Gejammer auf der Sea-Watch3: „Wir sind keine Fische“- Migrant springt trotzdem von Bord

screenshot YouTube
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Seit rund zwei Wochen kreuzt die deutsche Sea-Watch3 auf dem Mittelmeer und versucht mit allen Mitteln ihre 32 „Geretteten“ in Europa los zu werden. Die Migranten werden langsam wütend und manch einer springt sogar „aus Verzweiflung“ über Bord, heißt es. Nun bekommt die selbsternannten Bessermenschen und Retter prominente Unterstützung: Der SPD-Abgeordnete Helge Lindh ging am Freitag an Bord der „Sea-Watch 3“ und stimmt in das allgemeine Wehklagen mit ein. 

Die „Migranten“ bzw. illegalen Einwanderer aus Afrika werden nach zwei Wochen auf See und bei schlechtem Wetter zunehmend „frustrierter“, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.Viele seien durch das Geschaukel seekrank und fühlen sich offenbar dementsprechend schlecht.

Das Schiff kreuze bei rauer See und starkem Wind nun in immerhin schon in maltesischen Gewässern. Doch die Stimmung an Bord sei ungehalten: „Wir sind hier auf diesem Schiff und verstehen nicht, was hier passiert“, erklärt der zukünftige europäische Neubürger Bob Kiangala aus der Demokratischen Republik Kongo. „Wir sind keine Fische, wir sind keine Haie, wir sind Menschen, wie alle anderen. Wir haben diese Überfahrt gemacht, unser Leben riskiert, um nach Europa zu gelangen, und jetzt, wo wir angekommen sind, lehnt Europa uns ab und wir wissen nicht warum“, so Kiangala gegenüber Reuters.

Aus Verzweiflung über die Situation sei am Freitag einer der „Geretteten“ von Bord gesprungen, um schwimmend an die Küste von Malta zu gelangen. Unter dem Einsatz von Kameras wurde er medienwirksam von der Crew erneut aus dem Wasser gefischt.

screenshot Twitter
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Eine weitere deutsche „Rettungs-Schlepper-Crew“ befindet sich vor Malta. Die Sea-Eye hat 17 sogenannte Flüchtlinge geladen und wartet ebenfalls auf das „Ok“, sie an Land bringen zu können. Italiens stellvertretender Ministerpräsident, Luigi Di Maio von der 5-Sterne-Bewegung, habe auf Facebook seine Bereitschaft signalisiert, zumindest Frauen und Kinder aufzunehmen, wenn Malta die Schiffe anlegen lasse.

Die Antwort von Innenminister Matteo Salvini folgte auf dem Fuß: Italien werde keine weiteren Bootsflüchtlinge aufnehmen. „Die italienischen Häfen sind geschlossen, wir haben bereits zu viele falsche Flüchtlinge begrüßt, wir haben bereits zu viele Schmuggler bereichert!“, teilte er auf Twitter mit. Der Menschenschmuggel müsse beendet werden. Menschen, die vor dem Krieg flüchten, könnten per Flugzeug kommen, was auch viele tun würden, aber nicht per Boot. „Wir können Medikamente, Essen und Kleidung  schicken, aber Schluß mit dieser Erpressung. Ich habe meine Meinung nicht geändert“, so Salvini.

Die „Rettung“-Crew sei guter Dinge, nur ein bißchen müde angesichts von nur 5 Stunden Schlaf, die sie an Bord bekommen würden, aber die sogenannten Migranten würden erste Anzeichen von Stress und geistiger Ermüdung zeigen, klagt die Nachrichtenagentur Reuters.

SPD-Abgeordneter Helge Lindh stimmt ein und fordert von Europa bzw. Deutschland die sofortige Aufnahme der „Flüchtlinge“. Das sei „notwendig, richtig und menschlich geboten,“ behauptet der 42-jährige Germanist und SPD-Politiker in einem Twitter-Video mit fröstelndem Gesicht an Bord der leicht schwankenden Sea-Watch3.

„Die traumatisierten Menschen, unter ihnen drei Kinder im Alter von einem, sechs und sieben Jahren, sind Kälte, Winterstürmen, Seekrankheit und knapper werdenden Essens- und Trinkrationen ausgesetzt….Eine Szene fasst die wahnsinnige Situation erschütternd zusammen. Ein junger Westafrikaner ist über Bord gegangen vor unseren Augen. Er wollte an Land schwimmen. Gott sei Dank konnte er aus dem Wasser gerettet werden. Bei der Kälte und dem Wind hätte er keine Chance gehabt. Er war zum Äußerten bereit, getrieben durch diese wahnsinnige Lage im Schatten Europas. Die Menschen, die ich hier getroffen habe, kämpfen als Flüchtlinge in Seenot ums nackte  Überleben“, schildert der SPD-Bundestagsabgeordnete dann noch seine traumatischen Erlebnisse im Focus.

Eine Antwort von Innenminister Seehofer und Co auf die leidenschaftlichen Appelle steht noch aus. (MS)

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