Erdogan fordert: „Die Mörder von Kashoggi sollen in der Türkei verurteilt werden“

Erdogan bei seiner Rede zum Fall Kashoggi. Foto: Screenshot

Der türkische Präsident Erdogan fordert von Saudi-Arabien, dass sein Land den Mördern des Journalisten Jamal Kashoggi den Prozess machen kann. Dies sei eine eigentlich saudische Angelegenheit, weil die Tat auf deren Hoheitsgebiet geschehen sei. Gleichzeitig aber liege das Konsulat in den Grenzen der Türkei. „Daher ist das unser Antrag“, sagte Erdogan soeben vor dem türkischen Parlament. Er sprach auch von einem „politischen Mord“ und forderte Saudi-Arabien auf, die Auftraggeber zu benennen.

In seiner Rede legte er die Chronik des Komplotts noch einmal detailliert dar. Demnach seien am 1. und 2. Oktober insgesamt 15 arabische Spione in Istanbul eingereist, die sich auf den Weg in das Konsulat gemacht hätten. Die Namen der insgesamt 18 von Saudi-Arabien Verhafteten, zu denen noch drei Konsulats-Angestellte gehören, decke sich mit den Listen der Türkei, sagte Erdogan.

Das Komplott sei, so der türkische Präsident, bereits am 28. September beschlossen worden . an jenem Tag, an dem Kashoggi das erste Mal ins Konsulat gegangen sei. Am Tag des Mordes seien zwischen 9.30 und 11 Uhr alle 15 Beschuldigten nacheinander zum Konsulat gegangen. Das haben die Kameras aufgezeichnet, sagte Erdogan. Die Kamera im Konsulat sei dagegen außer Betrieb gesetzt worden. Um 13:08 habe dann Kashhoggi zu Fuß das Konsulat betreten, ohne seine Verlobte. Seitdem gebe es kein Lebenszeichen mehr.

Vier Stunden später, um 17:08 sei die Verlobte zu einer Polizeistation gekommen, und habe den Verdacht geäußert, dass Kashoggi etwas zugestoßen sein könnte. Daraufhin seien sofort Ermittlungen begonnen worden. Inzwischen sei klar, dass sieben Verdächtige wieder ausgereist seien. Ein weiteres Mitglied des Kommandos sei in der Kleidung von Kashoggi und mit falschem Bart beim Verlassen der saudischen Vertretung gefilmt worden. Auch dieser habe die Türkei wieder in Richtung Riad verlassen.

Am 14. Oktober habe Erdogan, so sagte er, mit dem saudischen König Salman gesprochen, ihm die Ermittlungsergebnisse mitgeteilt und weitere Ermittlungen abgesprochen. Mit Erlaubnis des Königs seien dann türkische Ermittler ins Konsulat gegangen und hätten die Ermittlungen fortgeführt. Auch die Kompetenz des Konsuls habe er infrage gestellt, woraufhin dieser abgezogen worden sei.

Erdogan: „Während der Ermittlungen wurden Kampagnen geführt, um die Türkei in Misskredit zu bringen. Wir wissen, wer die Anstifter sind und werden das nicht zulassen“, drohte er, ohne Details zu nennen.

Die Ermittlungen seien auch deswegen wichtig, weil Kashoggi ein international bekannter Journalist sei. Erdogan sprach allen Journalisten der Welt sein Beileid aus. Das muss bei mehr als hundert inhaftierten Reportern in der Türkei vielen wie Hohn geklungen haben.

Saudi-Arabien habe zwar einen wichtigen Schritt gemacht, in dem das Land den Mord zugegeben habe, sagte Erdogan. Aber die Saudis müssten weitere Fragen beantworten: „Von wem haben diese 15 Leute die Befehle erhalten, nach Istanbul zu reisen? Warum ist das Konsulat erst Tage später für Ermittler geöffnet worden? Warum ist der Mord geschehen? Wo ist die Leiche?“ Erdogan forderte auch, die Namen der türkischen Mitverschwörer zu nennen.

Wörtlich sagte er: „Es war ein geplanter Mord, das zeigen unsere Ermittlungen. Wir lassen uns nicht damit abspeisen, dass das Geheimdienstler gewesen sein sollen. Ich habe keinen Zweifel am Wort und der Freundschaft von König Salman. Wenn es richtig ist, dass er nichts wusste, dann wollen wir trotzdem wissen, wer diesen politischen Mord in Auftrag gegeben hat.“

Die Türkei werde alles unternehmen, um die Wahrheit ans Tageslicht zu bringen: „ Ich appelliere an die Führung Saudi-Arabiens und somit an König Salman. Ich möchte, dass die 18 Mitglieder dieses Komplotts in Istanbul verurteilt werden. Natürlich müsste Saudi-Arabien zustimmen, aber das ist mein Antrag.“ (WS)

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