Islamunterricht: Liberale verstoßen in Fellbach gegen eigene Grundsätze

Foto: Collage
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Fellbach – Eigentlich sind die Liberalen mal vor langer Zeit als Freidenker, Freigeister und Partei ohne weltanschauliche Bevormundung gestartet. Daher taucht weder ein christliches „C“ noch ein sozialistisches „S“ in ihren Namen auf. Zu den Grundsätzen liberaler Politik gehört dem Vernehmen nach auch, dass man sich aus weltanschaulichen Fragen heraushält und „Religionen“, wie immer sie sich auch nennen, nicht explizit fördert. Dies sehen die Enkel von Theodor Heuss und Urenkel von Gustav Stresemann (Freimaurer) heute anders: Auf dem baden-württembergischen Landesparteitag der FDP in Fellbach, der als Vorspiel des traditionellen Dreikönigstreffen gilt, forderten die Delegierten nach einem Bericht der Stuttgarter Nachrichten im Rahmen einer „weltbesten Bildung“, dass Ethik und Islamunterricht in Zukunft ab der Grundschulklasse 1 angeboten werden.

Nicht nur, dass hier „Ethik“ – Schutz des Lebens, Humanität, Freiheit und Menschenrechte – in einem Atemzug mit dem „Islam“ (übersetzt: „Brust weiten“)  genannt werden – dürfte bei einigen Beobachtern Kopfschütteln hervorrufen. Der Islam, den die FDP an deutschen Schulen durch in Deutschland ausgebildeten Lehren verkünden lassen will, soll „mit unserem Grundgesetz in Einklang stehen“. Laut Umfragen lehnen die meisten Muslime einen solchen Islam ab. Bereits 2015, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle, kam der Deutschlandfunk zu dem ernüchternden Ergebnis: „Die liberalen Muslime sind leider eine kleine Minderheit“. Ergo ist der sich mit dem Grundgesetz deckende Islam nichts weiter als eine hartnäckige Wunschvorstellung.

Etliche Delegierte waren nicht in Einklang mit dem Antrag des bildungspolitischen Sprechers Tim Kern. Ihre Argumente gegen den Vorstoß klangen nach echter liberaler Oldschool. Viele fragten sich laut Stuttgarter Nachrichten, “warum die säkular orientierte FDP jetzt noch eine Religion an die Schulen holen müsse.“ Religion sei ein „ein privates Hobby“ – für Orthodoxe und Buddhisten gebe es auch keinen Religionsunterricht.

Dennoch folgte eine Mehrheit den Argumenten ihres bildungspolitischen Sprechers. Der meint, die Schulen müssten für eine frühe Orientierung in allen Religionen sorgen.

Die beste Lösung, ein konfessionsübergreifender Religionsunterreicht, wie ihn auch viele Liberale sich wünschen, ist erstaunlicherweise nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. (KL)

 

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