Deutschem Schleuser drohen in Italien bis zu 20 Jahre Haft

Der gelernte Rettungsassistent Sascha Girke (rechts) war bis Mitte 2017 Einsatzleiter bei der "Seenotrettungsmission" Iuventa. © jouwatch Collage
Der gelernte Rettungsassistent Sascha Girke (rechts) war bis Mitte 2017 Einsatzleiter bei der "Seenotrettungsmission" Iuventa. © jouwatch Collage

Sascha Girke aus Potsdam gelangte Mitte 2017 zu zweifelhaftem Ruhm, als er mit der „Seenotrettungsmission Iuventa“ im Mittelmeer schipperte, um auswanderungswillige Afrikaner via Shuttleserice in das gelobte Land zu bringen – nach Europa. Für seinen Schleuserdrang muss sich der 39-Jährige und andere Helfer im kommenden Jahr mit großer Wahrscheinlichkeit vor einem italienischen Gericht verantworten. Es drohen bis zu 20 Jahre Haft. #unheilbar

Die Zeit feierte einst die Iuventa in einem mehrseitigen Lobgesang, wo die Mission von „Jugend rettet“ im Detail beschrieben wurde. Bereits vor wenigen Wochen wurde der gelernte Rettungsassistent Girke, der bis Mitte 2017 Einsatzleiter bei der „Seenotrettungsmission“ Iuventa war , bei der Potsdamer Staatsanwaltschaft vorgeladen, wo ihm die Anklage der italienischen Behörden übergeben wurde, berichten die Potsdamer Neueste Nachrichten (PNN). Italien wirft dem eifrigen „Retter“ diverse „Hilfseinsätze zur Bergung von Flüchtlingen“ vor. Die Iuventa soll ingesamt 14.000 Menschen über das Mittelmeer nach Europa gebracht haben. Die Helfer berufen sich auf Seenotrettung, was in diesem Fall wohl nicht zutrifft, da die nächsten sicheren Häfen die der libyschen Küste gewesen wären. Die italienische Polizei hatte das Schiff im August 2017 auf Lampedusa beschlagnahmt und durchsucht. Girke fühlt sich indes keiner Schuld bewusst und sieht sich kriminalisiert, da nie mit Schleppern zusammengearbeitet wurde. Ihm ist offenbar bisher entgangen, daß die Iuventa, Girke selbst und seine Helfer, die Schlepper sind.

Girke ist stolz darauf, allein im Juni 2016 an einem Tag mehr als 1000 Menschen „gerettet“ zu haben. Die italienische Justiz wirft den „Rettern“ jetzt vor, Boote zurück an Schlepper übergeben zu haben, anstatt sie zu zerstören. Ein Foto, das ein verdeckter Ermittler an Bord eines anderen Rettungsschiffs aufgenommen hat, soll unter anderem als Beweis dafür vorliegen. Bekannt wurde durch die Anklage auch, dass das Schiff mindestens drei Monate verwanzt war und Telefone der „Helfer“ überwacht und abgehört wurden.

Im Falle einer Verurteilung drohen dem Potsdamer bis zu 20 Jahre Haft und eine Geldbuße von 15.000 Euro pro nach Italien gebrachter Person.

Girke arbeitet momentan an seiner Verteidigung und bemüht sich um eine lückenlose Aufklärung der Vorkommnisse. Da die selbsternannten Retter hohe Prozesskosten befürchten, wurde unverzüglich ein Spendenaufruf auf einer  Internetseite namens „Solidarity at Sea“  gestartet, auf der um monetäre Unterstützung für die „Iuventa“-Crew gebeten wird. Offenbar ist Girke nicht der einzige Schleuser, dem ein Verfahren droht.

Trotz der Anklage ist Girke entzückt darüber, dass die Potsdamer Stadtverwaltung jüngst beschlossen hat, zusätzliche „Flüchtlinge“ aufzunehmen. Zudem will die Stadt die Patenschaft für eine „Seenotrettungsmission“ übernehmen, genau wie weitere 25 andere Gemeinden in Deutschland! (BH)

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