Simbabwe am Abgrund – Vorbild für Südafrika?

Symbolfoto:Von mustafa olgun/shutterstock
Symbolfoto:Von mustafa olgun/shutterstock

Simbabwe – Armut, Hunger, keine medizinische Versorgung – die Situation in Simbabwe wird von Tag zu Tag kritischer. Doch für die Regierung existiert kein Hunger im Land – obwohl die Zahl der Toten täglich steigt. Seit drei Tagen toben wegen der Verdoppelung des Benzinpreises nun Proteste im Land. Der Generalstreik ist ausgerufen – die Straßen der Hauptstadt Harare sind menschenleer, Geschäfte geschlossen. 

Die Regierung habe angesichts der Proteste das Internet abgestellt, berichtet aktuell die Tagesschau. Etwas genauer geht es bei der US-Presse: „Willst du die Hölle auf Erden sehen, geh nach Simbabwe, wo der wahnsinnige Robert Mugabe sein Land derart ruiniert hat, dass die medizinische Versorgung der Einwohner so gut wie nicht mehr existent ist“, so die New York Times.

Die Lebenserwartung sei mittlerweile die niedrigste der Welt: 37 Jahre für Männer, 34 für Frauen. Die rund 16 Millionen Einwohner leiden unter Hunger und Krankheiten. Derzeit tobe eine Cholera-Epidemie. Menschen seien an Milzbrand erkrankt, nachdem sie Fleisch von Tieren gegessen hatten, die an der Krankheit gestorben waren. Im Leichenhaus der Hauptstadt von Harare gibt es keinen Strom mehr, die Leichen verfaulen.

Für die internationale – und deutsche Presse – ist das alles kein großes Thema. Sie widmet sich lieber Organisationen, die den Klimaschutz in Simbabwe vorantreiben (Neues Deutschland), sich dem  Thema „Löwenjagd und Massentourismus“ (Weser Kurier) widmen oder sich über die „Rückkehr der Weißen Farmer “ freuen (Deutschlandfunk). Alles auf einem guten Weg im Süden Afrikas, so die Botschaft. Wohl auch, um von der augenblicklichen Situation der weißen Farmer im Nachbarland Südafrika abzulenken, denen ein ähnliches Schicksal droht wie der weißen Minderheit in Simbabwe, die unter dem brutalen Diktator Mugabe enteignet, gefoltert, vertrieben und ermordet wurde.

Gesundheitssystem ist zusammengebrochen

Im vergangenen Monat besuchte ein internationales Ärzteteam das Land und war laut NYT angesichts des katastrophalen Zustandes des Gesundheitssystems erschüttert: „Der Zusammenbruch des Gesundheitssystems in Simbabwe im Jahr 2008 ist in Ausmaß und Umfang beispiellos. Öffentliche Krankenhäuser sind seit November 2008 geschlossen worden. Die grundlegende Infrastruktur für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Gesundheit, insbesondere der Wasser- und Abwasserentsorgungsdienste, hat sich im sich verschlechternden politischen und wirtschaftlichen Klima abrupt verschlimmert. “

Die Nation werde von Armut, HIV/AIDS und Hyperinflation überwältigt. Die Arbeitslosenquote betrage 80 Prozent. Der einstige „Brotkorb“ Afrikas kann heute seine Bevölkerung nicht mehr ausreichend ernähren. Die Unterernährung ist ebenso weit verbreitet wie die Angst. Eine Krankenschwester erklärte gegenüber dem Ärzteteam: „Wir haben in Simbabwe keinen Hunger. Auch wenn wir ihn sehen, dürfen wir nicht darüber sprechen.“

Im vergangenen November schloss das größte öffentliche Parirenyatwa Krankenhaus der Hauptstadt Harare endgültig seine Pforten. Seit August 2008 hatte es dort kein fließend Wasser mehr gegeben. Funktionierende Toiletten waren weder für Personal noch  Patienten verfügbar. Vier Monate nach dem Ausbruch einer Cholera-Epedimie gaben die Ärzte auf: „In einer Anlage ohne sauberes Wasser und funktionierende Toiletten ist eine erfolgreiche Pflege, Behandlung und Kontrolle der Cholera nicht mehr möglich“, erklärte das ausländische Ärzteteam in seinem Bericht, der in dieser Woche veröffentlicht wurde.

Diktator Mugabe weiterhin präsent

Die Notaufnahme hatte bereits im September 2018 dichtgemacht. Ein Arzt berichtet über die herzzerreißenden Zustände, unter denen er arbeiten musste. Kinder starben vor seinen Augen, ohne dass er noch etwas für sie tun konnte: „Ich hatte keine Schmerzmittel. Ich hatte zwar ein paar Antibiotika, aber kein Pflegepersonal mehr. Wenn ich nicht operierte, starb das Kind, wenn ich operierte, starb es auch“, beschreibt der Mediziner sein Dilemma. Einige Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen und Unicef seien zwar im Land, aber es brauche mehr, um Simbabwe zu retten, so das Fazit des NYT-Autors.

Obwohl offiziell entmachtet, zieht Diktator Mugabe im Hintergrund weiter die Strippen: „Ich werde niemals, niemals, niemals kapitulieren … Simbabwe gehört mir,“ ließ der 94-jährige Robert Gabriel Mugabe noch im vergangenen Monat die Welt wissen. (MS)

 

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