Boris Palmer liest Parteigenossin Pop die Leviten

Grüner Knatsch (Pop: Bild: Hoffotografen/ Palmer:  Bild: Manfred Grohe)
Grüner Knatsch (Pop: Bild: Hoffotografen/ Palmer:  Bild: Manfred Grohe)
Boris Palmers grüne Genossin, die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop, kam mit der Berlin-Kritik des Tübinger OBs überhaupt nicht klar. Nach Pops beleidigendem grünen Gezwitscher hat Palmer nun den Fedehandschuh aufgenommen und pariert auf Facebook in einem offenen Brief auf die herablassende Kritik.

Beleidigt zwitscherte Ramona Pop, aktuell die grüne Wirtschaftssenatorin in Berlin mimend, auf Palmers Generalkritik an der heruntergekommenen Hauptstadt: „Lieber Boris Palmer, niemand zwingt Dich, nach Berlin zu kommen. Wenn du Metropole, Vielfalt, Tempo und Lebenslust nicht erträgst, kannst du woanders die Kehrwoche zelebrieren und dich als Hilfssheriff blamieren“.

In einem bei Facebook veröffentlichten Brief schreibt Palmer jetzt:

„Liebe Ramona Pop,

Wir kennen uns jetzt mehr als 20 Jahre. Es hat mich sehr erstaunt, wie herablassend du auf meine Kritik an den Zuständen in deiner Stadt reagiert hast.

„Wenn du Metropole, Vielfalt, Tempo und Lebenslust nicht erträgst, kannst du woanders die Kehrwoche zelebrieren und dich als Hilfssherif blamieren.“

Da stecken viele Missverständnisse drin. Metropolen, Vielfalt, Tempo und Lebenslust finde ich alles super. Aber wo steht bitte, dass das mit kaputten Schulen, Chaos im Nahverkehr, Kriminalität auf der Straße, Clanherrschaft und einem völlig überforderten öffentlichen Dienst erkauft werden muss? Kann man nicht das eine wollen und auf das andere verzichten?

Der Hinweis auf Kehrwoche und Hilfssherif ist der gleiche Irrtum. Die meisten Menschen akzeptieren die Nachteile des Staates nur, weil er ihnen Sicherheit und Ordnung bietet. Wer dieses Bedürfnis nicht ernst nimmt, sondern sich darüber lustig macht, zeigt leider nur, warum es nicht besser werden kann. Wie soll es das, wenn die Probleme nicht mal angepackt werden, sondern man diejenigen verlacht, die sie im Griff haben und anpacken?

Du bist Senatorin für Wirtschaft. Google wollte in deiner Stadt einen Innovationscampus mit 500 Arbeitsplätzen errichten. Jetzt sollen stattdessen Non-Profit-Unternehmen kommen. Du hast das begrüßt. Weißt du was? Das verstehe ich Spießer ich auch nicht.

In Kreuzberg verhindert ihr Startup-Kultur und Millionen-Investitionen von Google, während Berlin gleichzeitig die einzige Hauptstadt ist, die ihr jeweiliges Land wirtschaftlich runterzieht? Und das mit dem Argument, ihr wollt der Gentrifizierung von Kreuzberg entgegenwirken, indem ihr verhindert, dass da zu viele gute bezahlte Arbeitsplätze entstehen? Und wer soll das bezahlen? Klar, wir Spießer in Baden-Württemberg über den Finanzausgleich.

Und glaube bitte nicht, dass ich kein Kreuzberg in Tübingen hätte. Wir haben hier mit der Cyber Valley Initiative in Tübingen das Zentrum der Deutschen KI-Forschung entwickelt. Dagegen gibt es Proteste von genau den Leuten, die Google nicht in Kreuzberg haben wollen. Und sie argumentieren auch gleich: 3500 gut bezahlte Arbeitsplätze wollen sie nicht in Tübingen haben, weil das ihrer Meinung nach dazu führt, dass niemand sich mehr eine Wohnung leisten kann. Dabei ist es umgekehrt, bezahlbaren Wohnraum kann sich eine Stadt wie Tübingen nur leisten, wenn es ihr wirtschaftlichlich geht. Nur Reiche können sich eine arme Stadt leisten. Arme brauchen die Stadt dringend.

Und das ist der Unterschied zwischen uns beiden. Ich stehe in so einer Situation hin und sage, was notwendig ist. Wir werden Amazon nicht aus Tübingen vertreiben, sondern hier als wichtigen Teil der wirtschaftlichen Entwicklung und der KI-Forschung ansiedeln. Ich kämpfe dafür auch gegen Widerstände. Mit dieser Haltung hat Tübingen in den 12 Jahren meiner Amtszeit eine Verdreifachung seiner Gewerbesteuer erzielt und 25% mehr Arbeitsplätze geschaffen. Und nein, Tübingen war nicht immer wohlhabend. Vor 15 Jahren drohte uns der Staatskommissar wegen negativer Zuführungsraten und über Jahrzehnte war Tübingen vollkommen abhängig vom Finanzausgleich der Kommunen in Baden-Württemberg. Heute sind wir schuldenfrei, haben die bestausgebaute Kinderbetreuung Deutschlands, hervorragende Schulen und sind mit einer Reduktion des CO2-Ausstoß von 32% führend im Klimaschutz.

Falls dich interessiert, wie man solche Erfolge erreicht, bist du herzlich eingeladen, dir Tübingen und meine Arbeit anzuschauen.“

Pop hat bislang noch nicht zurück gemeckert. Vielleicht übernimmt das für sie die rote Genossin Sawsan Chebli. Die „Bevollmächtigten des Landes Berlin beim Bund und Beauftragte für Bürgerschaftliches Engagement“ hatte ja bereits ihrem krankhaften TwitterAufmerksamkeits-Syndrom am Dienstag nachgegeben und gegen Palmer geschnattert (Jouwatch berichtete) (SB)

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