Macron und das Pech: In Polen regieren die „Gelbwesten“, in der EU das Chaos

Emmanuel Macron (Foto: Shutterstock)
Emmanuel Macron (Foto: Shutterstock)

In der EU geht es zu, daß selbst die gechipte Zuchtsau verwundert die Augenbraue hochzieht. Vor aller Welt gibt EU-Kommissionpräsident Juncker den leutseligen Mineralwasserburschen, als könnte kein Gin sein Wässerchen trüben, torkelt dann, vom Ischias schmerzgepeinigt, durch die Reihen der Weltpolitiker und verwurstelt anwesenden Blondinen die Frisur, um als nächstes seine nackte Krawatte unter dem Jackett hervorzuziehen, damit in der Gegend herumzuwedeln und sie schäkernd mit den Bindern der peinlich Berührten zu vergleichen. Dann tätschelt er einem Staatschef die Backe und steckt seine Krawatte wieder zurück ins Jackett, um als nächstes vor einem Treppensturz bewahrt zu werden.  Es ist ein Kreuz, wenn man´s im Kreuz hat. EU-Kommichef Juncker gilt medial und hochoffiziell als „gesundheitlich angeschlagen“. 

Das ist aber nur die Beschreibung der Oberfläche. Unterhalb der EU-Führungsebene, auf der nationalen Ebene, schwelt feindseligen Wortes derweilen der Krieg. Und zwar zwischen Frankreich und Polen. Emmanuel Macron, oberster Gelbwestenbekämpfer Frankreichs, befindet sich den „gesittet regierenden Gelbwesten“ Polens gegenüber in  defensiver Erklärungsnot. Das gibt Abzüge in der Haltungsnote.

Jacek Czaputowicz, polnischer Außenminister, bezeichnete Frankreich als den kranken Mann Europas. Dieser kranke Mann ziehe die ganze EU mit nach unten, so Czaputowicz bar jeglichen Mitgefühls. Während Polen ein strahlendes Land sei, betrübe Frankreich ganz Europa. Die Terrorattacke von Straßburg und die Gelbwestenproteste der letzten Wochen bewiesen, daß irgendetwas falsch läuft bei den Galliern.

Unter den Opfern von Chérif Chekatt, dem 29-jährigen franzöischen Dschihadisten, der in Straßburg mehrere Passanten tötete, ist auch ein 36-jähriger Pole, der am Sonntag seinen Verletzungen erlegen ist. Von Chekatt war bekannt, daß er sich im Gefängnis radikalisiert hatte. Seit 2016 wurde er in den Akten als potentieller Terrorist geführt.

Die Ansage des Polen ist zu verstehen als Reaktion auf den Vorwurf Emmanuel Macrons an die polnische Regierung, sie schaffe die Unabhängigkeit der Gerichte in ihrem Lande ab. Czaputowicz abschließend: Angesichts der aktuellen Zustände in Frankreich sei Emmanuel Macron gut beraten, sich um sein eigenes Land zu kümmern, anstatt den Polen Lehrstunden zu erteilen. Macrons Zugeständnisse an die Gelbwesten bedeuteten bereits 10 Milliarden Euro Verlust, so daß Frankreich die Brüsseler Stabilitätskriterien für den Euro wohl kaum werde erfüllen können.

Die Polizei wird gelb

Und während Emmanuel Macron noch sprachlos gen Osten nach Polen schaut, tippt ihm sein Innenminister Castaner von hinten auf die Schulter: „Mon dieu, Monsieur le President, die Polizei zieht jetzt auch gelbe Westen an.“ Dann hält er ihm eine Zeitung vor die aufgerissenen Augen: „Umfrage – Macron unbeliebt wie nie.„- Nein! – Doch! – Oh!

Tatsächlich sind nun drei verschiedene Polizeigewerkschaften zugleich mit ihren Forderungen hervorgetreten. „Die Verkehrskreisel sind nicht nur für die gelben Westen da„, drohte der Sprecher der UNSA-Polizeigewerkschaft. Macron weiß nicht mehr ein noch aus. Mit aller Härte wolle er verhindern, daß Gelbwesten seine Ministerien besetzen, seufzte er mäßig entschlossen. Doch die Polizei ist abgekämpft, seit Wochen überlastet, unterbezahlt, es hat zahlreiche verletzte Polizisten gegeben – und die Sympathien der Polizisten gelten oft den gelben Protestierern.

Zurück zur EU

Während in Brüssel der EU-Kommichef ischiasgepeinigt mitbekommen muß, wie er auf der ganzen Welt als Spriti mißinterpretiert wird, und in Paris Macron wie paralysiert die Muffen auf sich zusausen sieht, schimpft ihn der polnische Außenminister und im belgischen Parlament fliegen die Fetzen. Der Premierminister ist wegen des Ärgers um den UN-Migrationspakt zurückgetreten, die Regierungskoalition ist geplatzt. In Italien liegen wegen der Eurokratie ebenfalls die Nerven blank. Es gibt Hader und Zwietracht wegen der italienischen Staatsausgaben. Italien hatte bereits gekürzt, Brüssel bereits zugestimmt, doch plötzlich will die Eurokratie weitere Kürzungen. Salvini platzte der Kragen. Zwischen Italien und Belgien bebt die Erde ebenfalls. Und das ist noch nicht alles. Auch aus Griechenland kommen schwere Vorwürfe an die Eurokratie. Der frühere griechische Regierungschef Costas Lapavitsas beschuldigte die EU, die Bürger selbst in den Protest gegen ihre diktatorische Politik hineinzutreiben und so das Anwachsen rechtsgerichteter Parteien auf dem gesamten Kontinent zu fördern.

Und Deutschland?

Abgesehen davon, daß der deutschen Regierung in englischen Zeitung grundlose Panikmache angesichts des Brexits vorgeworfen wird, ist in Deutschland alles bestens. Die Menschen freuen sich, weil die Bundeskanzlerin am 28. Januar den Fulbright-Prize entgegennehmen wird, welcher mit 50.000 US-Dollar dotiert ist. Sie bekommt ihn für „ihre Führungsrolle in Zeiten globaler Krisen und Herausforderungen in herausragender Weise“ – und den ganzen selbstbeweihräuchernden Klimbim. Das ist einer dieser amerikanischen Menschlichkeitspreise, die heute fast jedem hinterhergeworfen werden, der eigenhändig noch niemanden umgebracht hat. Die 50.000 Dollar sind das einzig Handfeste. Wie man am Zustand der EU sehen kann, bekommt Merkel den Preis auch völlig zu recht. Diese Harmonie, diese Eintracht unter den Völkern, einfach sagenhaft. Wir können stolz auf unsere Kanzlerin sein. Die Welt ist verrückt geworden. (ME)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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