich schwör´. Zumindest haben sie im „Stürmer“ genauso gelogen wie dein ehemaliger Kollege, der Relotius. Die Themen waren ein bißchen anders, das stimmt.

Es ist ja eigentlich ganz einfach. „Nazis raus“ ist ein simpler Spruch, aber das haben Demosprüche so an sich. Man geht nicht auf eine Demo und ruft „Wussten Sie eigentlich, dass die Entnazifizierung in Deutschland nicht so gut geklappt hat und in Politik und Justiz immer noch wichtige Ämter von Leuten besetzt sind, die Aussagen machen, in denen mitunter gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ausfindig gemacht werden kann und wollen wir da nicht noch mal drüber diskutieren, da würde ich doch sehr drum bitten“. Und nicht zuletzt ist „Nazis raus“ auch deswegen von überzeugender Klarheit, weil „Ausländer raus“ auch sehr simpel ist.

Das hast du fein bemerkt, Margarethe. Das mit der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit ist wirklich schlimm. Was heutzutage alles über Männer geschrieben wird, besonders über die toxischen und die alten weißen, – das ist astrein stürmermäßig. Ich verrate dir nochwas: In den letzten Jahrzehnten haben nicht so viele Unverbesserliche „Ausländer raus“ gebrüllt, wie heutzutage Leute deiner Couleur „Nazis raus“ in einer einzigen Woche. Ich weiß wirklich nicht, was das soll, wo doch alle „die Menschen“ gleich sind. Oder hältst du die Leute, die du fälschlicherweise mit Nazis verwechselt, am Ende gar für Untermenschen? Das kann ich dir sagen, Margarethe: „Untermenschen“ ist ein ganz, ganz böses Wort. Richtig pfui ist das. So etwas solltest du lieber nicht denken, weil sonst müsstest du nämlich … äh … RAUS!

Für Deutschland 2019 ist „Nazis raus“ aber schon kontrovers. Manche fragen, ob aus Naivität oder Trollerei: Ja, wohin denn? Raus aus Deutschland? Raus an die frische Luft? Ja, wo raus denn? Vorschläge: Raus aus politischen Institutionen, raus aus der Polizei, raus aus den Schulen und Unis, raus aus dem Leben von Menschen, die jeden Tag Erfahrungen mit Rassismus machen. Das wäre doch mal ein Anfang.

Margarethe, mein Kind, so beruhige dich doch! Ich bin ja ganz bei dir. Auch ich bin schwer dafür, daß man diese Nazis, die gegen das deutsche Volk hetzen und gegen weiße Männer, ganz gräßliche Rassisten sind und daß es ein schöner Anfang wäre, wenn man sie rauswerfen würde. Bei den Grünen raus, bei der SPD raus, bei der Antifa raus, beim SPIEGEL raus. Raus, raus, raus! Aber wohin denn? – Nach Rhodesien! Oder nach Venezuela. Und wenn wir damit fertig sind, dann sollten wir alle Sozis rauswerfen. Äh, Moment: Nein, die hätten wir dann ja schon alle rausgeworfen. Weil: Die Nazis von gestern sind ja schon die Sozis von heute. An dem unbedeutenden „Inter“, das die verschiedenen Nationalsozialisten nach braunen und roten trennt, wollen wir uns nicht so pingelig stören. Schließlich sind wir zwei beide nicht solche ekelhaften Pingelnazis, habe ich recht? Na siehste …

Außerdem behauptete Mathias Döpfner , der Spruch „Nazis raus“ würde „den Nationalsozialismus verharmlosen, damit den Holocaust minimieren“, ohne jegliche Erklärung, auf welch magische Art das nun wieder funktionieren soll.

Tja, Margarethe, mein Verstockterchen, jetzt kommst du genau an die Grenze, derentwegen auch so viele arme Frauen nicht richtig abbiegen können. Da fehlt´s einfach. Hier habe ich ein kleines, sehr lehrreiches  Unterrichtsfilmchen für dich. Du kannst doch ein bißchen Englisch, oder? Das solltest du dir einmal ansehen, wenn wir mit unserem Dialog hier durch sind. Es ist so: Natürlich würde man den Nationalsozialismus verharmlosen, wenn man jeden einfach einen Nazi nennt, der klüger ist als du. Das sind so viele unschuldige Klügere, daß praktisch ganz Deutschland menschenleer wäre, wenn man die alle rauswerfen würde. Und dann? Dann hätte man keine Nazis mehr, die man rauswerfen kann. Das mußt du doch verstehen? So verstockt kann man doch gar nicht sein? Jemand, der noch nie einen Polen überfallen hat, seine Heimat und seine jüdischen Freunde liebt, darf man nicht einfach einen Nazi nennen, nur, weil er die AfD wählt, um Deutschland vor den Sozis zu bewahren. Weil man dadurch sagen würde, daß die richtigen Nazis auch nicht schlimmer gewesen seien, als der. Und das stimmt nicht. Die waren viel schlimmer als so einer. Nein, Margarethe, wir wollen jetzt nicht lieber das Abbiegen üben. Das üben wir erst, wenn du verstanden hast, was ich dir gerade erklärt habe, damit es dir nicht mehr so magisch vorkommt. Keine Widerrede. Und das Filmchen nicht vergessen nachher, gelle?

Wer nichts mehr tut, was Nazis nicht irgendwie rumdrehen können, um sich als Verfolgte darzustellen, wird nichts mehr gegen Nazis tun und hat verloren.

Margarethe, – psssst! – , komm´mal näher. Ich muß dir was ins Ohr flüstern, damit diese Nazi-jouwatch-Leser nicht über dich lachen, wenn sie es mitbekommen. Psssst! – falls es dir gerade noch nicht aufgefallen sein sollte: Ich habe alles umgedreht. Warum? – Weil es ging. Jetzt denke mal scharf nach, was das bedeutet. Richtig. Du hast verloren. Gar nicht schön, ich weiß. Schau, Margarethe, das ist nicht so schlimm. Nur, weil gewinnen nicht alles ist, heißt das ja noch nicht, daß verlieren gar nichts ist. Du könntest immer noch etwas anderes machen, als dich von dem bösen weißen Männeraugstein, diesem toxischen,  für den Beweis instrumentalisieren zu lassen, daß Frauen nicht richtig abbiegen können. Küchenhilfe in einem Behindertenheim ist doch auch ein schöner Job? Du bist doch für die Integration, oder? Dort könntest du dich wundervoll integrieren und keinem würdest du so unangenehm auffallen wie als Artikelautorin beim STÜR … SPIEGEL.

Gut, daß wir mal darüber geredet haben, Margarethe. Wer sich mit mir unterhält, sieht hinterher immer klar. Nein, du mußt mir jetzt nicht so überschwänglich danken. Ich hab´s doch gern getan. Und jetzt: Hopp-hopp, Filmchen anschauen. Tschüß, Margarethe!

Ist sie nicht süß? Irgendwie, so? Doch, schon. Weiber – zum knutschen …

 

 

 

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