EKD gegen die Mitte der Gesellschaft und den rassistischen Rest der Welt

Foto: Collage
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Nürnberg – Nun ist es amtlich. Auch in der evangelischen Kirche gibt es rechte Tendenzen. Schlimmer noch: Rassistisches und antiislamisches Denken ist bei 40 bis 70 Prozent der Bevölkerung vorhanden.  Dieses umstrittene Ergebnis einer Studie überstrahlte die Jahrestagung der „Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus“ (BAGKR) am Samstag in Nürnberg, und veranlasste die versammelte Linkselite der EKD zu weiteren Rundumschlägen gegen „rechtspopulistische Parteien“ und die „Mitte der Gesellschaft“. Im Anschluss an die Tagung fand in Anwesenheit des Nebenklagevertreters im NSU-Prozess, Rechtsanwalt Mehmet Gürcan Daimagüler, eine Gedenkfeier für die Opfer der NSU-Morde statt.  

Einen Tag vor der Bayrischen Landtagswahl zitierte der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, einen von Domradio wiedergegebenen EPD-Bericht und leitete daraus die Forderung ab, Christen müssten im Widerstand gegen rassistische, antisemitische und gruppenbezogene Menschenfeindichkeit  „in der ersten Reihe stehen“. Der EKD-Präses verglich die AfD mit einem Salafistenverein, und meinte, wer aus Unzufriedenheit rechtspopulistische Parteien wähle, gebe diesen Deckung und legitimiere dadurch diejenigen, die erneut alte, rechtsextreme Positionen vertreten.

Neues Feindbild der EKD: Die Mitte der Gesellschaft

Alle Tagungsteilnehmer und Referenten waren sich einig: “Der Boden für rechtsextremes Denken wird in der Mitte der Gesellschaft bereitet“. Um dieses Thema drehte sich die gesamte Nürnberger Jahreskonferenz, die unter dem Motto „Menschenrechte verteidigen – Nächstenliebe leben“ stand.

„Wir müssen uns mit dieser Melange aus Rechtsextremismus, Rechtspopulismus und den Meinungen aus der Mitte auseinandersetzen“, resümierte Mitveranstalter Martin Becher vom „Bayerischen Bündnis für Toleranz“.

Der Generalsekretär der Evangelischen Akademien in Deutschland, Klaus Holz, machte den Satz von Innenminister Seehofer von der „Mutter aller Probleme“ mitverantwortlich für die angeblichen Ausschreitungen in Chemnitz.  Daß es vorher einen Meuchelmord durch einen Migranten auf offener Straße gegeben hatte, spielte für Holz keine Rolle. Der Innenminister legitimiere Gewalt, so der akademische Generalsekretär, weil er sich hinter Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen gestellt habe, welcher die rechte Gewalt wiederum relativiere. Am Ende seiner phantastischen Ausführungen kam der Kirchenfunktionär zu folgender Erkenntnis: „Nur wegen dieser ideologischen Zusammenhänge haben wir große Probleme mit Rechtspopulisten und Neonazis“.

Dann erfasste die Tagungsteilnehmer, angetrieben durch Holz´ Rundumschläge, eine Art moderner Massenhysterie samt dem Herunterbeten des Holz´schen Glaubensbekenntnisses, welches um diverse, nicht näher deklarierte Studien kreist, denen zufolge 40 bis 70 Prozent der Bevölkerung ein „rassistisches oder antiislamisches Denken“ besitzen. Auch die Gegner der linken Feminismusbewegung bekamen ihr Fett weg. So stellte Holz einen deutlichen „Zusammenhang zwischen Rechtsextremismus und Denkmustern der bürgerlichen Bevölkerung beim Antifeminismus“ fest. Der Feminismus, so Holz, werde dabei als radikale Ideologie verschrien, während alte Geschlechterbilder wieder hervorgeholt würden.

Der „Rechtspopulismus, der gegen Genderismus polemisiert,“ sorgte gleichfalls für viel Gesprächsstoff.

Rechte Tendenzen in der Kirche: Letzte SPD Wahlkampfveranstaltung?  

Erstmalig offenbarte mit BAGKR-Sprecher Christian Staffa ein evangelischer Theologe öffentlich, dass es wohl auch innerhalb der Kirche „rechte“ Tendenzen gebe. Seiner Meinung nach ist die Kirche „im Kampf gegen rechtspopulistische und rechtsextreme Tendenzen nicht gut genug aufgestellt“. Seine Worte zur Problemlösung sind freilich vielseitig interpretierbar: „Mit ein bisschen sozialdemokratischer Theologie und fröhlich-lächelndem Protestantismus kommen wir hier nicht weiter“, teilte er dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit. Eine Aussage, die allerdings einer Überprüfung durch die Wirklichkeit nicht standhält. Schaut man nach Kandel, wo Kirchenmitglieder solidarisch und voll der christlichenNächstenliebe mitten im Trillerpfeifenkonzert eines brüllenden Antifa-Mobs standen, dann war dort von „fröhlich lächelndem Protestantismus“ wenig zu sehen. Vielmehr gab es eine, aus Atheisten und Christen ununterscheidbar gemauerte Wand aus Hass und fehlender Dialogbereitschaft zu bestaunen. Wer mit seinen Kritikern nicht argumentieren will, hat eben außer weltfremdem Unsinn nichts zu vermelden. Die Formulierung „sozialdemokratische Theologie“ war ohnehin der Brüller bei einer BAGKR-Tagung, die wohl als die letzte inoffizielle SPD-Wahlkampfveranstaltung vor dem politischen Aus in die Geschichte eingehen wird. (KL)

 

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