Abschiebe-Irrsinn: „Ich steig nicht in den Flieger“ reicht, um erst mal hier zu bleiben

Abschiebepraxis in Deutschland (Foto: Von tratong/Shutterstock)

Die Aufregung um die misslungene Abschiebung einer schwangeren Iranerin und ihrer Familie ist groß. Die Polizei hatte die Frau aus der Uni-Klinik in Mainz geholt und zum Flieger nach Hannover transportiert. Nach der Weigerung der Familie, in das Flugzeug zu steigen, habe die Polizei die Frau in Jogginghose und Puschen einfach am Bahnhof Hannover sich selbst überlassen, so der Vorwurf.

Ein Polizeieinsatz zur – wiederholt – misslungenen Abschiebung der 29-jährigen Iranerin soll nun „ein Nachspiel“ haben. Die nächtliche Abholung aus der Mainzer Uniklinik sowie der Umgang nach dem gescheiterten Abschiebeversuch, müsse überdacht werden, meint die Landrätin des Kreises Mainz-Bingen, Dorothea Schäfer von der CDU. Das rheinland-pfälzische Integrationsministerium will nun laut n-tv das weitere Vorgehen mit der zuständigen Ausländerbehörde abstimmen und eine „tragfähige Lösung entwickeln“.

Die Familie sollte auf Grund der Dublin-Regelung nach Kroatien gebracht werden, wo sie nach ihrer Flucht aus dem Iran zuerst registriert worden war. Bereits Mitte September war ein erster Abschiebeversuch gescheitert – damals hatte sich die Familie „zur Wehr gesetzt“. Nun versuchten es die Behörden ein zweites Mal: Die 29-jährige wurde zusammen mit ihrem aus dem Abschiebegefängnis Ingelheim geholten Mann und dem eineinhalbjähriger Sohn in der Nacht vom 17. zum 18. Oktober mit zwei Polizeibussen und einem Rettungswagen von Mainz nach Hannover gefahren.

Auf dem Flughafen habe sich die Familie dann geweigert, das von der Bundespolizei in Koblenz bestellte Flugzeug gen Zagreb zu betreten, sagte der Leiter der Ausländerbehörde Mainz-Bingen, Bernd Mißkampf. Der Pilot weigerte sich daraufhin seinerseits, die Familie mitzunehmen.

Der Vater wurde wieder erneut ins Abschiebegefängnis Ingelheim gefahren. Die Iranerin und ihr Sohn wurden nach Angaben Mißkampfs von der Polizei zum Bahnhof in Hannover gebracht, mit einem Handgeld von 100 Euro ausgestattet und aufgefordert, sich selbstständig wieder in ihrer Landesunterkunft in Ingelheim zu begeben. In Jogginghose, Sweatshirt, Winterjacke und Hausschuhen, die sie laut Behördenleiter Mißfeld trug, weil sie keine festen Schuhe habe anzieht wollen, erregte sie das Mitleid eines Bahnmitarbeiters, der ihr prompt den für die Fahrkarte fehlenden Betrag von 5 Euro erließ und ihr noch Geld schenkte, damit sie sich was zu essen kaufen konnte.

Die als verantwortliche in die Kritik geratenen Landrätin Schäfer erklärte, der Fall lasse sie nicht kalt, dennoch sei die Abschiebung rechtmäßig und werde auch vollzogen werden. Nun ist ein dritter Versuch in Planung. Anfang Dezember soll erneut versucht werden, die gesamten Familie nach Kroatien zu bringen. (MS)

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