SPIEGEL: Fake-News 2019 – Deutsche zahlen ihre Steuern gern

Max Erdinger

Das Fachbatt für Fake-News - Foto: Collage

In den ersten Tagen des Jahres wird klar, warum der prämierte Lügenbaron Relotius sein Büro beim SPIEGEL geräumt hat. Nicht, weil er Fake-Reportagen abgeliefert hatte, sondern weil man beim SPIEGEL die Fake-News auch ohne Relotius fabrizieren kann. Jedenfalls sieht es ganz danach aus. Am 3. Januar schlagzeilt das Hamburger Lügenblatt: „Deutsche zahlen ganz gerne Steuern„. Und es stimmt wieder nicht. Die Medienkritik.

Im Grunde ist es schon ziemlich dämlich, überhaupt mit so einer Schlagzeile herauszukommen, da jeder Leser selbst weiß, wie er es hasst, daß ihm von jedem verdienten Euro weniger als die Hälfte bleibt, nämlich knapp 46 Cent. Wer also mit der Schlagzeile herauskommt, daß Deutsche ihre Steuern gern zahlen, erzählt seinem Leser, daß er nicht ganz normal ist, wenn ihm die 46 Cent stinken. Aber das nur am Rande.

Tatsächlich ist es so, daß gar niemand gefragt worden ist, ob er gern Steuern zahlt. Gefragt wurde, ob er glaubt, daß Andere gern Steuern zahlen. Eine korrekte Schlagzeile hätte also lauten müssen: „Deutsche glauben, daß Deutsche gern Steuern zahlen.“

Der SPIEGEL: „Viele Bürger klagen oft über hohe Abgaben. Eine von der Uno veröffentlichte Untersuchung kommt aber zu dem Schluss: Die Akzeptanz des Steuersystems ist in Deutschland hoch – verglichen mit anderen Ländern.

Tatsächlich wurde die Studie aber von den Vereinten Nationen nicht veröffentlicht, sondern lediglich vorgestellt, und zwar anläßlich einer Sitzung der Finanzierungskommission der Vereinten Nationen. Urheber der Studie ist das „Basel Institute of Commons and Economics“ – und dort bediente man sich der Daten aus dem „World Social Capital Monitor“.

Absichtsvoll fehlinterpretiert wird diese Studie vom SPIEGEL so, daß die Deutschen „offenbar eher bereit als Bürger anderer Nationen“ seien, für „öffentliche Belange Steuern und andere Beiträge zu zahlen„.

Das ist schon wieder irreführend, da die Deutschen bei weitem nicht nur für öffentliche Belange Steuern zahlen. Nach denen war übrigens ebenfalls nicht gefragt worden. Gefragt worden war nach einer Einschätzung der Bereitschaft Dritter, sogenannte “ Sustainable Development Goals“ mit ihren Steuern und Beiträgen zu finanzieren. Dabei handelt es sich um aufrechtzuerhaltende Entwicklungsziele, wie etwa die Absenz von Hunger und Armut, die Pflege von Gesundheit und Bildung, Bekämpfung des Klimawandels, Gleichstellung der Geschlechter etc.pp. Nichts davon ist den öffentlichen Gütern zuzuordnen. Es handelt sich um politische Zielvorgaben. Öffentliche Güter sind solche, die Jedermann unterschiedslos zur selben Zeit zur Verfügung stehen, egal, wieviele Personen von ihnen profitieren. Als öffentliche Güter gelten bspw. die technischen Gerätschaften des Katastrophenschutzes.

Zu der Erkenntnis, daß Deutsche „ganz gerne Steuern zahlen“ kommt man auch nicht dadurch, daß man fragt, ob Deutsche glauben, andere Deutsche würden gerne Steuern zahlen. Das einzige, was man mit einer solchen Frage herausfinden kann, ist, wieviele Deutsche ihre Landsleute für bescheuert halten.

Im Grunde veröffentlichte der SPIEGEL dreifach Fake-News. Erstens wurde die Studie nicht von den Vereinten Nationen veröffentlicht. Zweitens wurde gar nicht nach der persönlichen Bereitschaft zum Steuernzahlen gefragt, sondern nach der Einschätzung der Bereitschaft Dritter. Drittens stimmt nicht, dass Deutsche eine größere Bereitschaft als Bürger anderer Nationen zeigen, öffentliche Güter per Steuern und Abgaben zu finanzieren, weil keines der abgefragten Güter, die finanziert werden sollen, tatsächlich ein öffentliches Gut gewesen ist, sondern weil es sich samt und sonders um politische Ziele handelte.

Was der SPIEGEL hier versucht hat, ist glatte Desinformation mit dem Ziel, die Tatsache zu verschleiern, daß Linke gern das Geld anderer Leute für Schwachsinn wie die Gleichstellung der Geschlechter, den „Kampf gegen den Klimawandel“ und den „Kampf gegen rechts“ auf den Kopf hauen. Zu diesem Zweck wurde relotiusmäßig frei erfunden, daß es der deutsche Steuerzahler selbst gerne so hätte. Im Grunde genommen könnten sie Claas Relotius auch wieder einstellen beim SPIEGEL. Es ändert sich offensichtlich nichts dadurch, daß er weg ist.

Daß man beim SPIEGEL glaubt, mit solchen Ammenmärchen auch weiterhin durchzukommen, erlaubt aber Rückschlüsse darauf, als was der Relotius-Skandal im eigenen Haus interpretiert wird: Als Betriebsunfall nämlich – und nicht als Weckruf.

Im Übrigen ist es absolut realitätsfern, überhaupt für möglich zu halten, daß auch nur ein einziger deutscher Autofahrer zufrieden sein könnte damit, satte zwei Drittel der Kosten für eine Tankfüllung beim Fiskus abzuliefern. Das Wort „Tankstelle“ ist eigentlich ein Euphemismus. Der Deutsche tankt primär beim Finanzamt und nicht beim Mineralölhändler. Bei einem Literpreis von 1,40 Euro für Diesel bleibt dem Tankstellenpächter etwa 1 Cent Gewinn, dem Fiskus aber das hundertfache, nämlich ein ganzer Euro. Das ist skandalös und wäre deshalb ein geeignetes SPIEGEL-Thema, wenn er zu seiner einstigen Relevanz zurückfinden will. Mit seiner dämlichen Hofberichterstattung und den Fake-News, die er zu diesem Zweck verbreiten muß, tut er niemandem einen Gefallen, nicht zuletzt auch sich selbst nicht.

Wenn Ihnen dieser Beitrag gefallen hat, würden wir uns freuen, wenn Sie uns einen kleinen Beitrag spenden könnten!

Loading...

Wandere aus, solange es noch geht!
Finca Bayano in Panama.

.