Jana Hensel in der ZEIT: Die gute Frau Merkel

Max Erdinger

Foto: jouwatch Collage
Foto: jouwatch Collage

In der „Zeit“ gibt es eine Jammerarie von Jana Hensel über das langsame politische Sterben Angela Merkels zu bestaunen. Jetzt wissen wir, wie Jana Hensel fühlt. Was sie sich dabei gedacht hat, werden wir wahrscheinlich nie erfahren.

Man müsste vermutlich frau sein, um sich zu trauen, so hemmungslos subjektivistisch wie Jana Hensel seine Gefühle für Angela Merkel auszubreiten. Exhibitionistin, der nichts peinlich ist, müsste man auch sein, wenn man frau wäre. Es ist ja nicht jede so. Man sowieso nicht.

Mit „Mein Angela-Merkel-Gefühl“ hat Jana Hensel ihre peinliche Gefühlswoge bei „Zeit“-Online überschrieben. Man ist darauf gepolt, frau ernst zu nehmen, wenn sie von ihren Gefühlen anfängt, weil man gelernt hat, daß alles andere frauenfeindlich wäre. Frauenfeind wäre aber das letzte, was man sein wollte. Es sei denn, es wäre einem egal, ob man als ein solcher bezeichnet wird. Was also hatte Frau Jana Hensel über ihr Frau Angela-Merkel-Gefühl zu berichten?

Politische Bilanzen schreiben andere, mein Abschied soll persönlich sein.

Das ist ja das Drama, seit das Private politisch geworden ist. Wer 1976 geboren wurde, so wie Jana Hensel, kennt ja gar nichts anderes mehr und weiß nicht um den Charme der öffentlichen Zurückhaltung, wenn es um persönliche Gefühle geht. Exhibitionismus und Seelenstriptease gibt es heute Online und gratis in vormals seriösen Presseerzeugnissen seriöser Herren.

Auch deshalb gebe ich gern zu, dass ich vor diesem Tag, also vor dem Tag, an dem Angela Merkel ihren Rücktritt ankündigen würde, immer ein wenig Angst hatte.

Ah, da kommt sie schon wieder angetrapst, die Nachtigall. Wir werden gleich zu lesen bekommen, wem unser Beschützerinstinkt gelten soll und warum. Ängstliche Frauen: man eilt pflichtschuldigst zu Hilfe, indem man erst einmal ernsthaftes Interesse an der Seelenpein des zarten Rehleins mimt und sich die fürchterliche Gefühslage schildern läßt, damit frau sich ernst- und angenommen fühlt. Daß man gerade einer besonders perfiden Hypnose aufgesessen sein könnte, daran denkt man lieber nicht.

Selbst wenn er in den vergangenen Wochen beharrlich näher zu kommen schien. Manchmal war diese Angst kleiner, in anderen Momenten war sie größer. Aber ohne Angela Merkel wäre dieses Land nicht zu meinem geworden, ohne sie hätte ich darin als Frau, als Ostdeutsche keinen Platz gefunden. Oder anders gesagt: mich wahrscheinlich sehr viel unsicherer gefühlt.

Na gut, wenn sie unbedingt will, dann tun wir eben so, als ob wir ihr die ängstliche kleine Jana abnehmen würden. Immerhin ist jetzt klar, warum sie nicht aufgeschrieben hat, was sie denkt. Weil es damit anscheinend nicht klappt. Das arme Hascherl hat sich nämlich gern unsicher gefühlt. Daß sie sich jemals sicher fühlen könnte, scheint ihr nicht in den Sinn gekommen zu sein. Sie hat Angst davor, daß sie sich unsicherer fühlen könnte. Das sagt ihr das Frau Angela-Merkel-Gefühl nämlich. Freilich nur, wenn uns Angst-Jana nicht angeschwindelt hat, was nämlich ganz gut möglich ist, z.B., wenn sie aus Berechnung mit ihren niedergeschriebenen Gefühlen hausieren gegangen wäre. Nutten erzählen ihren Freiern schließlich auch, daß sie die größten Stecher unter der Sonne seien. Weil sie etwas davon haben: Des Kunden Wiederkehr. Und Kleinangst-Jana will die „Zeit“-Leser schließlich nicht vergraulen. Als ostdeutsche Frau … Entschuldigung … als Ostdeutsche UND Frau ist frau ohnehin zwei Personen. Da wird es eng in einem kleinen Land wie Deutschland. Da braucht frau eine Platzreservierung für zwei, um wenigstens einen zu finden.

Aber es ist schon kar, warum die ängstliche Frau Jana aus Borna so ein tragisches Frau-Angela-Merkel-Gefühl hat. Die Bundeskanzlerin hat ihre politische Karriere im wiedervereinigten Deutschland schließlich ebenfalls deswegen gestartet, weil ein dicker Westmann erkannt hat, daß sie zwei Personen auf einmal ist: Ostdeutsche UND Frau. „Zahl´eins, nimm zwei“ ist im Kapitalismus unwiderstehlich.

Mein Deutschland-Gefühl, es ist in Wahrheit ein Angela-Merkel-Gefühl.

Logo. Das ist bei mir nicht anders. Horror ist schließlich auch ein Deutschland-Gefühl.

Ist es nicht das, was wir Heimat nennen? Ist es nicht das, wonach wir immer suchen, wonach wir uns sehnen?

Auf gar keinen Fall, spinnstetz …

Mit Patriotismus hat das nichts zu tun, für männlichen Patriotismus hat sich Angela Merkel nie geeignet.

Wofür hat sich diese ostdeutsche Undfrau überhaupt je geeignet, außer dafür, zwei Personen zu sein?

Er schien nur in kurzen Momenten auf, wenn sie etwa im Fußballstadion saß und nach einem Tor der Nationalelf die Arme in die Höhe riss wie ein ungestümes Kind. In diesen Momenten konnte ich herzhaft lachen und Deutsche sein, in diesen Momenten bin ich es gern gewesen. Auch diese Momente werde ich vermissen.

Tja, unsicheres Gelächter, sozusagen.

Und die, wenn sie im Bundestag sprach, wenn sie nach manch durchkämpfter Nacht am folgenden Morgen in einem Fernsehstudio stand und mit Ruhe und Sachlichkeit erklärte, mit welchen nächsten Schritten man welche Vorhaben angehen würde.

„Standen“, Jana. „Zwei“ zieht immer den Plural nach sich. Außer die Zwei-deutigkeit. Die ist eins und Singular. Daß es sich bei dem, womit die Ostdeutsche und die Frau im Studio standen, um Ruhe und Sachlichkeit gehandelt haben könnte, kann auch nur eine ostdeutsche Undfrau wie Deinezwei eine sind, für möglich halten. Als westdeutscher Einmann konnte man immer sofort erkennen, worum es sich handelte. Um bräsige Selbstgenügsamkeit und pastorale Ignoranz, verkleidet als Ruhe und Sachlichkeit.

Sie konnte den Milchpreis erklären, die transatlantischen Beziehungen und das Kindergeld.

Das konnten die Beiden so schlecht, daß es inzwischen Jeder nachmachen kann, Jana. Willste mal hören? Milchpreis: „Wir stehen vor großen Herausforderungen, die wir mit unseren europäischen Partnern in einem konstruktiven Dialog auf Augenhöhe in einvernehmlicher Atmosphäre gemeinsam angehen werden. Das sage ich in großer Entschiedenheit.“ Bei den transatlantischen Beziehungen ersetzt du einfach das „europäische“ vor „Partnern“ durch „transatlantischen“ – und schon hast du die transatlantischen Beziehungen merkelös erklärt. Und beim Kindergeld nimmst du einfach „familiären“ vor „Partnern“.

Dass sie die CDU in die Mitte rücken würde, mir war es recht. Ich habe diese Partei, von der wohl im Nachhinein niemand wirklich wird sagen können, ob es je die richtige für Angela Merkel war, nur ihretwegen gewählt. Ich wollte mit ihr noch lange in diesem Deutschland zu Hause sein.

Alter Schwede. Man glaubt ja nicht,wo ostdeutsche Undfrauen die Mitte verorten. Völlig verpeilt, die Ladies.

Als sie den Dalai Lama im Kanzleramt empfing, als sie in Jerusalem erklärte, die Sicherheit Israels sei deutsche Staatsräson.“

Mein Reden: Ostdeutsche Undfrauen tendieren dazu, blödes Gelaber für die deutsche Staatsräson zu halten. Noch nicht mal die Spritzpistole mitWasser gefüllt, führen sie sich in Israel auf wie die militärische Großmacht und glauben ernsthaft, daß ihnen ihr Sicherheitsgewäsch irgendwer von Verstand und Sachkenntnis abkauft. Eine militärische Auseinandersetzung der israelischen Defense-Forces mit der deutschen Buntenwehr und ihrem krummen Schießgewehr wäre nach zehn Minuten vorbei – und Deutschland ein rauchender Trümmerfrauenhaufen. Sicherheit Israels – deutsche Staatsräson. Wenn das so wäre, könnte man ein internationales Reitturnier auch mit einem gesattelten Wetterfrosch gewinnen.

Ich lasse es jetzt gut sein mit der freundvoll Ängstlichen in ihrer geliebten merkelösen Unsicherheit. Man sieht wieder einmal, daß die „Zeit“ die Creme de la Creme des buntesdeutschen Intellektualismus beherbergt. Jana und Hensel: zwei Namen, die man sich unbedingt merken muß.

 

 

 

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