Aufgeflogen: Der Arzt, der aus der Wüste kam

Arzt (Symbolbild shutterstock.com/)
Arzt (Symbolbild shutterstock.com/)

Melsungen – Krankenpflegerin enttarnt libysche „Fachkraft“. Wie die HNA berichtet, hat sich ein 38jähriger Libyer in der Melsunger Asklepiosklinik als Arzt ausgegeben. Er hatte sich trotz Vorstrafe wegen Betrugs mit gefälschten Unterlagen bei der Klinik beworben und wurde prompt eingestellt. Erst im Dienst fiel der falsche Mediziner dann wegen gefährlicher Inkompetenz auf.

Die „Fachkraft“ aus dem Wüstenland hatte sich im Frühjahr mit gefälschten Dokumenten bei der Klinik auf eine Aushilfsstelle für Bereitschaftsdienste beworben. Dass die Unterlagen gefälscht waren, fiel nicht auf, sagt der Ärztliche Leiter von Asklepios Melsungen, Dr. Gunther Claus, der HNA.

Wie Dr. Claus weiter berichtet, habe der 38-Jährige bei einem Probetag medizinische Erfahrung nachgewiesen. So habe er während der Bereitschaftsdienste Patienten aufgenommen, erste Diagnosen erstellt und dann beispielsweise Röntgenbilder und Blutuntersuchungen angeordnet.

Erst Tage später bei der Einleitung einer Bluttransfusion fiel einer Krankenpflegerin die offenkundige Inkompetenz des Mannes auf. Sie hat diesen Verdacht umgehend gemeldet und damit mutmaßlich weiteres Unheil verhindert. Eine Bluttransfusion läuft nach strengen standardisierten Regeln ab, erklärt Dr. Claus der Zeitung. Wird eine neue Konserve benötigt, steckt die Krankenpflegerin den Schlauch in den Beutel und ruft den Arzt. Der Mediziner entlüftet das System und testet zuerst die Blutgruppe, um sie mit der des Patienten abzugleichen. An dieses Prozedere hat sich der Libyer nicht gehalten.

Nach ausgesetzter Untersuchungshaft als Arzt beworben

Daraufhin habe man die Bewerbungsunterlagen noch mal eingehend überprüft und nach dieser Recherche Anzeige erstattet. Bei den Nachforschungen kam heraus, dass der 38Jährige bereits im Mai wegen gewerbsmäßiger Urkundenfälschung in elf Fällen und gewerbsmäßigen Betrugs verurteilt worden war. Das Urteil: Drei Jahre und zehn Monate! Dagegen hatte er Berufung eingelegt. Das Landgericht Kassel hat die Strafe Ende Oktober auf zwei Jahre und fünf Monate reduziert. Weiter heißt im Bericht der HNA: „Im Mai wurde zwar eine Untersuchungshaft festgestellt, gegen Auflagen aber ausgesetzt. Der Angeklagte nutzte die Freiheit, um sich sogleich in der Melsunger Asklepiosklinik zu bewerben.“

Nach seinem dreisten Auftreten als falscher Mediziner sitzt der Libyer nun endgültig hinter Gittern. Ihm soll nun laut Kasseler Staatsanwaltschaft erneut der Prozess gemacht werden – das wäre dann der dritte. Auch dieser Fall, der zumindest für die Patienten gut ausging, zeigt, wie wenig Autorität der Rechtsstaat in gewissen Kreisen genießt. Durch die nicht vollzogene Haftstrafe war die Tat erst möglich geworden. (KL)

 

 

 

 

 

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