Starautor Michel Houellebecq: Jouwatch hat recht

Max Erdinger

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Michel Houellebecq - Foto: Imago

Es gibt Tatsachen, die selbst der gräßlichste Linke nicht bestreiten kann, ohne sich lächerlich zu machen. Michel Houellebecq hat den größten Teil seiner umfänglichen Fangemeinde im linksliberal tickenden Westeuropa, besonders in Frankreich und in Deutschland. Noch nie hat sich jemand ins Rampenlicht gewagt und bestritten, daß es sich in der Person Houellebecqs um eine hochgebildete und äußerst intelligente Zierde Frankreichs handelt. Wenn sie Houellebecq vor sich haben, werden sogar Linke ehrfürchtig.

Umso mehr erfreut es den Jouwatch-Autor, wenn er an einem Tag-so-wunderschön-wie-heute feststellt, wie schnörkellos Zeuge Houellebecq mit seinem jüngsten Text für das Magazin „Harper´s Bazaar“ alles bestätigt, was der Jouwatch-Autor seit Jahren schreibt. Michel Houellebecq verteidigt sogar den amerikanischen Präsidenten Donald Trump.

Houellebecqs Text steht im Einklang mit seiner Dankesrede anläßlich der Verleihung des Oswald-Spengler-Preises. Mit „Wie man nicht ausstirbt“ ist sie wundervoll in der „Welt“ betitelt. Daß der französische Bestseller-Autor den amerikanischen Präsidenten lobt, klinge „erst einmal nach einer Nachricht, die sich einreiht in die Kette schalkhafter Sprechakte, die die Identität von Houellebecqs Persona konstituieren. Luzide, abgründig, so mehrfach gebrochen, dass jede Frage nach einer „Eigentlichkeit“ naiv erscheinen muss.“ Das trifft zu. Und bei der „Welt“ drückt man sich gern geschwollen aus, wenn die feuilletonistische Ehrfurcht zuschlägt. Michel Houellebecq hat in gewisser Weise etwas von Till Eulenspiegel.

Sein Text – und das sei wichtig – richte sich an ein amerikanisches Publikum, jedenfalls, was die rhetorische Ansprache des Lesers betreffe. Dem amerikanischen Leser werde gleich zu Beginn eine „restliche Welt“ gegenübergestellt, also alle Länder außer Amerika. Für seine amerikanische Leserschaft habe Trumps Präsidentschaft Vorteile gebracht. Der Hauptvorteil sei der, dass Amerika unter Trump damit aufgehört habe, den Rest der Welt zu belästigen. Die amerikanischen Demokratie-Missionare seien schweigsam geworden. Was das überhaupt für eine Demokratie sei? Und ob Demokratie wohl bedeute, alle vier Jahre einen neuen Präsidenten zu wählen?

Die Schweiz sei das einzige Land der Welt, so Houellebecq bei „Harper´s Bazaar“, dessen Institutionen wenigstens zum Teil wirklich demokratisch sind. Trotz des zunehmenden Einsatzes von Drohnen sei es den Amerikanern nicht gelungen, kleinere Leichenberge aus zivilen Opfern zu produzieren. Das liege allerdings daran, dass es sich bei bombenwerfenden Amerikanern allgemein um Dilettanten handle. Da „sei sie wieder gewesen, diese lapidare, houellebecqsche Ironie„, schreibt die „Welt“, „dieser kitzelnde Urgrund des Textes„. Fein bemerkt, möchte ich anfügen.

Houellebecq vergleiche sich mehrmals mit Trump, das sei interessant. Wie Houellebecq selbst, habe Trump nichts dagegen, Verhandlungen mit Putin zu führen. Wie er selbst, so sei auch Trump Nationalist.

Interessanter Punkt

Die Selbstverständlichkeit, mit der Houellebcq sich als Nationalisten bezeichnet, treibt dem Deutschen freilich das Wasser in die Augen. Wie schön muß das Leben als französischer Schriftsteller sein, wenn man nicht fürchten muß, die Eigenbezeichnung als Nationalist würde böswillig mit „Nationalchauvinist“ übersetzt werden und fortan als Diffamierung gegen einen selbst mißbraucht werden.

Ein Nationalist ist schließlich  jemand, der die Nation als Maximum dessen begreift, was sich gerade noch nach demokratischen, auch sozialstaatlichen und liberalen Prinzipien verwirklichen läßt. Er setzt deshalb auf kulturelle Homogenität, anstatt über einen totalitären Deckel auf der Schlangengrube nachzudenken. Mit seinem eigenen Staat hat das nicht ausschließlich zu tun, sondern grundsätzlich mit jedem. Das hat Houellebecq am Beispiel des amerikanischen Präsidenten bestens verdeutlicht.

An  anderer Stelle schreibt der Romanautor, es tue ihm immer wieder gut, gelegentlich Victor Hugo zu kritisieren. Über den hatte er sich vorher schon ausgelassen. Victor Hugos Vision der „Vereinigten Staaten von Europa“ beweise nichts außer Dummheit und Großspurigkeit. Unverblümt erklärte Houellebecq, die Vereinigten Staaten von Europa seien „eine dämliche Idee“, die sich zusehends in einen Albtraum verwandelt habe. Schließlich gebe es keine gemeinsame Sprache, keine gemeinsamen Werte, keine gemeinsamen Interessen – kurz: Europa als Nation existiere gar nicht.

Tatsächlich sind die Nordamerikaner schon länger „Vereinigte Staaten“, mit einer gemeinsamen Amtssprache versehen  und auf eine gemeinsame Verfassung verpflichtet. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind eine große Nation, die EU noch nicht einmal eine kleine.

Zusammenfassend, so Houellebecq, erscheine ihm Donald Trump als einer der besten Präsidenten, die Amerika je gesehen hat. Sogar den „nordkoreanischen Wahnsinnigen“ habe er in den Griff bekommen. Trump habe sich selbst als Nationalisten bezeichnet. Genau das sei er, Houellebecq, auch. Unter Nationalisten könne man reden, unter Internationalisten eher nicht. Außerdem müsse Frankreich aus der Nato austreten.

Gegen Ende seines Textes in „Harper´s Bazaar“ rät Houellebecq den Amerikanern noch, sich ein „Mindestmaß an Scheinheiligkeit“ zu erhalten. Donald Trump werde ihnen, mittelfristig betrachtet, gut tun, weil er sie lehren wird, sich innerhalb der Grenzen ihres eigenen Landes aufzuhalten und sich dort an die Werte von Tugend und Ehrlichkeit zu erinnern. Dazu sei eben ein Mindestmaß an Scheinheiligkeit nötig.

Resümee

Es ist eine zutiefst befriedigende Rückmeldung für den Journalisten und Autoren, seine in zahlreichen Artikeln dokumentierte Generallinie von keinem Geringeren als Michel Houellebecq bestätigt zu bekommen – und nicht etwa von einem Geschwader bundesdeutscher IntellektsimulantInnen.

 

 

 

 

 

 

 

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