Europa in der Überlebenskrise

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Grenzenlos und grenzenlos überfordert: Europa - Foto: : Eisenhans/Fotolia

Daß Europa sich in einer gewaltigen Krise befindet, ist nirgendwo ein Geheimnis. Ob es sich dabei tatsächlich bereits um eine Überlebenskrise handelt, ist fraglich. Unzweifelhaft ist lediglich, daß sich die Krise zur Überlebenskrise auswachsen könnte, wenn nicht auf der Stelle die Weichen neu gestellt werden.

Es ist bereits „fünf nach zwölf“, was dasselbe ist wie „sechs Wochen vor Marrakesch“. Dort soll am 11. Dezember der globale Migrationspakt der Vereinten Nationen unterzeichnet werden.

Innerhalb der EU sind die Fronten zwischen den voraussichtlichen Unterzeichnern und den Nichtunterzeichnern klar. Italien wird keinesfalls unterzeichnen, Österreich nicht, Kroatien nicht und die Visegrad-Staaten sowieso nicht. Die Front verläuft zwischen den Realisten und den Bekloppten. Die Beklopptesten von allen sitzen in der deutschen Regierung. Und das ist noch die günstigste Unterstellung. Sollte in den nächsten sechs Wochen kein Wunder geschehen, etwa dergestalt, daß Angela Merkel der Blitz beim Fingernägelbeißen erschlägt, dann wird Christoph Heusgen (CDU) das verbrecherische Machwerk der UN unterschreiben. Damit wäre Deutschland als Land der Deutschen Geschichte.

Das größte Problem Europas ist die Demografie. Die autochthonen Völker des alten Kontinents schrumpfen beständig. Seit Jahrzehnten liegt die Sterblichkeitsrate über der Geburtenrate. Die westeuropäischen Nationen vergreisen. Deutsche gelten als dasjenige Volk mit dem höchsten Durchschnittsalter. Böse Zungen behaupten, der Grund dafür, daß Angela Merkel noch immer das Kanzleramt okkupiert, sei einer kollektive Altersdemenz der Deutschen geschuldet.

Wie dem auch sei; es tobt ein Kulturkampf in Europa. Immer deutlicher kristallisiert sich heraus, daß Realität zu werden droht, was von vielen kritischen Geistern vor Jahren schon prognostiziert worden ist. Bereits 2009 war der SPIEGEL-Bestseller „Vorsicht Bürgerkrieg!“ des inzwischen verstorbenen Udo Ulfkotte erschienen. Ulfkottes Thesen wurden als Panikmache abgetan. „Was lange gärt,wird endlich Wut“, ist der Untertitel seines Buches gewesen. Inzwischen sind fast zehn wütende Jahre vorbeigegangen, substantiell geändert hat sich nichts, außer, daß sich sog. populistische Bewegungen herausgebildet haben und Parteien entstanden sind, für deren Existenz eben diese Wut ausschlaggebend gewesen ist. Der ebenfalls verstorbene Historiker Walter Laqeur entwarf die Vision eines alten Europas, das, zu einem Themenpark herabgesunken, eines Tages als Museum für die wirklich Reichen dieser Welt dienen könnte.

Der ehemalige Glanz Europas und sein Wirken als Innovationsmotor für die ganze Welt ist längst Geschichte. Die entscheidenden Impulse für die Entwicklung der Weltgeschicke gehen heute von ganz anderen Weltgegenden aus. Schriftsteller äußerten ihr Unbehagen bereits seit dem Beginn der Nuller-Jahre, dem neuen Millenium, das vor bald zwanzig Jahren noch freudig begrüßt worden ist und Europa doch nicht viel mehr gebracht hat, als Resignation, die Masseneinwanderung völlig Kulturfremder, eine explodierende Gewaltkriminalität und zunehmende Verzweiflung. Michel Houellebecq wurde in diesen Jahren berühmt, seine ins Fatalistisch-Dystopische gerichteten Romane wurden zwar hoch gelobt, blieben in der Realität aber folgenlos. Es sieht so aus, als habe Europa das Interesse an sich selbst verloren. Selbst seine eigene Agonie scheint es mehrheitlich gleichgültig zu ertragen. Houellebecq sagt es so: „Zusammenfassend begeht die Westliche Welt als Ganzes Selbstmord“.

Europas steht vor einer existentiellen Herausforderung – und trotz allem keimt wieder Hoffnung. In Gestalt des neuen Literaturstars aus Frankreich, dem Linken Christophe Guilluy, wird eine Trendwende sichtbar, die deswegen hoffnungsvoll stimmt, weil die Einsicht nunmehr auch diejenigen zu erfassen scheint, die mit ihren kulturmarxistischen Visionen seit den Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts entscheidend dafür verantwortlich waren, daß Europa sich seiner Überlebensfrage zügig nähert. Die Linke ist unter Beschuß – und sie kapiert allmählich, daß ihre Diskurshoheit zu Ende ist. In Deutschland versucht Sarah Wagenknecht auf politischer Ebene als erste, zu retten, was es für die Linke noch zu retten gibt. Der Grünen Parteichef Habeck hat in dem Rahmen, in dem einem Grünen das möglich ist, an Merkels Migrationspolitik den einen oder den anderen kritikwürdigen Punkt gefunden. Der Grüne OB von Tübingen, Boris Palmer, hat sich schon seit längerem zu einem parteiinternen Dissidenten weiterentwickelt. Selbst in den Seniorenclubs von SPD und CDU brodelt es.

In Bezug auf die globale Migration ließ inzwischen sogar Emanuel Macron mit zwei Reden aufhorchen. Vergangenes Jahr bereits nannte Macron die Probleme Afrikas „zivilisatorisch“ und beklagte, dass es dort „sieben oder acht Kinder pro Frau“ gebe. In einer zweiten Rede bei der Gates Foundation letzte Woche schlug Macron erneut in dieselbe Kerbe: „Stellt mir die Frau vor, die sich als perfekt ausgebildete Frau entschieden hat, sieben, acht oder neun Kinder zu haben.“ Die Frage, die Macron dadurch implizit stellt, ist die folgende: Wie muß Europa mit seinen eigenen, gebildeten Bürgern und ihren niedrigen Geburtenraten umgehen, und wie kann es gleichzeitig der massiven Fruchtbarkeit und Einwanderung aus Afrika und Nahost begegnen? Es sieht so aus, als ob sich Europa in einem demografischen Kampf mit dem Rest der Welt befände, den es nur verlieren kann.

In Italien hat man eine Antwort gefunden: Eigene Kinder statt importierter Kinder. Auf einem europäischen Treffen sagte der italienische Innenminister Matteo Salvini kürzlich: „Ich habe Kollegen sagen hören, dass wir Einwanderung brauchen, weil die Bevölkerung Europas immer älter wird, doch ich habe einen ganz anderen Standpunkt… Ich glaube, dass ich in der Regierung bin, um dafür zu sorgen, dass unsere jungen Leute die Anzahl der Kinder haben, die sie vor einigen Jahren hatten, und nicht, um die Besten von Afrikas Jugend nach Europa zu verpflanzen. Vielleicht müssen sie das in Luxemburg tun, aber in Italien müssen wir den Menschen helfen, mehr Kinder zu bekommen, anstatt moderne Sklaven (aus Afrika) einzuführen, die die Kinder ersetzen, die wir nicht haben.“ Das war eine klare Kampfansage an die EU-Linie von Jean-Claude Juncker und den luxemburgischen Außenminister Jean Asselborn. Der luxemburgische Sozialist gibt aber weiterhin den Uneinsichtigen. Gerade heute warnte er vor einem Rechtsruck der CDU. Die Bundesrepublik dürfe nicht auf den österreichischen Kurs einschwenken, sagte er „sechs Wochen vor Marrakesch“. Es sind unverbesserliche Sozialisten, Leute wie Asselborn, denen man das Handwerk wird legen müssen.

Auch die Kirchen sind ein Problem, was dort durchaus erkannt wird, nur eben nicht in Europa. „Wenn man durch die Geschichte schaut, wo die Kirche geschlafen hat, vom Evangelium abgelenkt wurde, hat der Islam den Vorteil genutzt und ist hereingekommen. Das ist es, was wir in Europa sehen, dass die Kirche schläft, und der Islam sich einschleicht… Europa wird islamisiert, und das wird auch Auswirkungen auf Afrika haben.“ Das sind die Worte des katholischen Bischofs Andrew Nkea Fuanya aus Kamerun. Ganz anders tönt es aus dem italienischen Klerus. Der italienische Erzbischof Gian Carlo Perego: „Die Herausforderung für Italien besteht darin, ein Land, das im Sterben liegt, mit jungen Menschen, die aus anderen Ländern kommen, zu versöhnen, um eine neue Geschichte zu beginnen. Wenn wir die Tür für Migranten schließen, werden wir verschwinden.“ Selig sind die Armen im Geiste, Monsignore Perego. Wer kein italienischer Kleriker ist, darf durchaus heiraten und Kinder bekomen. Damit das wieder attraktivwird, müsste vor alle die feministisch aufgeladene Familienrechtssprechung wieder vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Das ist kein Hexenwerk. Ganz im Gegensatz zu dem, was heute gesetzlich gilt auf diesem Felde.

Der italienische Innenminister siedelt näher am Bischof aus Kamerun: „Ein Land, das keine Kinder schafft, ist zum Sterben bestimmt… Wir haben ein Familienministerium geschaffen, um an Fruchtbarkeit, Kindertagesstätten und einem Steuersystem zu arbeiten, das große Familien berücksichtigt. Am Ende dieses Mandats wird die Regierung an der Zahl der Neugeborenen und nicht an ihrer Staatsverschuldung gemessen.“ Man kan nur hoffen, daß Matteo Salvini klar ist, wie eng das mit einer konservativ geprägten Familienrechtssprechung zusammenhängt und daß schleunigst die entsprechenden Gesetzesänderungen vonnöten sind.

Sowohl Matteo Salvini als auch Michel Houellebecq haben deutlich gemacht, dass das Drama eines alternden und müden Europas eine zivilisatorische Frage ist. Die wird auch über die Zukunft der Europäischen Union entscheiden. Die EU könnte sich nämlich längerfristig durch ihre eigene Politik der offenen Grenzen zunichte machen. Michel Houellebecq in seiner Rede anläßlich der Verleihung des Frank-Schirrmacher-Preises: „… das Vordringen des Islams beginnt gerade erst, denn die Demographie ist auf seiner Seite und weil Europa, in dem es aufhört, Kinder zu bekommen, sich in einen Prozess des Selbstmords begeben hat. Und das ist nicht wirklich ein langsamer Selbstmord. Wenn man erst einmal bei einer Geburtenrate von 1,3 oder 1,4 angekommen ist, dann geht die Sache in Wirklichkeit sehr schnell.

Wie gesagt: Es ist bereits fünf nach zwölf – oder „sechs Wochen vor Marrakesch“. (ME)

(Quelle aller Zitate: https://de.gatestoneinstitute.org/13207/europa-ueberleben-krise)

 

 

 

 

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