Boris Palmer: Die grüne Frau Pop ist platt

Max Erdinger

Boris Palmer - Foto: Imago
Boris Palmer - Foto: Imago

Der grüne Tübinger Bürgermeister Boris Palmer wird von gleichfarbigen Kollegen aus Berlin heftig kritisiert, weil er sich in einem Interview zu der despektierlichen Aussage verstiegen hatte, es gebe viel Kriminalität in der bunten und einfältigen Hauptstadt, viel Drogenhandel und viel Armut auch. Außerdem funktioniere die Stadt nicht. Diese Tatsachen seien den meisten Berlinern bekannt, schrieb nun Harald Martenstein im Tagesspiegel. Wer in Berlin lebe, der finde tausend Gründe, die Stadt zu mögen. Die Problemlösungskompetenz der Regierung sei allerdings keiner davon. Palmer habe nur die Wahrheit gesagt. Die wohlwollende Medienkritik.

Palmers Parteifreundin, die Wirtschaftssenatorin Ramona Pop jedoch, so Martenstein, habe auf Palmers treffliche Zustandsbeschreibung schnippisch geantwortet, als sei sie eine verzogene Großstadtgöre: „Wenn du Metropole, Vielfalt, Tempo und Lebenslust nicht erträgst, kannst du anderswo die Kehrwoche zelebrieren und dich als Hilfssheriff blamieren.“

Für derlei aggressiven Jargon aber hatte Boris Palmer nichts übrig. Auch dachte er nicht daran, sich auf Berliner Popniveau herabzulassen. So fasste er den weisen Entschluß, die verzogene Parteifreundin Ramona durch die Benennung von Fakten als naseweises Dummerchen dastehen zu lassen. Palmer erwiderte, in Berlin habe man die Ansiedlung des Google-Campus erfolgreich verhindert, 500 gut bezahlte Arbeitsplätze seien dadurch flöten gegangen. In Tübingen hingegen, wo seinereiner das Sagen hat, habe man das Zentrum der deutschen Forschung zur Künstlichen Intelligenz angesiedelt und 3500 Arbeitsplätze gewonnen. Die Gewerbesteuer-Einnahmen hätten sich verdreifacht, Schulden seien Vergangenheit, jedes Kind habe einen Kita-Platz und beim Klimaschutz liege die Stadt vorn. Die neuen Einnahmen kämen dem Bau von bezahlbarem Wohnraum zugute. Wer Armut bekämpfen wolle, der brauche Geld. „Nur Reiche können sich eine arme Stadt leisten“, soll Palmer seiner schnippischen Parteifreundin dick aufs Brot gestrichen haben.
Die schwieg nun betreten, als ob sie eine vorlaute Göre gewesen sei, kniff schamhaft die bebenden Lippen zusammen und griff haltsuchend nach ihrem Taschentuch.  In Tübingen gab es nach Informationen aus für gewöhnlich schlecht informierten Kreisen bereits Überlegungen, den Rathausplatz in Ramonapoplatz umzubenennen zum ewigen Angedenken an des Bürgermeisters glorreichen Sieg zu Berlin anno 2018.
Die Affäre zeige, wie sehr der Senat im Saft seiner Milieus schmore, schreibt Harald Martenstein. Sogar Sawsan Chebli von der SPD habe Palmer eine „gefährliche Sucht nach Aufmerksamkeit“ vorgeworfen. Dabei sei doch die hübsche Nahöstliche selber für alles Mögliche bekannt, aber nicht gerade für Unauffälligkeit.
Auf seiner Facebookseite hat Palmer zahlreiche Glückwunschmails von Berlinern gepostet. Er wurde sogar aufgefordert, in der bunten Hauptstadt der Einfalt als kluger Bürgermeister zu kandidieren. Wenn es erst einmal so weit käme, würde Frau Ramona Pop bald Platz machen müssen. Es geht eben nichts über einen vernünftigen jungen Mann, selbst wenn er Grüner ist. Das wissen auch die Berliner – und Harald Martenstein hat das fein bemerkt.

 

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