Maulkorb für „Knallhart“-Richter Zantke

Disziplinierungsmaßnahme für Richter Stephan Zantke (Bild: shutterstock.com/ Screenshot)
Disziplinierungsmaßnahme für Richter Stephan Zantke (Bild: shutterstock.com/ Screenshot)

Zwickau – Die Direktorin des Amtsgerichts Zwickau hat den als „Knallhart“-Richter bekannt gewordenen Stephan Zantke seines Postens als Pressesprecher am Zwickauer Amtsgericht enthoben. Es handelt sich mutmaßlich um eine disziplinarische Maßnahme, die mit der Veröffentlichung seines Buches zusammenhängt.

Eigentlich ist Stephan Zantke, der für Organisationen wie die OSZE und die GIZ internationale Vorträge hält,“nur“ Strafrichter in Zwickau. Ende 2017 machte er europaweit Schlagzeilen. Vor seinem Richtertisch stand ein libyscher Flüchtling. Die Liste schwerwiegender Vorwürfe gegen ihn war lang. Als der Angeklagte über „Scheißdeutschland“ schimpfte, fragte Zantke: „Wenn es bei uns so scheiße ist, warum sind Sie dann hier?“

Zantke, Stephan: „Wenn Deutschland so scheiße ist, warum sind Sie dann hier?“
Ein Strafrichter urteilt.

Die darauf folgende, heftige mediale Reaktionen zeigte, dass Zantke einen Nerv getroffen hatte. Die Frage sei ein Ausdruck seines angestauten Ärgers angesichts einer Vielzahl von Kriminellen gewesen, die nach und nach den Respekt vor der Justiz und dem Staat verlieren, so Zantkes Darstellung.

Im Oktober nun erschien Zantkes Buch mit just dem selben Titel. Der Richter wirft darin einen schonungslosen Blick auf eine überforderte Justiz und Kriminelle, die sich die Schwäche des Staates zunutze machen. Zantke gibt Einblicke in deutsche Parallelwelten und kriminelle Milieus und zeigt, wie machtlos der Staat oftmals bleibt.

Zantkes Kritik scheint seiner Vorgesetzten, der Direktorin des Amtsgerichts Zwickau, Eva-Maria Ast, missfallen zu haben. Wie die Bild berichtet, habe der kritische Richter einen Maulkorb verpasst bekommen und wurde klammheimlich als Sprecher des Amtsgerichts abgesägt. Seit 1. September sei Zantke kein 1. Pressesprecher mehr, ab November auch kein stellvertreterender. Das habe ihm die Direktorin des Amtsgerichtes – ohne Begründung –  mitgeteilt, so der „Knallhart“-Richter. Aus Kollegenkreisen sei bekannt geworden,dass dies eine Disziplinierungsmaßnahme wegen seines Buches gewesen ist. (SB)

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