Roter Nazi: Rebsorte Zweigelt soll in „Blauer Montag“ umbenannt werden

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Zweigelt: Trauben und Flasche - Foto: Imago

Wien – Das „Institut ohne direkte Eigenschaften“ fordert die Umbenennung der Rebsorte Zweigelt. Benannt ist sie nämlich nach einem österreichischen Nazi, Dr. Friedrich Zweigelt.

Dem steiermärkischen Zweigelt war 1922 die Kreuzung der Sorten St. Laurent und Blaufränkisch gelungen. Seiner Züchtung gab er den Namen Rotburger. Im Jahr 1975 – Zweigelt war längst gestorben – erhielt die Rebsorte per Qualitätsweinrebsorten-Verordnung den Namen ihres Schöpfers. Die „Abgezweigelt“-Initiatoren sprechen von einer traurigen Wahrheit, die sichtbar werde: Die österreichische Weinwirtschaft verschweige wie kein anderer Wirtschaftszweig ihre nationalsozialistische Vergangenheit.

Dr. Friedrich Zweigelt ist lange vor dem Anschluß Österreichs im Jahre 1938 überzeugter Nationalsozialist gewesen. Bereits im April 1933 wurde er Mitglied der NSDAP, als die Hitlerpartei in Österreich noch verboten gewesen ist. Nach dem Anschluß 1938 wurde der Direktor der Weinbauschule am Stift Klosterneuburg gegen dessen Willen pensioniert und Zweigelt wurde zum Leiter. Dort soll er einen Schüler namens Josef Bauer, Mitglied in der Widerstandsgruppe um den Klosterneuburger Chorherrn Roman Scholz, an die Gestapo verraten haben.

Bezeichnend ist, aus welcher Ecke die Forderung nach der Umbenennung der Rebsort Zweigelt kommt. Das „Institut ohne direkte Eigenschaften“ ist hervorgegangen aus dem „Institut für direkte Kunst“. In Kunstkreisen zwischen Scheibbs und Nebraska ist das Institut als „Kultort der radikalsten künstlerischen Avantgarde Europas“. Der Perinet-Keller, Perinetgasse 1, 20.Bezirk ist Sitz des Instituts. Der Keller wurde 1962 von Otto Muehl angemietet und  zum «Institut für direkte Kunst» geadelt. Es fanden viele Material- und Körperaktionen statt, die von den Größen der österreichischen Film-Avantgarde, Kurt Krenn und Ernst Schmidt jun., teils filmisch dokumentiert worden sind.

Der Keller wurde von den Aktionisten Günter und Anna Brus, Otto Muehl, Hermann Nitsch und Rudolf Schwarzkogler bis 1970 genutzt. In jenem Jahr ist der Perinet-Keller vom Gesundheitsamt zwangsgeräumt worden. Die Behörde entsorgte die Bilder und Skulpturen des Künstlers als Abfall. Der 2013 verstorbene Muehl gilt als Gründer der Aktionsanalytischen Organisation (AAO). Sie bestand zu ihrer Blütezeit aus bis zu 600 Mitgliedern. Die AAO sah sich selbst als ein Gesellschaftsexperiment einer zukünftigen Form des Zusammenlebens. Die Mitglieder bezeichneten ihre Prinzipien als „neuen Humanismus“.

Im Jahre 1988 kam es in Österreich zu einem Strafverfahren gegen Otto Muehl, in dem auch Mitglieder seiner Kommune gegen ihn aussagten. Die Anklage wies nach, daß das „gemeinsame Aufziehen des Nachwuchses“ für Muehl auch im sexuellen Missbrauch sowie der Vergewaltigung von Kindern und Jugendlichen bestanden hatte. Außerdem sollen Drogen an Jugendliche weitergegeben worden sein.

Kritiker der „Abgezweigelt“-Aktion behaupten, es werfe ein bezeichnendes Licht auf die gesellschaftlichen Zustände in Österreich, daß sich ausgerechnet das „Institut ohne direkte Eigenschaften“ berufen fühle, den Önologiemoralisten zu geben. (ME)

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