Linker Jugendwiderstand: Die Verklopper der Bekloppten

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Taktikka im Song "Rot wie Blut" - Foto: Screenshot Youtube

Der Internationalsozialismus ist hinsichtlich des Weltfriedens bekanntlich das genaue Gegenteil dessen, was der Nationalsozialismus gewesen ist. So sagt man. Der Weltfrieden und die Solidarität der proletarischen Völker machen es daher notwendig, daß sich die Linken untereinander die Fresse polieren. Die Rede ist vom „Jugendwiderstand„, einer Art kommunistischer Religionspolizei, die in Berlin-Neukölln dem glaubensschwachen Zivilreligiösen auf die Sprünge hilft. Die jungen Maoisten sind äußerst gewaltaffin und verprügeln am liebsten andere Linke. Ihr Wortführer ist ein Kreuzberger Kindergärtner.  Wie´s wohl kommt?

Ein unpassendes T-Shirt, die verkehrte Zeitung in der Hand, eine politische Meinung, die sie nicht teilen – schon knallt es. Angegriffen wird, wer in ihrer Gegenwart den chinesischen Massenmörder und Staatsgründer Mao Zedong auch nur milde tadelt. Sich öffentlich zum Existenzrecht Israels zu bekennen, birgt ebenfalls gesundheitliche Risiken. Am 1. Mai stürmte der „Jugendwiderstand“ den feministischen Block und entriss Teilnehmern ein Transparent mit dem Slogan: „Den antisemitischen Konsens brechen! Jugend gegen Antisemitismus und Rassismus!“ Solche Forderungen seien nichts weiter, als Teil einer schmutzigen Kampagne, so die nachgereichte Erklärung der jugendlichen Widerständler.

Der „Jugendwiderstand“ ist derzeit eine äußerst groteske Strömung unter Berlins politischen Linken. Die aggressivste ist sie außerdem. Ihre Mitglieder erklären den Bezirk Neukölln zu ihrem, verkloppen Glaubensabtrünnige aber auch in Kreuzberg, Mitte und Wedding. Am heftigsten trifft der Zorn der Gerechten andere Linke. Kein Wunder, daß der Verfassungsschutz die schrägen Vögel als gewaltbereit und antisemitisch einstuft, und daß der Staatsschutz beim LKA ermittelt. Die Angriffe des „Jugendwiderstands“ gehen derweil weiter.

Über die vergangenen Monate sind Mitglieder von Gruppen und Parteien wie Die Linke, Grüne und SPD attackiert worden, auch Kommunisten, die nicht auf einer Linie mit dem „Jugendwiderstand“ standen. Eines ihrer Opfer, ein Mann, der nachts auf einer Neuköllner Straße von ihnen zusammengeschlagen wurde, sagte aus,  die Angriffe der Jungmaoisten seien von denen Rechtsextremer kaum zu unterscheiden. Offen darüber reden will aber kaum einer der Verkloppten. Zu groß ist die Angst vor der Rache.

Den Jugendwiderstand gibt es seit Frühjahr 2015. Seitdem wächst er stetig und agiert zunehmend brutaler. Man munkelt, er sei straff organisiert. Von den Aktivisten sind zwar Gesichter bekannt, aber keine Namen. Die Gruppe gilt in Neukölln als „Gespenst“.

Ihr rotes Logo sprüht sie an Häuserfassaden.  Ein großes J, ein großes W daneben, komplettiert durch Hammer und Sichel.  „Tod dem Imperialismus“ oder „Die BRD ist nicht unser Staat“, lauten Maos längere Forderungen und Feststellungen. Der Richardkiez wurde flächendeckend mit solcherlei Markierungen auf chinesischen Vordermann gebracht. Die Botschaft ist deutlich:  Hier haben wir die Kontrolle.

Der Sozialstaat schweigt

Jugend- und Sozialarbeiter aus dem Kiez äußern sich nicht zum „Jugendwiderstand“. Im Netz gibt es Bilder, auf denen die Gruppe vermummt und mit gereckten Fäusten vor einem Spielplatz abgelichtet ist. Der liegt an der Ecke Braunschweiger Straße, Schudomastraße.

Freudig Auskunft über sich erteilt die Gruppe im Internet. Dort beschreibt sie sich als „antiimperialistische und revolutionäre Jugendorganisation unter proletarischer Führung“, und brüstet sich, „die Organisation“ zu sein, die „den Maoismus in Deutschland wieder zu den Volksmassen trägt“. Träger Widerstand sieht jedoch träger aus. Solidarisch applaudieren sie den gewalttätigen Kämpfen der Maoisten auf den Philippinen und in Indien und verkünden, daß auch in Deutschland ein „Volkskrieg“ nötig sei, um das System zu stürzen. O-Ton „Jugendwiderstand“:  „Wir müssen der militanten Arbeit der Kommunisten weltweit in den Städten besondere Aufmerksamkeit widmen, die Geschichte der Stadtguerillabewegung in Europa konkret analysieren und von ihrem Erfahrungsschatz lernen.“ Jedes ihrer Mitglieder gehöre der Arbeiterklasse an. Anders als die meisten anderen linken Gruppen in Deutschland hätten viele der jugndlichen Widerständigen einen Migrationshintergrund.

Der oberste Schmähredner des Jugendwiderstands nennt sich „Taktikka“ und ist zugleich rappender Kindergärtner. Dem Vernehmen nach soll er sehr freundlich zu den Kleinen sein. Auf Youtube hat er seine Songs hochgeladen. Sie heißen „Rot wie Blut“ oder „Kämpfen oder fallen“. „Voll sein und lallen“ heißt keiner. Taktikka trägt rötliche Haare kurz, die Seiten sind abrasiert, er ist ein Muskelprotz und hat sich ein Sturmgewehr auf den linken Oberarm tätowiert. Wie alle seine Mitmaoisten im Ungeiste treibt er Kampfsport. „Taktikka“ nennt Muay-Thai, Kickboxen und Mixed Martial Arts. Vollkontakt-Karate sei „für Straßenauseinandersetzungen natürlich gut“.

Zur Beschimpfung ihrer Gegner verwenden sie Vokabular, das in der linken Szene eher unüblich ist: Frauen gelten wahlweise als „Schlampen“ oder „Trotzkistenfotzen“, Männer als „Hurensöhne“ und „schwanzlose Missgeburten“. Beliebt sind Witze über Behinderte. Vom Auftreten der Gruppe sind auch Ermittler verwirrt. Zwei Dutzend Mitglieder des Jugendwiderstands standen im August unvermummt einer Gruppe Polizisten gegenüber. Die rätselten, wen sie da vor sich hatten. Für Linke erschienen die jungen Männer zu muskulös und martialisch. Am Ende einigten sich die Beamten darauf, daß es sich um Fußball-Hooligans handelt.

Anhänger des Jugendwiderstands mögen auch keine Zugezogenen, da die ihren Kiez zerstören, wie es heißt. Touristen in Neuköllner Kneipen werden bedroht. Besonders herausstechend ist aber der Hass des „Jugendwiderstands“auf Israel – und auf Linke, die den jüdischen Staat in Wort und Schrift schützen. Als in Neukölln jemand mit Davidstern auf seiner Jutetasche über die Straße ging, drohten sie ihm Schläge an. Mit einem solchen „Schwuchtelbeutel“ brauche er sich in Neukölln nicht mehr blicken zu lassen.

Der „Jugendwiderstand“ lief beim jährlichen Al-Quds-Marsch mit. Als Demonstranten im vorigen Dezember auf dem Pariser Platz Israelflaggen verbrannten,waren sie dabei – und verspotteten hernach das „große Geheule wegen ein paar brennenden Scheißfahnen“. Außerdem applaudierten sie dem jungen Syrer, der im Frühjahr in Prenzlauer Berg einen Kippaträger mit seiner Gürtelschnalle traktierte. Taktikka nannte ihn „einen von uns“. Einer der Brutalo-Maoisten ließ sich vernehmen wie folgt: Schlagen reicht nicht, alle Israelfans gehören erschossen. Das erklärt auch ihr Graffito „9 mm für Zionisten“.

Zwar beobachtet der Berliner Verfassungsschutz den „Jugendwiderstand“ seit etlichen Jahren, hatte sich aber dennoch entschieden, die Gruppe in seinen Berichten zu verschweigen. Man habe sie nicht sinnlos aufwerten wollen, hieß es dort. Eine Erwähnung hätte den „Jugendwiderstand“ sicherlich mit Stolz erfüllt und in seinem Tun bestärkt. Diese feinsinnige Strategie hat der Verfassungsschutz inzwischen geändert: Im jüngsten Bericht ist dem „Jugendwiderstand“ eine Doppelseite gewidmet.

Auch das Bezirksamt Neukölln ist alarmiert. Den CDU-Politiker Falko Liecke, Jugendstadtrat und stellvertretender Bürgermeister des Bezirks, haben die Jungmaos auf dem Kieker. Weil die Gruppe online gegen Israel hetzte, bemühte sich der Offizielle, die Facebook-Seite der maoistischen Brutalos sperren zu lassen. Daraufhin wurde ihm gedroht: „Liecke, du halber Jude, die einzige Seite, die gemeldet wird, ist deine.“ Ein anderer Chinakundiger teilte ihm mit, in Neukölln werde es bald 9000 Judenhasser geben, und dann könne Liecke sowieso einpacken.

Argwöhnische in der linken Szene Berlins vermuten, daß es sich beim „Jugendwiderstand“ mitnichten um maoistische Proletarier handelt, sondern um Brandenburger Gymnasiasten aus dem Speckgürtel Berlins.

Schulterschluß von Rot- und Braunlinks

Zumindest eines der Mitglieder der Gruppe ist früher in der NPD aktiv gewesen. Der heutige Jungmaoist hatte sich in der Öffentlichkeit mit lokalen Parteigrößen gezeigt, an Wahlkampfständen geholfen und in Hellersdorf gegen eine Flüchtlingsunterkunft demonstriert – und zwar unter dem Motto „Asylflut stoppen!“

Wie wenig Distanz der maoistische „Jugendwiderstand“ zu Braunlinksextremen hat, zeigte eine Unterhaltung seiner Mitglieder bei Facebook. Dort pries Kindergärtner Patrick alias Taktikka den berüchtigten jungen Braunlinken Lasse R. aus Braunschweig über den grünen Klee. Der Kampfsportler gilt als einer derjenigen, die bei den Protesten in Chemnitz angeblich Passanten und Gegendemonstranten einschüchterten und mit Gewalt drohten. Taktikka nannte Lasse R.  „sympathisch“ und schlug vor, er solle sich dem „Jugendwiderstand“ anschließen. Zwar nerve dessen „Hitlergedöns“, aber R. habe  „Kampfgeist“ bewiesen und sei ideologisch entwicklungsfähig.

Die schwindende Distanz zwischen Braun – und Rotlinksextremisten war zuletzt auch in Paris zu bestaunen. Einträchtig liefen die früheren Intimfeinde als gewalttätiger, extremistischer Gesamtrand bei den Demonstrationen der Gelbwesten mit und diskreditierten mit ihren Brandschatzungen und Plünderungen die ganze Gelbwestenbewegung. (ME)

 

 

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