Deutsche Doppelstandards: Gute Mauern, schlechte Mauern

Max Erdinger

Zuständig für die schlechte Mauer: Donald Trump - Foto: © jouwatch Collage
Zuständig für die schlechte Mauer: Donald Trump - Foto: © jouwatch Collage

Daß man bei verschiedensten Dingen unterschiedlicher Meinung sein kann, ist ein alter Hut. Daß rechtliche, ethische und moralische Doppelstandards jedoch ein großes, kulturzersetzendes Übel darstellen, darüber kann man wohl kaum unterschiedlicher Ansicht sein. Dennoch werden immer mehr solcher Doppelstandards etabliert, vor allem medial.

Bereits im April 2017 berichtete der SPIEGEL von der Fertigstellung eines Grenzzauns zwischen der Türkei und Syrien. Vier Monate später gab es einen Bericht im Tagesspiegel zum Beginn des Mauerbaus zwischen der Türkei und dem Iran. In beiden Fällen berichtete die Presse neutral über Sinn und Zweck der Grenzbefestigungen. Daß es zwischen Guatemala und Mexiko einen Grenzzaun gibt, erfuhr man in einer Meldung der ARD- Tagesschau vom 19.10.2018. Der Grenzzaun war von Mexiko errichtet worden. Flüchtlinge aus Honduras überwanden ihn, um Mexiko als Transitland für die illegale Einreise in die USA zu nutzen. Viel früher allerdings wurde von deutschen Medien die „Message“ transportiert, US-Präsident Trump sei quasi ein inhumaner Lump, weil er seinerseits eine Grenzmauer zu Mexiko errichten wollte. Auch in der Tagesschau-Meldung vom 19. Oktober des letzten Jahres schwang ein anklagender Unterton mit: „Trump hatte am Donnerstag Mexiko aufgefordert, „diesen Ansturm“ zu stoppen, andernfalls werde er das Militär einschalten und die Südgrenze schließen. In einer Serie wütender Kurzmitteilungen schrieb Trump von einem „Angriff auf unser Land“ und unterstellte, unter den Migranten seien „viele Kriminelle“. Schon vorher hatte er damit gedroht, den zentralamerikanischen Ländern alle Finanzhilfen zu streichen, wenn sie die Migranten ziehen ließen.

Die Chinesische Mauer allerdings wird unisono als eines der  großartigsten Bauwerke der Welt gepriesen. Das ist reichlich seltsam.

Sprengstoffanschläge

Bei einem Sprengstoffanschlag auf die Dresdner Fatih-Moschee im Jahr 2016 kam es zu keinem nennenswerten Schaden. Eine Eingangstür wurde etwas angekokelt, verletzt wurde niemand. Urteil gegen den „Sprengmeister“, einen 31-jährigen Deutschen: 9 Jahre und 8 Monate Haft wegen „versuchten Mordes, Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und versuchter besonders schwerer Brandstiftung„.

Vergangenen Donerstag gab es einen Sprengstoffanschlag auf das AfD-Büro in der Bahnhofstraße von Döbeln. Der MDR schreibt von einer „schweren Explosion“. Inzwischen wurden drei Tatverdächtige vorläufig festgenommen. Im Text beim MDR heißt es weiter: „Man gehe aber von einer politisch motivierten Straftat aus, weshalb Beamte des Polizeilichen Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrums ermitteln. Die Tatverdächtigen werden möglicherweise bald wieder auf freiem Fuß sein. Denn die Staatsanwaltschaft Chemnitz als zuständige Behörde werde keinen Haftantrag stellen. Das sagte eine Sprecherin am Freitag. Demnach bestünden keine ausreichenden Haftgründe, wie etwa eine Fluchtgefahr.“ Ob Fluchtgefahr vorliegt, hängt in der Beurteilung allerdings auch von der Höhe einer zu erwartenden Strafe ab. Offenbar sieht man bei der Chemnitzer Staatsanwaltschaft nicht, daß eine solche hohe Strafe verhängt werden könnte.

Messerstecher

Die 15-jährige Mia aus Kandel wurde nicht nur erstochen, sondern regelrecht zerschnitten und zwar am hellichten Tag in einem Drogeriemarkt. Urteil für den mörderischen Afghanen: 8 Jahre und 6 Monate Haft.

Henriette Reker, Oberbürgermeisterin von Köln, lebt noch. Sie war ebenfalls von einem Messerstecher angegriffen und lebensgefährlich verletzt worden, allerdings von dem Deutschen Frank S. Das Urteil für ihn: 14 Jahre Haft.

Hackerangriffe

Zur Zeit macht die Neuigkeit die Runde, daß Hacker persönliche Daten von mehreren Politikern bei Twitter in einer Art „Adventskalender“ veröffentlicht hatten. Betroffen sind Politiker quer durch die Altparteien, von der AfD ist niemand dabei. Die mediale Empörung ist enorm.

Als Linke im Jahr 2016 etwa 2000 Adressen von AfD-Politikern im Netz veröffentlichten, garniert mit Handynummern, war das lediglich eine kurze Notiz wert.

Gewaltaufrufe

Ein Gewaltaufruf gegen AfD-Politiker, abgedruckt in der „taz“, wird vom Presse-Mainstream nicht weiter beachtet (Jouwatch kommentierte). Man kann sich an drei Fingern abzählen, was hierzulande gebacken wäre, wenn dieser Aufruf „von rechts“ gekommen, wenn er sich gegen Politiker der Linkspartei, der SPD oder der Grünen gerichtet hätte – und wenn ihn bspw. Jouwatch veröffentlicht hätte. Wir könnten uns darauf verlassen, daß wir die Staatsanwaltschaft am Hals hätten. Im Falle der „taz“ war jedenfalls von einem Staatsanwalt bislang weit und breit nichts zu sehen.

Diese Doppelstandards, von denen immer mehr zu beobachten sind, wirken verheerend in einemVolk, das sich angewöhnt hat, nicht mehr wissen zu wollen, sondern stattdessen lieber zu meinen & zu finden. Wenn man unter dem Suchbegriff  „Messerattacke“ bei Google seitenweise Ergebnisse erhält, sie danach untersucht, wer da wen gestochen hat – und sich dann vergegenwärtigt, wie wenig selbst nach den Vorfällen von Amberg klar geworden ist, daß Verachtung für unsere pazifizierte, desinformierte und überalterte Gesellschaft die Ursache für solche Scheußlichkeiten ist, dann kommt man nicht umhin, festzustellen, daß Rechtsstaat und Demokratie genau von denjenigen an die Wand gefahren werden, die ansonsten keine Gelegenheit auslassen, alle als rechte Gefährder zu bezeichnen, die auf solche Ungereimtheiten hinweisen. Man darf also mit Fug und Recht behaupten, daß eigentlich die Mainstream-Medien Rechtsstaat und Demokratie gefährden. Denn so viel ist klar: Wer als Demokrat funktionieren soll, muß informiert sein. Wer permanent desinformiert, halbinformiert, indoktriniert und in seiner eigenen Meinung bestärkt wird, kann kein Demokrat mehr sein, von dem die sogenannte „Demokratie“ noch etwas hätte. Zu diesem Sachverhalt kann es übrigens keine zwei verschiedenen, gleichberechtigten Meinungen geben.

Wenn also „ARD-Größen“ wie Georg Restle oder Anja Reschke klipp und klar sagen, daß sie einen „Haltungsjournalismus“ befürworten, müssten alle Alarmglocken klingeln. Aber selbst die klingeln nicht mehr beim Volk. Im Medien-Mainstream sitzen die größten Unterstützer der Gesinnungsdiktatur. Und die wird sich zwangsläufig zu einer vollumfänglichen Diktatur weiterentwickeln, wenn sich nicht bald etwas Einschneidendes ändert beim Medien-Mainstream.

 

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