Kandel ist nicht mehr überall – Nur die Migrantengewalt ist geblieben

(Bild: Kandel ist überall)
"Kandel ist überall" Demonstration (Bild: Kandel ist überall)

Kandel – Ein Jahr ist es her, dass die 15-jährige Mia Valentin aus Kandel vor dem Drogeriemarkt in Kandel von ihrem afghanischen Exfreund mit einem Brotmesser abgeschlachtet wurde. Der Fall hätte ausgehen können wie unzählige vor ihm. Ein paar Betroffenheitskerzen und Plüschtiere an der Hinrichtungsstätte, ein paar warme Worte von Berufströstern, Berufschristen und nicht zuletzt der gebetsmühlenartige Sermon, all das habe Nichts mit dem Dingsda zu tun. Genau diese bereits tiefgetrampelten, schizoiden Verdrängungswege wollten die Verantwortlichen auch nach dem 27. Dezember 2017 einschlagen.

Sofort wurde die Bluttat schöngeredet, als Einzeltat verharmlost. Man wollte schnell zur Tagesordnung übergehen. Ein bunter Karnevalsverein wollte sogar sinnbildlich auf Mias Grab tanzen, um gegen Fremdenfeindlichkeit und für ein „Offenes Kandel“ zu demonstrieren. Genau dieses „offene Kandel“, das auch die importierte Frauenfeindlichkeit eines islamischen Kulturkreises toleriert, ist Mia zum Verhängnis geworden. Unangenehmes zu verdrängen ist typisch deutsch. Das haben auch die Nazis nach 1945 gemacht. Vor Allem hier in Kandel, das seine Stadtrechte direkt von Hitler erhalten hat und dessen Wähler nach dem Krieg wie Schafe von der mit Mehrheit regierenden NSDAP zur SPD überliefen. Schnell zur Tagesordnung überzugehen ist hier in der roten pfälzischen Provinz Tradition.

Doch es kam anders: Bereits am 3. Januar zogen 600 Menschen mit einem Trauermarsch durch die Stadt, um endlich klarzumachen: Es reicht! Jetzt ist genug! Angeführt wurde der Schweigemarsch von Imad Karim, libanesischer Migrant und Menschenrechtler. (PI) Angriffen wurde die erste Demo gegen importierte Gewalt von der Antifa. Die mit bunten Schirmen sich auf die Seite des Mörders schlug und den friedlichen Umzug störte. Von Anfang an verleumdet wurden die Demonstrationen von der Tagespresse, die trotz Imad Karim bereits in der ersten Demo das Werk rechter Kräfte sah. (Rheinpfalz).

Kandel war daher von Anfang an eine Art Kaleidoskop, in dem sich das gesamte Versagen der Flüchtlingsindustrie und die Migrantengewalt nebst ihrer schizoiden Verdrängung manifestierte. Gleichzeitig jedoch ist Kandel auch der Startschuss für eine außerparlamentarische Protestbewegung im Westen Deutschlands, die nach den Morden an Frauen nicht mehr zur Tagesordnung übergehen wollte. Doch wie jede Protestbewegung hatte auch diese die typisch deutsche Kinderkrankheit. Den Spaltpilz.

Da gab es – es wäre dumm, dies zu leugnen – sehr wenige, aber von der Presse gleich in den Focus genommene unverbesserliche Neonazis, die gleich zu Anfang auf diesen Zug aufspringen wollten, weil sie nach jedem Strohhalm greifen, um ihre pauschale rassistische Hetze, die vor Allem Patrioten mit Migrationshintergrund mächtig auf den Geist geht, an den Mann zu bringen.

Da gab es einige mutige AfD-Abgeordnete aus Baden-Württemberg, die zusammen mit anderen Mitstreiterinnen die größte Demo gegen Migrantengewalt auf westdeutschem Boden organisierten. Einmal waren es 4000 und später immerhin 2000 Demonstranten. Ihr Motto „Kandel ist überall.“

Da gibt es immer noch eine zweite Gruppe, das Frauenbündnis, das viele Schnittmengen mit „Kandel-ist-überall“ hat, aber von Anfang an unabhängig sein wollte. Es kommen nur noch 400 zu den Demos, aber dafür bis heute. So bleibt Kandel im Bewusstsein.  Auch das muss man anerkennen. Aber waren wirklich zwei Initiativen notwendig? Hätte man nicht Alles von einem Tisch aus organisieren können?

Und dann gibt es noch die AfD in Rheinland-Pfalz, die von Anfang an jeden Protest in Kandel unterbinden wollte, obwohl sie auf ihrer Webseite die gleiche Meinung zum Mord an Mia vertritt wie „Kandel ist überall“. Heute will die AfD in Mainz eine der Organisatoren der Großdemo in hohem Bogen aus der Partei schmeißen. Im März dieses Jahres wimmelte es hier in Kandel von AfD-Mitgliedern aus Rheinland-Pfälzischen Ortsvereinen. Die haben sich im Glanz von 4000 Anderen gesonnt und waren stolz, dabei zu sein.

Der kurze Sommer von APO 18

Heute, fast ein Jahr nach dem Start der Straßenproteste gegen Merkels Flüchtlingspolitik, muss man sich kritisch fragen, ob die AfD die Oppositionspolitik neu erfinden will. Erfolgreiche Protestbewegungen sind immer auf zwei Beinen zur Macht marschiert. In den Parlamenten und auf der Straße. Das war auch bei der SPD so, und erst recht bei den Grünen. Da hat kein Juso ein Parteiausschlussverfahren an den Hals bekommen, weil er bei einer APO-Demo mitlief.

Im Gegenteil: Die Grünen haben ihre Mitglieder massenweise auf die Demos anderer Organisationen geschickt und sind dort selbst mitmarschiert. 300 000 Leute standen 1983 in der großen Friedenskette zwischen Stuttgart und Ulm. Dazu hat keine Partei aufgerufen, sondern das kam von der Basis.  Heute stellen die Grünen Landesregierungen! Haben von 1998 bis 2005 sogar Deutschland mitregiert. Nur die Mutigen werden belohnt und werden irgendwann regieren, nicht Leisetreter und Verzagte, die sich nur hinter Facebook-Seiten verstecken.

Es ist politisch fragwürdig, wenn eine Partei von Morden an Mia, Susanna Feldmann oder Gruppenvergewaltigungen wie in Freiburg politisch profitiert und gleichzeitig Leute, die gegen diese Verbrechen auf die Straße gehen, aus der Partei rausschmeißt oder erst gar nicht reinlässt. Darunter engagierte Patrioten, die nie eine Nähe zur Neonaziszene hatten.

Kandel steht also nicht nur für flächendeckende Gewalt gegen Frauen, dieser Name steht auch für Spaltung. Kandel steht auch für Mutlosigkeit und Zersplitterung. Seit Kandel schießen Initiativen und Bündnisse wie Pilze aus dem Boden. Aber herrscht dort die gleiche Aufbruchstimmung wie im März, April, Mai und Juni, als hier Tausende durch die Straßen zogen?

Nein! In Mainz waren es nach dem Tod von Susanna gerade mal 180, die sich vor dem kurfürstlichen Schloss versammelten. Bei der ersten Demo in Wiesbaden waren es um die 120 Mitstreiter. Beim zweiten Mal war die Zahl schon zweistellig. Auch in Mainz sind die Demos immer kleiner geworden. Man sieht die immer gleichen Gesichter. Vor einer Woche trafen sich versprengte Reste der Mainzer Gruppe heimlich in einem Waldstück an einer Grillhütte, um dann vor dreißig oder fünfzig Leuten ihre Reden in die kahlen Bäume zu brüllen. Manche Mitstreiter, die sich noch im Sommer begeistert um den Hals fielen, reden heute nicht mehr miteinander. Kontakte sind abgebrochen. Manche wichtige Sympathieträger haben sich aus der Bewegung zurückgezogen, machen nur noch Parteiarbeit oder betreiben ihren Protest vom Schreibtisch aus.

Was bleibt?

Es krampft sich das Herz zusammen, wenn man sieht, was aus der Bewegung, an der Viele so hart gearbeitet und Opfer gebracht haben, geworden ist. Jeder gründet eine eigene Facebook-, Skype- oder Whatsapp-Gruppe, glaubt, er wäre dort ein kleiner König, wenn zehntausend Leute sich die Life-Streams anschauen oder sich in den Kommentarspalten auskotzen. Tolle Namen, die auch noch dauernd wechseln, kursieren da im Netz. Überall scheinen nur noch Einzelkämpfer am Werk zu sein, und „Stars“. Einer besser als der andere, einer wichtiger als der andere. Und wenn´s drauf ankommt, stehen fünfzig Leute auf dem Platz, die dann aus ganz Deutschland anreisen. Schaut zurück nach Kandel. Hier standen mal 4000 Demonstranten! Hier war Aufbruchstimmung. Ganz Europa hat nach Kandel geschaut. Warum? Weil jeder einzelne dieser 4000 ein Mitspieler auf dieser politischen Bühne war. Alle waren mit einem gemeinsamen Geist und gemeinsamen Willen verbunden. Ähnliches erlebten auch die Besucher des Hambacher Festes vor 180 Jahren…

Das ist nun Vergangenheit. Darüber sind Viele traurig. Man fragt sich, wieso läuft all das so auseinander. WIESO FINDEN LEUTE NICHT ZUSAMMEN, DIE EIGENTLICH EINER MEINUNG SIND!?

Vielleicht sollte jeder Einzelne sich nicht so wichtig nehmen und stattdessen an das große Ziel denken. Der Einzelne erreicht gar Nichts. Zusammen kann jeder Einzelne Alles erreichen. Davon ist die so gut gestartete Protestbewegung nach all der Spalterei weiter entfernt als alle Protestbewegungen vor ihr. (KL)

 

 

 

 

 

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