Gelbwesten: Schockkampagne in Frankreich

Fotomontage Macron - Foto: Screenshot Twitter

Bei den Protesten der Gelbwesten in Frankreich gab es bisher mindestens 1700 verletzte Demonstranten und etwa 1000 verletzte Polizisten. Einige Demonstranten verloren ein Auge oder eine Hand. In Bordeaux wurde nun eine Plakatkampagne gestartet, welche die Öffentlichkeit auf die Gewalt aufmerksam machen soll. Die Urheber sind bislang unbekannt. Fotos der gräßlichen Verletzungen, die Demonstranten davongetragen haben, wurden per Bildbearbeitung in die Gesichter von Regierungsmitgliedern übertragen. Auf einmal sehen Präsident Macron, Innenminister Castaner und Premierminister Philippe wie Schwerverletzte aus. Die bearbeiteten Bilder wurden in den sozialen Netzwerken hochgeladen und finden rasend schnell Verbreitung.

Das Konzept der Plakate ist so einfach, wie es eindringlich ist: Unter den Fotomontagen der „künstlich“ verletzten Politiker ist jeweils der Bezug zu einer realen Begebenheit genannt. Man sieht beispielsweise „Fiorina„, die am 12.08.2018 durch ein Hartgummigeschoss schwer verletzt worden ist. Fiorina ist eine 20-jährige Studentin aus der Picardie, die durch den Beschuss mit einem Hartgummigeschoss ihr linkes Auge verloren hat.

In der Tageszeitung Libération nennt der Journalist Jacques Pezet die Zahl von 82 Schwerverletzten, wie RT meldet. Es handle sich um Organschädigungen, zerrissene Gliedmaßen, schwere Verbrennungen, gebrochene Knochen und offene Wunden am Kopf.

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Fotomontagen für die visuelle Schockkampage von Bordeaux. – Foto: Screenshot Twitter (https://twitter.com/libreactu_fr?lang=de)

Seit die Protestbewegung der Gilets Jaunes am 17. November 2018 ihren Anfang genommen hat, seien elf Beteiligte im Zusammenhang mit den Protestaktionen gestorben, wie das französische Innenministerium mitteilte. Eines der Opfer ist die 80-jährige Zineb Romdhane, eine Algerierin aus Marseille, die von einer Tränengasgranate am Kopf getroffen wurde, als sie gerade die Fensterläden ihrer Wohnung im vierten Stock schließen wollte. Bei den Protesten am vergangenen Samstag kam es erneut zu schweren Zwischenfällen. In Bordeaux wurde ein Demonstrant von einem Hartgummigeschoss am Kopf verletzt, wie der Journalist David Dufresne berichtet. Ebenfalls Kopfverletzungen sollen drei Demonstranten in Paris erlitten haben. Ein 15-Jähriger wurde in Straßburg am Kiefer verletzt, wie in einem Twitter-Video zu sehen ist.

Neuerliche Proteste

Offiziellen Angaben zufolge waren am vergangenen Samstag erneut 84.000 Demonstranten landesweit auf die Straßen gegangen. Die Proteste richten sich gegen die Reformpolitik der Regierung Macron. Viele rufen nach dem Rücktritt des Präsidenten. Der wiederum versucht, mit einer „nationalen Debatte“ die Wogen zu glätten. Er forderte die Franzosen auf, sich bis zum 15.März lebhaft an den landesweiten Gesprächen zu beteiligen. Dabei handle es sich um eine noch nie gesehene Initiative. Eingebrachte Vorschläge sollen in einem „neuen Vertrag für die Nation“ verwirklicht werden, so Macron laut einer Mitteilung des Élyséepalasts. Im April werde er das Resümee aus den Gesprächen ziehen. Es gebe keine verbotenen Fragen für ihn, schrieb Macron.

Zugleich stellte er jedoch klar, dass es sich bei den angebotenen Gesprächen nicht um eine Wahl, und auch nicht um ein Referendum handle. Den Leitlinien seiner Politik werde er weiterhin folgen. Die Reaktionen in der Bevölkerung sind dementsprechend. Einer Umfrage für den Sender France Info und die Zeitung Le Figaro zufolge, versprechen sich sieben von zehn Franzosen von der Debatte nichts. Behindert wird der Start des „Bürgerdialogs“ außerdem durch den plötzlichen Rückzug der eigentlich vorgesehenen Organisatorin, der hohen Beamtin Chantal Jouanno. Ihr bisheriges Gehalt war in der Woche vor dem Beginn der Debatten bekannt geworden und hatte für große Empörung gesorgt.

Linke: Führt Macron ein Quasselregime?

Jean-Luc Mélenchon, Chef der linken Oppositionspartei spottete in einem Tweet über die Sinnhaftigkeit der geplanten „nationalen Debatte“. Er erinnerte an frühere Debatten, etwa zu den französischen Überseegebieten oder zur Europafrage, die schon früher nichts genützt hätten. Mélenchon spitz: „Ist das Frankreich von Macron dem Quasseln gewidmet?

Der Präsident der Partei Debout La France, Nicolas Dupont-Aignan, kritisierte Macron ebenfalls scharf. Er nannte Macron einen „unverantwortlichen Präsidenten, der in die Glut bläst„. Zudem bezeichnete Dupont-Aignan den Präsidenten als „arrogant“. Mit einem Volk, das gedemütigt, gemartert und brutalisiert werde, ende es irgendwann schlimm, äußerte der Parteichef im Nachrichtensender Europe 1. (ME)

 

 

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