Wie krank ist das denn? Patienten immer aggressiver

Foto: Collage
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Nürnberg – „An Bayerns Krankenhäusern gibt es immer mehr aggressive und gewaltbereite Patienten – vor allem in den Notaufnahmen. Liegt das an zu langen Wartezeiten?“ fragt die deutsche Presseagentur in einem Artikel der Augsburger Allgemeinen. Ja, sagen die Ärzte. Das Patientenaufkommen sei zum Beispiel an der Notaufnahme in den letzten Jahren – also seit der Flüchtlingswelle – um 40 Prozent gestiegen. „Damit verlängerten sich zwangsläufig die Wartezeiten. Dies führe häufig zu Spannungen und Aggressionen gegen Ärzte und Pflegepersonal.“, sagt ein Mitarbeiter einer Notaufnahme in München.  

Ähnliche Situationen gibt es auch in anderen Großstädten des Freistaates zum Beispiel in Nürnberg. Einem Bericht der Nürnberger Nachrichten zufolge wurden im Nürnberger Klinikum eine steigende Zahl aggressiver und gewalttätiger Patienten gezählt.  2018 gab es demnach im Nord- und Südklinikum der Stadt 380 verbale und tätliche Angriffe. Der Klinikvorstand will daher die Mittel für Sicherheit von jährlich 600.000 Euro auf eine Million Euro erhöhen.

Auch in andere Kliniken, wie im Universitätsklinikum Regensburg sind Übergriffe auf Mitarbeiter an der Tagesordnung. „Der Bedarf an Sicherheitspersonal ist nicht von der Hand zu weisen“, sagte der auch Leiter der Notaufnahme im Klinikum Großhadern in München, Matthias Klein.

Im dpa-Artikel wird politisch korrekt nur auf die Arbeitsüberlastung hingewiesen, aber nicht aus welchen Kreisen sich die aggressiven Notfallpatienten rekrutieren. Hier versucht ein WELT-Artikel ein wenig Licht in die spärlich beleuchteten Flure zu bringen. Auf die Frage nach der Herkunft der Randalierer streitet Dr. Christoph Doth einen hohen Ausländeranteil ab:

Dodt: „Nein, das Spektrum ist hier sehr breit gestreut. Jung, alt, deutsch oder nicht deutsch, hier gibt es kaum Unterschiede. Wir haben deutsche Patienten, die glauben, alles müsse jetzt genau so passieren, wie sie es wollen. Und wir haben ausländische Patienten, die sich benachteiligt fühlen. Sie glauben, sie kämen nicht an die Reihe, weil sie Ausländer sind. Was aber natürlich nicht der Fall ist.“

Ist das wirklich die ganze Wahrheit? Vor allem beantwortet das Statement die Frage nicht. Warum gibt es in den letzten Jahren so einen Run auf die Notaufnahmen? Die sind doch eigentlich nur dazu da, wenn wirklich ein echter Notfall gegeben ist. Bereits seit 2016 beklagen viele Rettungssanitäter aber auch Ärzte in Notaufnahmen, dass sie immer öfter zu Bagatellfällen gerufen werden, oder diese Fälle, die Notaufnahmen regelrecht blockieren. (Süddeutsche)

Bei diesem Thema hat sich wenigstens die Ärztezeitung zu einer einigermaßen ehrlichen Antwort durchgerungen und schreibt über eine der Hauptursachen: “Ausländer kennen Hausarzt-System oft nicht“ Da heißt es unter anderem: „Es gebe zudem viele Menschen, die ein Hausarztsystem aus ihren Heimatländern nicht kennen. Auch sprachliche und kulturelle Barrieren gehörten zu den Ursachen der Spannungen. Man könne aber aggressiven Patienten nicht einfach einen Hausverweis erteilen. „Wir haben ja einen Versorgungsauftrag.“

Am Thema „Aggressive Patienten“ kann man sehr gut erkennen, wie Ärzte bemüht sind, die Ursachen zu verdrängen. Und wie immer glaubt man mit Erhöhung des Sicherheitspersonals der Lage Herr zu werden. Die wahren Ursachen vermehrter Aggression, die ein ganzes Land in No-go-areas und Sperrzonen verwandeln, werden wie immer geschickt ausgeklammert. (KL)

 

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