Clever: Grüne wollen ihr Traumtänzer-Image loswerden

Annalena Baerbock, Grüne - Foto: Imago

Ungewohnte Töne aus den Reihe der Grünen. Winfried Kretschmann forderte, geflüchtete „Tunichtgute“ von den Metropolen fernzuhalten. Gewalttäter aus jenen Kreisen bezeichnete er als „Männerhorden,“ die „in die Pampa“ verbannt gehörten. 

Die Parteivorsitzende Annalena Baerbock etwas weniger drastisch: Asylsuchende Straftäter, welche die Rechtsordnung nicht akzeptierten und ohnehin ausreisepflichtig seien, sollten bevorzugt abgeschoben werden. Die Parteilinke blieb erstaunlich ruhig. Der Grünen-Ko-Vorsitzende Robert Habeck nannte die Äußerung seiner Kollegin gar „mutig.“

Um in der Beliebtheit des Wählers den zweiten Platz hinter der Union auch beim Urnengang abzusichern, seien die Grünen dabei, ihren Ruf als Volkspartei nachhaltig zu festigen, schreibt Fabian Löhe im Tagesspiegel. Dafür seien stetige Funksignale an die Mitte notwendig, um weder die linke Basis noch die Eingewanderten aus der Union zu erschrecken. Das wiederum sei ein riskanter Balanceakt aus doppelten Botschaften. Es gelte aber, das Traumtänzer-Image abzustreifen und dabei den Diskurs nicht zu verschieben, sondern nur den Ton.

Dabei seien die Forderungen inhaltlich nicht neu. Auffällig sei aber, daß die Grünen sich auf einmal häufiger zum Thema generell auslassen, anstatt Anderen bei deren Kommentierung  zuzuhören. Das öffentliche Bekenntnis, „konsequent durchgreifen“ zu wollen, gleiche einer Jagd im Revier der Union.

Die Landtagswahlen in Bayern und Hessen zeigten eindrücklich, wem die neuen grünen Flötentöne gelten: In Bayern verlor die CSU 170 000 Wähler an die Grünen. Von keiner anderen Partei kamen derartig viele Überläufer. In Hessen war es nicht anders. Die CDU gab 108 000 Wähler an die Grünen ab. Da geht offensichtlich noch mehr.

Das Klimathema allein wird dazu aber auf Dauer nicht ausreichen. Die Grünen wollen deshalb raus aus der Öko-Nische. Der Klimaschutz sei schließlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen, so wie auch das Migrationsthema.(ME)

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