Anklage erhoben: Iran steckt hinter Attentat auf „Satanische Verse“-Verleger

Salman Rushdie (Bild: shutterstock.com/Von 360b)
Salman Rushdie (Bild: shutterstock.com/Von 360b)

Weil er Rushdies „Satanische Verse“ herausgab, sollte der norwegische Verleger William Nygaard 1993 ermordet werden. Die norwegische Polizei ignorierte jahrelang, dass Nygaard das Opfer einer Fatwa des iranischen Islamführers Ajatollah Khomeini geworden war. Erst jetzt sind vier Männer angeklagt. Eine Spur führt anscheinend auch nach Deutschland.

1993 wurde der William Nygaard mit drei Schüssen in den Rücken niedergestreckt. Der Grund für den Mordanschlag: 1989 veröffentlichte der Aschehoug-Verlag und William Nygaard die norwegische Version von Salman Rushdies Roman „Die satanischen Verse“. Der muslimische Anführer Ajatollah Khomeini hatte eine Todesfatwa gegen Salman Rushdie und seine Verleger ausgesprochen, in der er offen zum Mord an den an der Veröffentlichung beteiligten Personen aufrief.  Am 11. Oktober 1993 wurde Nygaard vor seinem Haus von einem unbekannten Täter dreimal angeschossen.

Norwegens Polizei negierte jahrelang die iranische Tötungsanweisung

Nach 25 Jahren wurde nun durch die Osloer Polizei gegen vier Verdächtige Anklage erhoben, die die Tat im Auftrag des iranischen Geheimdienstes begehen sollten. Unglaublicher Weise weigerte sich die norwegische Polizei hartnäckig, dass Nygaards Opfer der Fatwa eines islamischen Führers geworden war.

Wie die Welt berichtet, scheint der Fall Nygaard sich zum größten Polizeiskandal Norwegens auszuwachsen. „Norwegen war zu Beginn der 90er-Jahre ein zentraler Akteur in den Nahost-Friedensverhandlungen. Es ist zwar nur eine Spekulation, aber die Polizei könnte befürchtet haben, jemanden zu stigmatisieren“, so Olav Åmås von der Organisation „Freies Wort“. Es sei zumindest auffällig, dass die Polizei selbst fünf Jahre nach dem Attentat darauf insistierte, die Rushdie-Spur sei „von Medien erschaffen“ worden. Skandalös ebenfalls die Tatsache, dass die Tat beinahe verjährt gewesen wäre. Durch die Anklageerhebung wurde dies nun verhindert.

Spuren könnten nach Deutschland führen

Wie WeltOnline (WO) weiter berichtet, könnten die Ermittlungen darauf hindeuten, dass es auch Verbindungen nach Deutschland gibt. Die Frage ist nun zu klären, ob es ein Netzwerk iranischer Geheimdienstler aktiv war, die Mordaufträge in Deutschland und Norwegen im Auftrage des Irans ausführte. Dass diese durchaus der Fall sein könnte, das kann sich Reinhold Robbe, der für die SPD im Bundestag saß und die Deutsch-israelische Gesellschaft leitete, lebhaft vorstellen.  „Ich bin fest überzeugt, dass der Iran der in Deutschland aktivste Geheimdienst ist, was die Ausspähung von Kritikern und der Wirtschaft angeht“, so Robbe gegenüber WO.

Das vermeintliche Entgegenkommen auf diplomatischer Ebene korrespondiere überhaupt nicht mit dem tatsächlichen Verhalten des Irans. Robbe zeigt sich überzeugt, dass der Iran die schlimmste Diktatur weltweit ist. „Leider wird sie als solche in unserer Öffentlichkeit kaum wahrgenommen“, so der SPDler abschließend. (SB)

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