CDU-Parteitag stimmt gegen Verbot von Wolfsgruß türkischer Nationalisten

Max Erdinger

CDU: Wolfsgruß in Ordnung - Foto: Collage

Beim CDU-Parteitag in Hamburg stimmten die Delegierten gegen ein Verbot des türkischen Wolfsgrußes. Der Wolfsgruß ist ein Handzeichen, das türkische Nationalisten verwenden.  Der türkische Präsident zeigte es bei seinem letzten Deutschlandbesuch durch das Autofenster hindurch. Zu sehen war eine Hand, Daumen, Mittel- und Ringfinger pointiert zusammengeführt. Zeigefinger und kleiner Finger abgespreizt. Kopf mit Wolfsohren.

Die Grauen Wölfe begegnen sich mit dem Wolfsgruß. Sie gelten in Deutschland als türkische Rechtsextremisten. Das haben sie gemeinsam mit Partei der Nationalistischen Bewegung oder der Partei der Großen Einheit. Alle miteinander werden für zahlreiche Gewalttaten und Morde in den Siebziger Jahren verantwortlich gemacht. Gräßliche Leute also.

Aber beruhigen wir uns. Der heldenhafte teutonische Kampf gegen rechts wird nämlich in seinem ganzen Siegesreichtum zuverlässig gegen genau solche gräßlichen Leute geführt. Wenn sie außer gräßlich auch noch deutsch sind. Bei gräßlichen Türken sieht das ein bißchen anders aus. Aus irgendeinem unerklärlichen Grund sind die anscheinend nicht so gräßlich.

Zu diesem Schluß muß man kommen, wenn man unterstellt, daß auf dem CDU-Parteitag per Abstimmung eine sachgerechte Entscheidung gefallen ist. Daß es auf dem CDU-Parteitag jedoch überhaupt zu irgendeiner klugen Entscheidung per Abstimmung gekommen sei, bezweifeln Viele. Ausgenommen sind die Entscheidungen derjenigen Delegierten, die nach der Wahl von AKK zur neuen Parteivorsitzenden ihren Parteiaustritt erklärten.

Aber ist das wirklich so? Hätte es tatsächlich Sinn gehabt, ein Verbot des Wolfsgrußes durchsetzen zu wollen?

Gesten

Freilich kann man die Stirn runzeln darüber, daß das Zeigen verfassungswidriger Kennzeichen – und um ein solches dürfte es sich beim Wolfsgruß handeln, wenn er in Deutschland gezeigt wird – , so nachsichtig bewertet wurde auf dem CDU-Parteitag. Der innenpolitische Doppeldenk springt einen förmlich an. Ein nach rechts oben gereckter Arm mit flach ausgestreckter Hand – und die Fotojournalisten prügeln sich um die beste Knipsposition. Die Empörung ist grenzenlos. Sämtliche Untoten der Nazifriedhöfe geistern durchs Land.

Nazi ist, was wie Nazi aussieht. Daß es neuerdings auch nach Türke oder Mao aussehen könnte, wird erst einmal unwillig als Störfaktor der eigenen Gewißheiten zur Seite geschoben. Ein schöner Beleg dafür ist das ideologisch reinigende Wirken des „Jugendwiderstands“ in Berlin-Neukölln. Lauter junge „Horst Mahler“, so rotlinks, wie sie braunlinks sind. Was sind das also genau für welche? Die Berliner Polizei einigte sich um des lieben Friedens Willen auf „Fußballfans“.

Albern

Es ist einfach albern, irgendwelche Handzeichen zu verbieten. Davon geht keine verfassungsfeindliche Gesinnung weg. Wahr ist aber, daß es immer gut ist, wenn man weiß, woran man ist. Wenn man das deutlich sehen kann, umso besser. Insofern war die Abstimmung zum Wolfsgruß auf dem CDU-Parteitag in der Sache – und nur in der – richtig. Daß diejenigen, die gegen das Verbot stimmten, insgesamt völlig daneben liegen, ändert daran nichts. Die Abstimmung über ein Verbot des Wolfsgrußes hätte eine sein müssen, bei der es um Handzeichen jedweder Art geht, auch um den sogenannten Stinkefinger. Obendrein Antrag auf Ergänzung des Grundgesetzes: Es gibt kein Recht darauf, nicht per Handzeichen beleidigt zu werden.

Alarmierend

Es ist nicht die Ungleichbehandlung weitestgehend identischer Sachverhalte auf dem CDU-Parteitag, die einen bei der Wolfsgruß-Frage elektrisieren muß. Alarmierend ist die bücklingshafte Haltung türkischen Nationalisten gegenüber, ganz offensichtlich, weil sie eben Türken sind. Das Abstimmungsergebnis gegen ein Verbot des Wolfsgrußes ist sozusagen eine Ergebenheitsadresse auf Kosten der eigenen Glaubwürdigkeit in Sachen „Kampf gegen rechts“. So vom eigenen Gutsein besoffen kann selbst in der CDU niemand sein, als daß er nicht wissen müsste, wie sehr dieses Abstimmungsergebnis die Glaubwürdigkeit der Union weiter schwächt. Mit dem Veto gegen ein Verbot des Wolfsgrußes hat die CDU ganz klar signalisiert, was die regierungsamtliche Unterstützung des „Kampfes gegen rechts“ ist: Einschüchterung des politischen Gegners.

Türkische Nationalisten sind nicht der herausragende innenpolitische Gegner. Deswegen kann man sie auch ohne größere Probleme verfassungswidrige Kennzeichen herzeigen lassen, „Kampf gegen rechts“ hin oder her. Oder wie die Kanzlerin nach dem niedergeschlagenen, wahrscheinlich inszenierten Putsch in der Türkei singemäß zu formulieren beliebte: Erdogan mit dem Wolfsgruß hat die Demokratie in der Türkei gerettet.

 

 

 

 

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