Wider die Naivität mancher angeblich christlicher Flüchtlingsrhetoriker

Andreas Unterberger

Foto: Collage

In manchen Predigten dieser Weihnachtstage waren wieder schlimme Fehlinterpretationen der christlichen Lehre zu hören, die auf ein universales Migrationsrecht nach Österreich (und in andere europäische Länder) hinauslaufen. Und die in der Behauptung gegipfelt sind, dass Josef und Maria als „Flüchtlinge“ in Bethlehem gewesen seien.

Diese Behauptungen kommen in einer solchen Dichte und mit einer solchen Selbstgerechtigkeit, dass manche Christen schon an der Vereinbarkeit ihrer Religion mit der Vernunft zu zweifeln begonnen haben. Aber zum Glück gibt es auch eine Reihe von Theologen, die diese Behauptungen zurückweisen, gibt es Bibelstellen, die ganz anders klingen.

Die zu Weihnachten in Erinnerung gerufene Anwesenheit von Josef und Maria in Bethlehem war im Gegensatz zu solchen Behauptungen keine Flucht, sondern eine Reise, um wie vorgeschrieben im ursprünglichen Heimatort an einer Volkszählung teilzunehmen.

Die Geburt fand in einem Stall statt, weil „in der Herberge kein Platz“ war. Das klingt zwar schlimm – aber es ist Tatsache, dass etwa in Österreich noch im 19. Jahrhundert viele Knechte und Mägde ständig im Stall schlafen mussten (weshalb sie oder ihre Kinder dann übrigens das von Sozialisten so verteufelte Wohnen in einer beengten städtischen Zinskaserne mit Fließwasser am Gang als sensationellen Fortschritt empfunden haben).

Jesus, Maria und Josef wurden dann später tatsächlich Flüchtlinge. Aber wieder: Welch ein Unterschied dieser Flucht zu dem in manchen – wenn auch kleiner gewordenen – christlichen Kreisen noch immer kochenden „All Refugees Welcome“-Fanatismus, und zu dem, was sich da in den letzten Jahren millionenfach abgespielt hat:

  • Die Drei waren unmittelbar durch einen Fürsten bedroht, der sich vor einem neugeborenen „König der Juden“ fürchtete – sie waren also ganz eindeutig politisch und wohl auch religiös verfolgt und haben keine Schmähgeschichten aufgetischt;
  • Sie flohen nach Ägypten, in ein unmittelbares Nachbarland, und nicht Tausende Kilometer dorthin, wo sie sich die meisten Vorteile versprachen;
  • Sie sind nach Ende der Gefahr in ihre Heimat zurückgekehrt;
  • Und sie haben während ihrer Flucht weder Drogen verkauft, noch Messer widmungswidrig verwendet, noch Ansprüche auf ein üppiges Wohlfahrtssystem erhoben (vorher und nachher natürlich auch nicht).

Diese Flucht war also geradezu ein Musterbeispiel einer Flucht, wo heute jeder noch so migrationskritische Österreicher oder Deutsche sofort sagen würde: Hier ist Hilfe selbstverständlich und ok, selbst wenn es nicht die Heilige Familie der Christen, sondern eine ganz normale Familie gewesen wäre.

Diese Berichte der Bibel werden vom linksradikalen Flügel der Kirche aber genauso verdreht wie das Gleichnis vom Samariter, der ein Opfer einer Räuberbande rettete. Und wieder kann man nur sagen „Welch ein Unterschied!“:

  • Es handelte sich um eine unmittelbare Begegnung eines Retters mit einem Opfer und dem ihm zugestoßenen Unglück;
  • Das Opfer hat mit Sicherheit keine falschen Angaben gemacht, um an die Hilfe heranzukommen (und hatte natürlich auch keine vermeintlich christlichen Berater, die ihm eine gute Story präpariert haben);
  • Der Retter ließ das Opfer in einer Herberge – ganz eindeutig in der Nähe des Tatorts – versorgen (Spitäler waren unbekannt);
  • Die Versorgung dauerte nur, bis der Überfallene wieder genesen war – also alles andere als dauerhaft;
  • Es gab keinerlei Gerede von einem Familiennachzug, geschweige denn einen solchen;
  • Der Genesende ist ganz offensichtlich wieder in seine Heimat zurückgekehrt – alles andere wäre absolut sicher in der Bibel erwähnt worden;
  • Der Retter hat das aus eigener Tasche bezahlt, ist also nicht zu einer staatlichen Obrigkeit gegangen, von der er das Geld der anderen dafür verlangt hätte;
  • Und er hat das Opfer eben nicht in sein eigenes Heim gebracht.

Also: vorbildliche Hilfe vor Ort und befristet. Also: Geradezu das Gegenteil dessen, was Caritas, Diakonie & Co praktizieren und finanziert verlangen.

Auch das christliche Gebot des „Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst“ bedeutet etwas ganz anderes als die Öffnung aller Grenzen, damit jedermann aus Afrika und Asien kommen kann, wie es manche de facto am linken Rand der Kirche verlangen. Kluge Theologen, wie der Wiener Universitätsprofessor Ludger Schwienhorst-Schönberger, machen ganz eindeutig klar, dass das Wort der „Nächste“ eben nicht alle Welt meint, dass es in der christlichen Ethik eindeutige „Vorzugsregeln“ gibt. Schon der gesunde Menschenverstand sage ja, dass „eine Politik der offenen Grenzen letztlich zum Zusammenbruch der gesellschaftlichen und staatlichen Ordnung führt“.

Eltern seien primär verpflichtet, sich um die eigenen Kinder zu kümmern und nicht die der Nachbarn. Um diese haben sie sich erst dann zu kümmern, wenn deren Eltern aus irgendeinem Grund ausfallen. Und sie sind sicher schon gar nicht zur Sorge um alle notleidenden Kinder dieser Welt verpflichtet.

Schwienhorst-Schönberger verweist auch auf den Sprachgebrauch des Alten Testaments, das klar zwischen dem „Fremden“ und dem „Ausländer“ unterscheidet. Wobei der „Fremde“ eindeutig immer der innerisraelitische Migrant gewesen sei, also ein anderer Angehöriger des „auserwählten Volkes“. Beiden Gruppen gegenüber habe es ganz unterschiedliche Verpflichtung gegeben.

Auch das Neue Testament, so der Theologe, unterscheidet ganz klar. Er verweist auf den oft missinterpretierten Satz: “ Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Schon die alten Kirchenväter haben so wie viele zeitgenössische Theologen gewusst: „Mit den geringsten Brüdern sind die Angehörigen der christlichen Gemeinde gemeint.“ Und niemals, so auch der katholische Exeget Gerhard Lohfink, „ich betone: niemals – sind es in einem universalen Sinn die ,Menschen-Brüder‘ beziehungsweise die Elenden oder die Armen der ganzen Welt“.

Lohfink weiter: „So sehr Christus auf der Seite aller Armen steht: Die wichtigste Sache in der Welt ist ihm die Existenz seines Volkes.“

Schwienhorst-Schönberger setzt sich in diesem Zusammenhang auch kritisch mit dem „Gutmenschentum“ auseinander. Dies sei „ein Verhalten, das zwar im Sinne des Willens sittlich gut ist, jedoch im Hinblick auf das, was dabei tatsächlich bewirkt wird, sittlich falsch.“ Das sei wie mit der Hilfe für einen Kranken: Wenn sich der Helfer nicht auskennt, kann er mehr Schaden als Nutzen anrichten. So hätten im Mittelalter christliche Helfer der Pestkranken, weil sie nicht Bescheid wussten, erst recht für die Ausbreitung der Krankheit gesorgt. Ganz ähnlich sei es bei der Flüchtlingspolitik.

Und der ägyptische Jesuit Henri Boulad hat gerade aufgrund seiner langjährigen Kenntnis des Islams die Flüchtlingspolitik westlicher Staaten vehement als „naiv“ kritisiert. Auch der soeben verstorbene große deutsche Philosoph Robert Spaemann machte eindeutig klar: „Wir sollten kein schlechtes Gewissen haben, wenn wir unserer Hilfe Obergrenzen setzen.“

Als Gegenbeispiel solchen naiven Gutmenschentums fällt immer wieder der Wiener Kardinal Schönborn auf. Er argumentierte heuer in einem weihnachtlichen Interview mit dem Hinweis, dass es zuletzt nicht mehr so hohe Flüchtlingszahlen wie im Jahr 2015 gegeben habe. Deshalb sollte man nicht ständig Flüchtlinge als Bedrohung darstellen. So Schönborn wörtlich laut einer Kathpress-Aussendung.

Das ist freilich wirklich Naivität zur Potenz! Denn auch wenn zuletzt – ja nur wegen der auch von Österreich wie vielen anderen Staaten (außer Deutschland) ergriffenen Abwehrmaßnahmen – tatsächlich weniger „Flüchtlinge“ gekommen sind als in den Jahren davor, so ist doch eindeutige Tatsache, dass die Neugekommenen ja zusätzlich zu den schon vorher gekommenen und großteils verbliebenen Massen im Lande sind. Und dass die Probleme mit ihnen und durch viele von Ihnen ja nicht aufhören nach dem Jahr der Migration, sondern angesichts der weiterhin wachsenden Gesamtzahl weiterhin immer größer werden.

Es schmerzt einfach, wenn der ranghöchste kirchliche Amtsträger mit solchen Milchmädchen-Rechnungen argumentiert. Das ist nicht nur ein intellektueller Schmerz. Das sorgt noch aus einem ganz anderen Zusammenhang heraus für mehr als berechtigte Sorgen: Denn etwa in Schönborns Lebenszeit ist die Zahl der Moslems in Österreich von 20.000 auf über 700.000 gestiegen. Denn die Kinder sind schon längst geboren, die erleben werden, die erleben müssen, dass die Stadt, in der einst ein blauäugiger Kardinal Schönborn residiert hatte, eine moslemische Mehrheit bekommt. Und wenn die Mehrheit einmal gekippt ist, ist es in absolut allen Städten, wo eine christliche Bevölkerung unter eine moslemische Herrschaft geraten ist, mittelfristig den Christen sehr schlecht bekommen. Sie sind überall vertrieben, getötet, zwangsislamisiert oder zu Bürgern zweiter Ordnung degradiert worden (den Atheisten ist es, nebstbei vermerkt, auch nicht besser gegangen, auch wenn viele von ihnen klammheimlich die Entchristlichung Österreichs bejubeln).

Es ist schlimm, wenn Schönborn das nicht begreift, sondern die Regierung unter Druck zu setzen versucht, selbst abgewiesenen Asylwerbern noch häufiger ein Bleiberecht zu gewähren.

Solche kirchliche Würdenträger sind aber auch deshalb eine Katastrophe, weil sie vielen Menschen, die die eigene Vernunft und den eigenen Verstand benutzen, eine so auftretende Kirche entfremdet. Umso wichtiger war es mir, hier einige der wohl viel weiseren und klügeren Theologen und den genauen Wortlaut der einschlägigen Bibelstellen zu zitieren.

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