Doktorspiele bei der Ärztezeitung: AfD-Wähler und Linke sind selbstverliebt

Max Erdinger

Wie sich der Psychomedicus abreagiert - Foto: Screenshot Facebook

Wenn sich jemand mit den „die Menschen“ auskennt, dann sind es oft Ärzte. Ganz egal, wer gerade die politische Macht hatte oder hat – Wilhelm, Adolf oder Angela – immer schon haben es bestimmte Ärzte verstanden, sich publizistisch in den Vordergrund zu drängen, um zum herrschenden Zeitgeist ihren pseudofundierten medizinischen Senf beizusteuern. Wahrscheinlich handelt es sich seit jeher um die Narzissten unter den Medizinern.

In der Rubrik „Politische Narzissten“ veröffentlichte die Ärztezeitung einen Artikel, der betitelt ist mit „So selbstverliebt sind Rechte und Linke“. Überflüssig ist, gleich zu Anfang darauf hinzuweisen, daß die Eigenliebe als solche nicht gut wegkommt beim Herrn Doktor, und daß er sich davor drückt, zu erklären, warum nicht. Das ist ein Phänomen, das man für die Journalistenzeitung einmal ärztlich untersuchen lassen könnte, um besser über Ärzte Bescheid zu wissen.

Auf der Narzissmus-Skala der Abteilung für Medizinische Psychologie der Uni Leipzig erreichen die AfD-Wähler den höchsten Wert. Die Autoren erklären auch, warum AfD-Wähler eher zu Verschwörungstheorien neigen.

Interessant wäre auch gewesen, welchen Erschütterungsgrad AfD-Wähler auf der Richter-Skala erreichen, wenn sie an Angela Merkel denken. Warum ist kein Geologe gefragt worden? Gibt es keine Medizinische Geologie an der Uni Leipzig?

„Die AfD schimpft gerne auf die „Eliten“, schreibt die Ärztezeitung völlig wahrheitswidrig. Tatsächlich schimpft die AfD natürlich ungern auf die „Eliten“. Sie tut es nur deswegen, weil sich „Narzissten“ gut dabei fühlen, wenn sie zerebralen Talgfunzeln, die sich in ihrer Verblendung als Elite begreifen, mit ihrer Expertise aus der vermeintlichen Ausweglosigkeit helfen können. Die AfD hält ungern mit der Tatsache hinter dem Berg, diejenige Partei zu sein, die auf Funktionärsebene über das bestgebildete Personal verfügt. Weil niemand etwas davon hätte, wenn sich die AfD so dumm stellen würde, als gäbe es keinen Unterschied zwischen ihr und, sagen wir, den Grünen. Mit Narizssmus hat das nichts zu tun, sondern mit Nächstenliebe und einem Sich-in-den-Dienst-stellen ungeachtet der Tatsache, daß einem solcher Altruismus von mediengeilen Psychologen als Narzissmus ausgelegt werden wird. Es war schon immer die leidvolle Erfahrung von Genies, daß Kleingeister ihre wahre Größe nicht erkennen und zu genau den Fehlinterpretationen kommen, die ihnen in ihrer ganzen Beschränktheit gerade noch möglich sind.

Viele ihrer Wähler sehen sich selbst allerdings als Teil einer geistigen Elite, die politische Zusammenhänge besser versteht als andere.„, schreibt Elmar Brähler in der Ärztezeitung. Realitätssinn ist aber etwas ganz anderes als Narzissmus. Das sollte sich der narzisstische Elmar Brähler von der Abteilung für Medizinische Psychologie und Soziologie der Universität Leipzig hinter die Ohren schreiben, bevor er, sehr von sich überzeugt, schreibt: „Die AfD-Wähler sind sehr von sich überzeugt“. Wer Realitätssinn hat, darf auch davon überzeugt sein, daß er über einen solchen verfügt.

Narzissmusexperte Elmar Brählig ist einer der Autoren der Studie mit dem Titel „Die Parteien und das Wählerherz 2018“. Zwischen November 2017 und Februar 2018 wurden dafür bundesweit rund 2100 Wahlberechtigte nach ihren Parteipräferenzen und ihrem Selbstbild befragt. Schon haben wir den Salat. Nicht das Wählerherz, sondern der Wählerkopf hätte Gegenstand der Studie sein müssen.

Gemessen worden ist der Narzissmus im Wählerherz nicht vermittels eines EKGs, sondern mit einem Standard-Fragebogen. Die Teilnehmer der Studie sollten sich darin zu Aussagen positionieren, wie bspw. den beiden folgenden. „Ich habe es verdient, als große Persönlichkeit angesehen zu werden“ oder „Mit meinen besonderen Beiträgen schaffe ich es, im Mittelpunkt zu stehen“. Offensichtlich sind AfD-Wähler besonders aufrichtige Leute und bejahten daher die beiden Aussagen am häufigsten. Ehrlichkeit wiederum ist auch etwas völlig anderes als Narzissmus.

Der Satz „Die meisten Menschen sind ziemliche Versager“, habe bei den Wählern der AfD die stärkste Zustimmung erfahren, gefolgt von der Gruppe der Nichtwähler, heißt es in der Ärztezeitung. Geringfügige Abweichungen nach unten habe es für diese Aussage  bei Anhängern von CDU, CSU und Linken gegeben. Daß das nichts weiter als logisch ist, scheint den Psychomedici nicht in den Sinn gekommen zu sein. Schließlich ist die Gründung der AfD unzweifelhaft Resultat der Tatsache, daß es in den Altparteien vor Versagern nur so wimmelt – und daß die wiederum von Ignoranten gewählt werden. Es ist daher ziemlich gemein von den Psychodocs, einfach unter den Tisch fallen zu lassen, daß die AfD aus Leuten besteht, die sich den ganzen Schwachsinn nicht länger mehr mit ansehen konnten und deshalb aus rein altruistischen Gründen Abstand von ihrem ursprünglichen Plan genommen haben, ihre Gescheitheit nur für ihr eigenes Fortkommen zu verwenden. Es hat mit Narzissmus nicht das Geringste zu tun, sich seiner sozialen Verantwortung bewußt zu werden und daraufhin die eigene Lebensplanung dem Wohle des Ganzen unterzuordnen.

Die Psychologen untersuchten auch die Positionierung zu weiteren Aussagen, um mögliche Vorlieben für „Autoritarismus“ zu messen. Was schlecht daran sein soll, an ihrer Sachkompetenz die Autorität zu erkennen, wenn man eine sieht, erklärten sie aber nicht.  Dem Satz „Menschen sollten wichtige Entscheidungen in der Gesellschaft Führungspersonen überlassen“ hätten den Angaben zufolge besonders viele AfD-Wähler zugestimmt. Am wenigsten Zustimmung habe diese Aussage bei den Anhängern der Grünen gefunden. Auch Wähler der Linken konnten dieser Idee wenig abgewinnen, heißt es in der Auswertung der Studie zum Narzissmus.

Das ist aber ein alter Hut und kein Grund zur Verwunderung. Schließlich sind es Grüne und Linke, die – Angela Merkel einmal außen vor gelassen – mit einem Führungspersonal geschlagen sind, dem man wichtige Entscheidungen keinesfalls überlassen kann. Das wissen die Grün- und Linksaffinen genau. Bei der AfD hingegen ist das ganz anders. In der AfD kommt man nur über nachgewiesene Kompetenz in Führungspositionen, weshalb führende AfD-Politiker besonders vertrauenswürdig sind. Wie gesagt: Realitätssinn und Narzissmus sind zwei verschiedene Paar Stiefel.

Und dann das noch: „den höchsten Anteil von Abiturienten (40,9 Prozent) fanden die Forscher unter den Wählern der Grünen.“ Das allerdings ist kein Beweis für den Narzissmus von AfD-Wählern, sondern einer für die Berechtigung des Begriffs „Bildungsmisere“.

Was meineneinen betrifft, der überhaupt erst zur Wahl geht, seit es die AfD gibt, läßt sich mit Sicherheit sagen, daß er keinesfalls ein Narzisst ist und vom politopsychologischen Narzisstismus rein gar nichts hält. Schließlich kann er nichts dafür, daß er schlauer ist als die meisten anderen Leute, darunter eine Vielzahl von Psychologen, die zu dumm sind, eine dreispurige Autobahn effizient zu nutzen.

 

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