Südafrika: Steinmeier is somewhere over the rainbow

Nils Kröger

Foto: Screenshot/Youtube

Immer wenn der Bundespräsident etwas zum Besten gibt, ist „fremdschämen“ angesagt. Nach seinen „Reißern“ im Inland wie z.B. „Konzertempfehlungen“ und „deutsch-türkischen Kaffeetafeln“, „glänzt“ er im Ausland mit „Pippi-Langstrumpf-Logik“ (seine Genossin Nahles lässt grüßen). Im fernen Südafrika ließ Herr Steinmeier seinen Gedanken freien Lauf und deshalb sollte jeder geradezu andächtig lauschen.

 Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich begeistert über das seiner Ansicht nach friedliche Zusammenleben verschiedener Kulturen in Südafrika gezeigt. „Ich weiß, in einer Gesellschaft wie der Ihren stellt sich die Frage nach der Vielfalt noch sehr viel dringlicher. Aber mit dem Blick von außen kann ich Ihnen sagen: Das Zusammenleben in Vielfalt ist auch etwas, wofür die Welt Ihr Land bewundert“, sagte Steinmeier am Montag beim Besuch des Apartheid-Museums in Johannesburg.

 Woher bekommt dieser Mann eigentlich seine Informationen? Vermutlich vom Auswärtigen Amt; denn dort sitzt ja auch ein Genosse. Anders kann ich mir das nicht erklären. Wüsste Herr Steinmeier, welche Politik gerade in Südafrika stattfindet, dann wäre ihm klar, dass sich die Frage nach „Vielfalt“ bald nicht mehr stellen wird, sollte kein Gegensteuern einsetzen. Aber mit Fakten haben es die Genossen nicht so. Woher weiß der Mann überhaupt, wie „die Welt“ denkt bzw. was sie bewundert? Als Beispiel sei Australien genannt. Die bewundern dieses Land dermaßen, dass die Visavergabe an weiße Südafrikaner „wegen der schrecklichen Umstände, in denen sie sich befänden“ erleichtert werden soll. Auch Russland bietet den weißen Farmern Asyl an. Bei so viel Realitätsverweigerung wundert sich „die Welt“ höchstens über solche Aussagen. Herr Steinmeier ist aber noch lange nicht fertig.

 „Aus dieser Vielfalt entsteht ganz vieles, was Menschen bewegt, verbindet und letztlich Gesellschaften zusammenführt: Kultur, Musik oder Kunst, Wissenschaft und Unternehmertum, unendlich viele Ideen und Initiativen – vieles davon kann ich auf dieser Reise in Ihren Städten bewundern.“

 Ist das nicht schön. Das erinnert mich an ein Verkaufsgespräch im Reisebüro. Aber bevor ich nun überstürzt nach Südafrika aufbreche, lese ich doch einmal die Sicherheitshinweise von eben jenem SPD-geführten Auswärtigen Amt (gültig seit 12.11.2018).

 Kriminalität
Südafrika verzeichnet eine hohe Kriminalitätsrate, vor allem in den Großstädten und deren Randgebieten. Dies schließt auch Straftaten unter Anwendung von körperlicher Gewalt ein. Der überwiegende Teil der Gewaltkriminalität erfolgt in Gegenden und unter Umständen, von denen üblicherweise Reisende nicht betroffen sind. Gleichwohl ist es nicht ausgeschlossen, dass Reisende Ziel und Opfer von Diebstählen, Einbrüchen, Raub und ähnlicher Delikte werden.
Aus Sicherheitsgründen wird empfohlen, für die Dauer des Aufenthaltes in Südafrika ein Mobiltelefon mitzuführen, das im innerstädtischen Bereich nicht sichtbar getragen werden sollte. (…) Die Innenstädte von Johannesburg, Pretoria, Durban, Port Elizabeth und Kapstadt und anderer großer Städte sollten nach Geschäftsschluss und insbesondere nach Einbruch der Dunkelheit gemieden werden; an Sonn- und Feiertagen sollte man sich nur in Gruppen in den Innenstädten aufhalten. Auch ist tagsüber erhöhte Vorsicht angeraten. (…)

Aus Platzgründen verzichte ich auf den vollständigen Text. Ob Herr Steinmeier diese Art von „Unternehmertum“ meinte? Weiterhin sei bzgl. der Wissenschaft in Afrika dieses sehr informative Video empfohlen. Der Bundespräsident gibt zwar zu bedenken, dass es auch in Südafrika große gesellschaftliche Herausforderungen gäbe aber „der Traum der Regenbogennation ist ein Traum, für den es sich zu kämpfen lohnt! Ein Traum, der andere inspiriert – auch uns!“

 Was würde wohl Helmut Schmidt dazu sagen? Dass Herr Steinmeier, Angela Merkel und Co. seit September 2015 besonders hart dafür kämpfen, diesen „Traum von der Regenbogennation“ auch in Deutschland wahr werden zu lassen, ist wirklich niemanden verborgen geblieben (siehe PKS). Dann schwadroniert er noch über das Wunder der friedlichen Transformation, die sich seit Ende der Apartheid in Südafrika vollzieht. Stimmt, seit 1994 gab es ca. 70.000 Morde an überwiegend weißen Farmern. So sieht also eine „friedliche“ Transformation aus. Zum Schluss darf natürlich in Bezug auf Versöhnung, wie einstudiert, der Bezug zu einem kleinen Teil der deutschen Geschichte nicht fehlen.

 (…) „Nelson Mandela hat Vergebung geschenkt – wir Deutschen haben Vergebung empfangen. Wir haben sie empfangen von unseren Partnern in der Welt und ganz besonders von unseren europäischen Nachbarn. Die Vergebung, die wir empfangen haben, ist ein Geschenk – unsere Verantwortung bleibt es, diesem Geschenk gerecht zu werden.“

 Diese Aussagen hätten genauso von den heutigen Kirchenoberhäuptern kommen können. Aber auch hier merkt jeder, wie weltfremd mittlerweile in der deutschen Regierung gelebt wird. Denn gerade die oberlehrerhafte deutsche Politik innerhalb der EU der letzten Jahre, Stichwort Flüchtlingspolitik, vergrätzt unsere europäischen Nachbarn vollends. Dank Personen wie Herrn Steinmeier, wird sich daran auch so schnell nichts ändern.

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