Zeitgeist & Schnee: Früher war Winter, heute ist Klimawandel

Max Erdinger

(Bild: shutterstock.com / Durch Anna_Kuzmina)
Den Klimawandel beseitigen (Bild: shutterstock.com / Durch Anna_Kuzmina)

Was ist ein Klimaforscher? Das ist ein Mann, der für die Erforschung des Unabänderlichen bezahlt wird und zum Nachweis seiner Unersetzlichkeit hin und wieder über den neuesten Stand der Forschung berichten muß, was zwangsläufig umso grotesker wird, je länger die Klimaforschung andauert. Schließlich muß es Fortschritte geben, die seine eigene Existenz rechtfertigen. Der Klimawandel ist sozusagen der wandelnde Kündigungsschutz für den Klimaforscher, weswegen er stark daran interessiert ist, daß es einen unnatürlichen solchen geben muß. Am besten für den Klimaforscher ist, wenn der Klimawandel menschengemacht ist. Das aber verschweigt uns t-online geflissentlich.

„Es ist Winter, mein Kind. Im Winter ist es kalt und deshalb hat es den ganzen schönen Schnee da draußen.“, hätte ein Vater seinem wißbegierigen Kind noch vor fünfzig Jahren erklärt. Das wäre keine gültige Erklärung mehr heutzutage. Heute hat es Schnee nicht, weil Winter, sondern weil Klimawandel ist. Außerdem ist es kein Schnee mehr, sondern ein Schneechaos. Chaos ist ein gutes Wort, wenn man den Leuten weismachen will, daß es an der Ordnung fehlt. Und wenn etwas nicht „in Ordnung“ ist, dann ist das Grund zur Besorgnis. Viel Schnee ginge ja noch, aber viel Schnee, der ein Chaos ist, alarmiert den Umweltsensibilisierten in höchstem Maße. Ein schlimmer Verdacht steht im zugeschneiten Raum: „Forscher: Klimawandel womöglich für Schneechaos verantwortlich„, titelt es bei t-online chaotisch.

Verräterisch ist, daß in der Schlagzeile nicht steht, die Erderwärmung sei für das Schneechaos verantwortlich. Obwohl der Forscher eigentlich genau das behauptet. Weil es generell für die Jahreszeit noch sehr warm sei, gebe es ein erhöhtes Potenzial für Feuchtigkeit. Blöd ist halt, daß Schnee gefrorenes Wasser ist, weswegen es die Erderwärmung vermutlich nicht direkt bis in die Schlagzeile geschafft hat. In der Redaktion gab es wahrscheinlich heiße Diskussionen: „Erderwärmung und Schneechaos können wir unmöglich in einem Satz zusammenpacken. Das glaubt uns endgültig keiner mehr. Und womöglich muß unbedingt mit rein, damit keiner sagen kann, wir hätten etwas behauptet.“ – Kasper womöglich für Kasperletheater verantwortlich.

„Es schneit und schneit in Südbayern und Österreich. Manche Orte sind nicht erreichbar. Für einen Potsdamer Klimaforscher sind das mögliche Folgen des Klimawandels.“

Wundervoll. Immer schon wollte ich wissen, was für einen Potsdamer Klimaforscher der Schneefall in Südbayern und Österreich ist. Obwohl es ihn eigentlich gar nicht geben dürfte, wie ein anderer Klimaforscher vor zwanzig Jahren prognostizierte: Mojib Latif ist der Super-Latif zum „Klimaforsch“ und dem Komparativ „Klimaforscher“, also der „Klimaforscheste“, ein wahrer Guru-Latif, und als solcher erzählte er im April 2000 dem SPIEGEL: „Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben.“ – Tja. Grüne Waldränder hätte es auch schon lange nicht mehr geben dürfen, und ein wahres Wunder ist, daß noch nicht alle „die Menschen“ der Welt durch das Ozonloch ins Universum hinausgefallen sind. Hoffentlich bricht kein Vulkan aus.

Jede Wette, daß der „Klimawandel“ gegen die „Erderwärmung“ mittelfristig das Rennen machen wird, weil er zwei statt nur einer Richtung kennt und deshalb propagandistisch um 100 Prozent besser verwertet werden kann, als die schnöde Erderwärmung. Außerdem läßt sich „Klimaflüchtling“ leichter aussprechen, als „Erderwärmungsflüchtling“. Als Klimaflüchtling kann sich auch der Eskimo migrationspaktmäßig besser in Tansania niederlassen. So ein Klimawandel hat schon Vorteile. Eigentlich warte ich darauf, daß das Wort „Mensch“ ersetzt wird durch „Klimawandler“. Obwohl: Wahrscheinlich nicht. „Alle Klimawandler sind gleich“, liefe schließlich der Theorie von den Schuldigen am Klimawandel zuwider. Das darf nicht passieren. Also werden wir wohl Menschen bleiben. Tröstlich ist, daß der Winter eh schon halb vorbei ist. Freuen wir uns also schon einmal auf das Dürrechaos.

Aber mal ganz im Vertrauen: Wenn ich ein linker Gesellschaftsdesigner wäre, dann würde ich allmählich damit anfangen, den Leuten damit Angst zu machen, daß die Schwerkraft abnimmt und daß in zwanzig Jahren keiner mehr Boden unter den Füßen haben wird. Und dann würde ich groß in den Handel mit Gewichten einsteigen.

 

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