Polizeigewerkschaften reagieren zurückhaltend auf Anti-AfD-Vorstoß

Foto: Journalisten bei der AfD (über dts Nachrichtenagentur)

Berlin – Wenn es um die AfD geht, werden sie plötzlich alle zu Politiker: Mit Zurückhaltung haben führende Polizeigewerkschafter auf den Vorstoß des Chefs der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, reagiert, der von Beamten, die bei Wahlen für die AfD kandidieren, eine klare Distanzierung vom rechtsnationalen „Flügel“ um den Thüringer Landeschef Björn Höcke verlangt hatte. „Oliver Malchow beschreibt das Problem ganz richtig und fokussiert richtigerweise auf unseren Eid“, sagte der Bundesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Sebastian Fiedler, dem „Handelsblatt“ (Mittwochsausgabe). Er könne jedoch mit einer „Forderung nach einem Distanzieren recht wenig anfangen. Das wirkt wie ein frommer Wunsch“, so Fiedler weiter. Wer als Landtagskandidat der AfD in Thüringen antrete, habe ganz offensichtlich von vornherein wenig Probleme mit dem rechtsextremen AfD-Flügel von Höcke, gab Fiedler zu bedenken. Der Verfassungsschutz werde sich das Treiben genauer anschauen, und das sei auch gut so.

„Ich bin schon auf den Wahlkampf gespannt. Dann müssen die AfD-Polizeibeamten den Wählerinnen und Wählern versuchen zu erklären, wie die Polizei nach Auflösung der Europäischen Union oder nach einem Austritt Deutschlands – so die AfD-Positionen – künftig Cybercrime oder die Organisierte Kriminalität besser bekämpfen soll als mit gemeinsamen Ermittlungsgruppen oder mit einem starken Europol“, sagte der BDK-Chef. Alle Fachleute, die er kenne, „treten in diesen Fragen für mehr EU ein“, so Fiedler weiter.

Auch der Chef der Bundespolizeigewerkschaft, Ernst G. Walter, stellte sich gegen den Vorstoß seines Gewerkschaftskollegen Malchow. „Für die Prüfung, ob eine Partei oder ein Parteiflügel rechts- oder linksextremistische Bestrebungen verfolgt, ist das Bundesamt für Verfassungsschutz zuständig“, sagte Walter dem „Handelsblatt“. Als Gewerkschaftsvorsitzender werde er dem „Ergebnis einer solchen Prüfung nicht vorgreifen und hierzu weder Verbote aussprechen noch belehrende Vorgaben machen“.

Walter ging jedoch zugleich auf Distanz zu möglichen politischen Hardlinern in den Reihen der Polizei. „Menschen mit rechts- oder linksradikalen Vorstellungen haben meiner festen Überzeugung nach in der Polizei nichts zu suchen“, so Walter.

Berufsverbote, wie wir sie schon einmal hatten, sind dann der nächste Schritt. (Quelle: dts)

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