„Geht um Leben und Tod“: Abschiebeverhinderung durch Non-Stop-Gottesdienst

Gottesdienst (Symbolbild: shutterstock.com/Von Olena Kibryk)
Gottesdienst (Symbolbild: shutterstock.com/Von Olena Kibryk)

Niederlande – Ein niederländisches Gesetz macht es möglich: Während einer andauernden Messe darf die Polizei eine Kirche nicht betreten. Um die Abschiebung einer armenischen Familie zu verhindern, werden in einer evangelischen Kirche Tag und Nacht Messen gelesen, und das seit nahezu zwei Monaten.

Weil die Kirche im vorherigen Wohnort der fünf Armenier keinen Dauergottesdienst veranstalten konnte, sei die abzuschiebende fünf-köpfige Familie nach Den Haag in die Bethel-Kapelle geflüchtet. Dort wird sich eines Gesetzes aus dem Jahr 1994, das der Polizei verbietet, eine Kirche während einer Messe zu betreten, bedient, berichtet der Spiegel. Einer der Organisatoren des Dauergottesdienstes sieht indes nicht ein, dass dadurch die Arbeit der niederländischen Behörden behindert wird, um eine rechtlich einwandfreie Abschiebung durchzuführen. Ganz im Gegenteil sehen sich die Gutmenschen in der Pflicht, „verantwortungsbewusst zu handeln“ da man ja „nicht gegen die Regierung“ kämpfe, sondern an sie „appelliere.“

Ein Sprecher des niederländischen Ministeriums für Justiz und Sicherheit sieht die Sachlage anders und kommentiert, dass das Verstecken in einer Kirche Nichts daran ändere, dass Jemand nicht berechtigt ist, in den Niederlanden zu bleiben. Die Familie – selbstredend vollumfänglich integriert und in ihrer Heimat verfolgt –  lebe in einer kleinen Wohnung und werde von einem Team aus 20 Koordinatoren und rund 50 Freiwilligen versorgt. Insgesamt hätten sich 680 Pastoren für den Dauergottesdienst angemeldet, auch aus Deutschland. Eines indes ist für die Bessermenschen des Gottesdienst-Marathons klar: „Für sie geht es um Leben und Tod.“

Von wem die Familie in ihrer Heimat Armenien konkret verfolgt wird, lässt der Spiegel offen. Nachdem Armenien als das monoethnischste Land im gesamten post-sowjetischen Raum gilt, 98 Prozent der Bevölkerung dem orientalisch-orthodoxe Christentum angehören und der Islam mit gerade einmal 0,027 Prozent vertreten ist, kann auch hier die Kirche nicht für sich geltend machen, sich schützend von ihre Schäfchen zu stellen. (SB)

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