Die Gelbwesten, ein unfähiger Präsident und die französische Generalität – bald ein „Soldat“ als Staatsoberhaupt?

Niki Vogt

General Pierre de Villiers

Präsident Macrons Macht schwindet täglich. Erst spielte er den Unbeugsamen und verärgerte das Volk mit patzig-hochnäsigen Bemerkungen. Es folgten mehrfache Steuererhöhungen, Proteste dagegen, dann machte er einen Rückzug, kurz drauf drohte er sogar den Gelbwesten – die sich jedoch nicht einschüchtern ließen – daraufhin zog er seine Steuerpläne komplett zurück, während er die Polizei rücksichtslos gegen die Protestierer knüppeln und gepanzerte Fahrzeuge auffahren ließ – um dann in Schweigen zu versinken. Führungsstärke und echte Autorität sehen anders aus. Problemlösungen oder auch nur eine Idee dazu – Fehlanzeige.

Der Chef ist der Repräsentant der Gruppe, er verkörpert sie, seine erste Qualität ist die Autorität, die auf dem Verständnis beruht, dass man nichts ist, ohne die anderen.“, sagt General a.D. Pierre de Villiers.

Der General außer Dienst ist für die meisten Gelbwesten eine Identifikationsfigur. Er hat kluge Bücher über Autorität und das Dienen geschrieben und über die Frage „Was ist ein Chef?“. Die Bücher waren ein Erfolg. Mehrere Sprecher der Gilets Jaunes, die auf den Straßen lautstark den Präsidenten Emmanuel Macron zum Rücktritt zwingen wollen, wünschen sich de Villiers als politischen Führer. Seine klaren, intelligenten Ansichten und aufrechten Prinzipien hat er gelebt. Er diente Frankreich, seinem Vaterland mit jeder Faser. Für ihn sind Parteien nur unterschiedliche Teile und Ansichten seines Volkes.

Christophe Chalençon, einer der Anführer und Sprecher der Gelbwesten auf dem Lande, dem Département Vaucluse in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur, brachte es auf den Punkt: „Ich sähe General de Villiers gerne an der Spitze der Regierung, er hat ganz Frankreich gedient, von links bis rechts“.

Das entbehrt einerseits nicht einer gewissen, historischen Komik. Die berühmte, französische Revolution richtete sich gegen Adel und Königtum, lehnte Autorität ab und wollte Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Die möglicherweise kommende, zweite Revolution, will ihren gewählten, republikanischen Präsidenten schassen und ruft nach einem adeligen, autoritären Militär.

Andererseits ist der Ruf nach General a. D. de Villiers auch ein Armutszeugnis für die politische Riege der Republik. Sie hat abgewirtschaftet, ist weit entfernt vom Volk und hat den Platz eingenommen, den der Adel vor der Revolution innehatte: Führungsschwach, ausbeuterisch, abgehoben vom Volk, ungerecht und arrogant. Das ist auch kein Wunder, denn es ist immer dieselbe Sorte Menschen, die sich nach einer Weile in den Etagen der Macht einrichtet, eine Kaste für sich bildet und das Volk und das Land als ihren Besitz betrachtet und dementsprechend behandelt.

Die Bewegung der Gelbwesten ist für den ehemaligen General das sichtbare Zeichen des tiefen Misstrauens des Volkes gegen seine politische Führung. Das Volk will echte, dienende, fähige Führer mit einer wahrhaften Autorität und Kompetenz im Dienste aller. Nur eine neue Art politischer Führer könne das überwinden, sagt General de Villiers.

Die Selbstsicht, Diener ihres Staates zu sein, scheint in den Führungskreisen der französischen Armee noch tief verwurzelt zu sein, was sie naturgemäß in die Gegenposition zu einer globalistischen Politikerkaste mit einem selbstverliebten, prunksüchtigen, eitlen Wunderbubi aus Rothschild-Investmentbankerkreisen an der Spitze. Die Ablehnung der EU ist daher den führenden Militärs in die DNA geschrieben. So sagt auch Pierre de Villiers glasklar: „Es gibt keine europäische Souveränität, sondern nur eine nationale“.

Wer das weiß, den wundert es auch überhaupt nicht, dass viele Mitglieder der Generalität und Admiralität der französischen Armee unter der Führung des Generals Antoine Martinez einen Brandbrief gegen den Migrationspakt (im Französischen: „Pacte de Marrakech sur les Migrations“) an den Präsidenten Emmanuel Macron gerichtet hat. Höflich im Ton, hart in der Sache und mit einer Drohung, die mit keinem Wort ausgesprochen wird, nicht einmal erwähnt, aber sonnenklar zutage tritt: Die Generalität bedeutet mit diesem Brief dem Präsidenten, dass sie nicht auf seiner Seite stehen wird, wenn das französische Volk um seine Freiheit und seine Existenz kämpft.

Hier die deutsche Übersetzung des Briefes, der im französischen Original hier zu lesen ist:

„MARRAKESCHER PAKT ZUR MIGRATION

(Schreiben an den Präsidenten der Republik auf Initiative von General Martinez)

COMMUNIQUE

General Antoine Martinez bittet uns, dieses Schreiben an den Präsidenten der Republik zu veröffentlichen und ihn aufzufordern, auf die Unterzeichnung des Globalen Pakts zur Migration zu verzichten, der von einem ehemaligen Minister und einem Dutzend Generälen und Admiralen unterzeichnet wurde.

Paris, 07. Dezember 2018

Mr. President,

Am 10. und 11. Dezember unterzeichnen Sie den „Global Compact on Safe, Orderly and Regular Migration“, der ein echtes Recht auf Migration begründet. Sie kann unseren nationalen Rechtsvorschriften durch bereits bestehende Verträge oder den in diesem Pakt festgelegten Grundsatz der gemeinsamen Verantwortung auferlegt werden.

Unserer Meinung nach wird die einzige Souveränität Frankreichs darin bestehen, frei zu bestimmen, wie die Ziele des Pakts umgesetzt werden sollen. Man kann diesen neuen Aspekt der nationalen Souveränität nicht ohne eine öffentliche Debatte aufgeben, wenn 80 % der französischen Bevölkerung der Ansicht sind, dass die Einwanderung gestoppt oder drastisch geregelt werden muss. Wenn Sie sich allein entscheiden, diesen Pakt zu unterzeichnen, würden Sie dem Zorn eines bereits missbrauchten Volkes einen weiteren Grund für eine Revolte hinzufügen. Du wärst schuldig an einer Verleugnung der Demokratie oder sogar am Verrat an der Nation.

Darüber hinaus sind die Finanzen unseres Landes bankrott und unsere Schulden steigen. Sie können daher nicht das Risiko eines teuren Migrationsflugverkehrs eingehen, ohne vorher zu beweisen, dass Sie nicht mehr Steuern erheben müssen, um die Ziele des Pakts zu erreichen. Andererseits müssen Sie in Bezug auf die Sicherheit in der Lage sein, die Folgen der Ankunft außereuropäischer Bevölkerungsgruppen zu begrenzen. Schließlich kann man nicht ignorieren, dass das Wesen der Politik darin besteht, Sicherheit nach außen und Harmonie nach innen zu gewährleisten. Diese Übereinstimmung kann jedoch nur erreicht werden, wenn eine gewisse innere Kohärenz der Gesellschaft erhalten bleibt, die die Zusammenarbeit ermöglicht, die heute immer schwieriger wird.

Der französische Staat erkennt nämlich etwas später, dass es unmöglich ist, zu viele Bevölkerungsgruppen mit einer völlig anderen Kultur zu integrieren, die sich in den letzten vierzig Jahren in Gebieten gesammelt haben, die nicht mehr den Gesetzen der Republik unterliegen.

Sie können sich nicht allein entscheiden, unsere zivilisatorischen Wahrzeichen zu löschen und uns unsere geschichtliche Heimat zu entziehen.

Wir bitten Sie daher, die Unterzeichnung dieses Pakts zu verschieben und das französische Volk aufzufordern, per Referendum über dieses Dokument abzustimmen. Sie sind den Franzosen gegenüber für Ihre Taten verantwortlich. Ihre Wahl stellt keinen Blankoscheck dar.

Wir unterstützen die Initiative von General Martinez gegen die Unterzeichnung dieses Pakts, der von den UN-Mitgliedstaaten auf der Regierungskonferenz von Marrakesch angenommen werden soll.

Général Antoine MARTINEZ

Charles MILLON – Ancien Ministre de la Défense

Général Marc BERTUCCHI

Général Philippe CHATENOUD

Général André COUSTOU

Général Roland DUBOIS

Général Daniel GROSMAIRE

Général Christian HOUDET

Général Michel ISSAVERDENS

Amiral Patrick MARTIN

Général Christian PIQUEMAL

Général Daniel SCHAEFFER

Général Didier TAUZIN

Colonel Jean Louis CHANAS“

 

 

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