Berlin – Hauptstadt der muslimischen Zwangsehen

Foto:Von sasha2109/shutterstock
Foto:Von sasha2109/shutterstock

Offiziell wurden im vergangenen Jahr in Berlin 570 Fälle vollzogener oder geplanter Zwangsehen bekannt, fast 20 Prozent mehr als vier Jahre zuvor. Doch die geschätzte Dunkelziffer liege mindestens um ein 10-faches höher, weiß die Leiterin von Papatya, einer anonymen Kriseneinrichtung für Mädchen und junge Frauen in der Hauptstadt.

Allein im vergangenen Jahr sollen rund 6000 Mädchen und junge Frauen gegen ihren Willen verheiratet oder dazu genötigt worden sein – pro Tag treffe es im Schnitt mehr als 15  junge Mädchen, so Eva Kaiser, Leiterin der Einrichtung Papatya, die in ihrem 32-jährigen Bestehen schon fast 2000 Opfer vor ihren Familien in Sicherheit gebracht hat.

Die Herkunft der Mädchen und jungen Frauen werde bei Papatya nicht registriert, doch mindestens 90 Prozent der Fälle hätten einen muslimischen Hintergrund. Unter ihnen befinden sich inzwischen auch Mädchen aus „Flüchtlings“familien, erklärt Eva Kaiser gegenüber dem Tagesspiegel. Unter den restlichen 10 Prozent sollen sich auch Jesidinnen, Christinnen und in Einzelfällen Jüdinnen befinden. Für den Tagesspiegel Grund genug mit einem Einzelfall aus dieser Minderheitengruppe aufzuwarten. Autor Robert Kiesel schildert das Schicksal der mutmaßlichen Christin Serap (Name geändert). Mit 16 Jahren sollte die in der Türkei geborene und in Deutschland aufgewachsene Serap ihren  Cousin heiraten. Sie widersetzte sich trotz Schlägen, Tritten und Morddrohungen und lebt heute unter einem anderen Namen in einer westdeutschen Großstadt – immer in Angst vor ihrer Familie, die bis heute nach ihr sucht.

„Zwangsverheiratung existiert nie allein, sondern immer im Kontext familiärer Gewalt“, betont Eva Kaiser. Die jüngsten der meist minderjährigen Hilfesuchenden seien erst 13 Jahre alt. „Der Druck auf die Mädchen war schon immer groß und er wird nicht geringer“, weiß Eva Kaiser. Dass Mädchen allein über ihr Leben entscheiden können, sei in diesen Familien nicht vorgesehen.

Berlin wird „Flüchtlingsfreundlicher“

Vollkommen unberührt von Schicksalen, wie denen von Serap, will das „tolerante“ Berlin noch „Flüchtlingsfreundlicher“ werden. Mitte Dezember will die rot-rot-grüne Landesregierung nun ihren Plan zur Flüchtlingspolitik mit dem Namen „Gesamtkonzept zur Integration und Partizipation Geflüchteter“ vorstellen.

„Die Anwendung des Aufenthaltsrechts in Berlin erfolgt integrationsfreundlich“, erklären die Regierenden im Vorwort des Konzepts schwammig. Im Klartext: „Alle sollen bleiben. Berlin schiebt im Bundesvergleich am wenigsten ab. Die meisten Flüchtlinge dürfen auf irgendeine Art bleiben, auch wenn sie keine Chance auf Asyl haben“, so der Tagesspiegel. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern bekommen in Berlin alle Asylsuchenden sofort einen kostenlosen Sprachkurs, denn hier gilt schließlich: Abschiebung – so gut wie ausgeschlossen.

„Wenn sie neu ankommen, sind die Flüchtlinge am stärksten motiviert, etwas neu anzufangen. Das sollte man nutzen“, behauptet der Beauftragter des Senats für Integration und Migration Andreas Germershausen, der sich vor seinem Senats-Job an sozialwissenschaftlichen Forschungsinstituten in Bangkok und Berlin mit Fragen internationaler Migration und globaler Fluchtbewegungen befasst hat.

Knapp 1 Milliarde für „Flüchtlinge“ – kein warmes Plätzchen für rund 80 Obdachlose

Nun will man in Berlin dieses „erfolgreiche“ Angebot noch ausweiten. Von rund 80.000 hätten 11.000 der so sogenannte Geflüchteten den Einstieg in den Arbeitsmarkt und in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung geschafft. 8039 Schülerinnen und Schüler wechselten aus „Willkommensklassen“ an öffentlichen Schulen in Regelklassen oder Anschlussangebote. Insgesamt veranschlagte das Land Berlin in diesem Jahr fast 1 Milliarde Euro für „seine Flüchtlinge“, geht es um das Winterquartier von rund 100 Obdachlosen, wird es in der Hauptstadt kompliziert:

Seit September streitet sich der Senat mit den öffentlichen Verkehrsbetrieben um die Unterbringung der Wohnungslosen auf Berliner Bahnhöfen. Es geht u.a.um die Bereitstellung von Dixie-Klos und Brandschutz. Trotz Sicherheitsbedenken fordert die Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke), die BVG müsse als Landesbetrieb ihre soziale Verantwortung für die Stadt wahrnehmen. „Wir sehen die BVG aber in der Pflicht“, erklärt die Linken-Politikerin und schiebt den Schwarzen Peter ungerührt weiter. Insgesamt geht es um 80 bis 100 Personen, die im Winter lieber in den geschützten U-Bahnhöfen statt in den Einrichtungen der Kältehilfe Unterschlupf suchen – oftmals Hundebesitzer, die ihre Vierbeiner nicht mit in die Einrichtungen bringen dürfen. (MS)

 

Loading...