Wegen „Erklärung 2018“: Meinungsterror gegen „Focus“-Redakteur

Alexander Wendt, auch Autor des Buches "Der Grüne Blackout. Warum die Energiewende nicht funktionieren kann". Foto: Screenshot Youtube

Jetzt trifft der Gesinnungsterror auch den stellvertretenden Politik-Chef des „Focus“, Alexander Wendt. Die Vorstellung seines neuen, eher unpolitischen Buches über die Drogenwelt des 21. Jahrhunderts wird abgesagt. Der Grund: Wendt hat die „Gemeinsame Erklärung 2018“ unterschrieben, die als Petition im Bundestag durch den spektakulären Auftritt Henryk M. Broders (Jouwatch berichtete) gerade so viel Aufsehen erregte.

Wendt schreibt der zu der für den 29. Oktober geplanten und nun geplatzten Veranstaltung in der Buchhandlung „Montag“ in Berlin, Pappelallee 25: „Eine entsprechende Vereinbarung zwischen einer Literaturagentur und der Buchhandlung war schon vor Monaten geschlossen worden. Einige Einladungen hatte ich schon verschickt. Drei Wochen vor der Premiere sagte die Buchhandlung die Veranstaltung nun ab. Begründung der Betreiber: sie hätten jetzt herausgefunden – offenbar gerade noch rechtzeitig – dass ich die ‚Erklärung 2018‘ unterschrieben habe; außerdem störe man sich an einigen Veröffentlichungen auf Publico.“ Publico ist der gutrecherchierte, politisch inkorrekte Blog des „Focus“-Mannes.

Was die Buchhändler von „Montag“ genau störte, teilten sie nicht mit. Wendt auf Facebook: „Sie hatten mich auch nie kontaktiert, sondern ihre Absage nur gegenüber der Agentur erklärt.“ Für Wendt besteht der „interessante Punkt“ darin, „dass mein Buch selbst überhaupt keine Links-Rechts-Konnotation hat. Wenn es überhaupt in irgendeiner Weise zum Rechts-Links-Grabenbruch steht, dann nur so weit, dass einige Argumente und Schilderungen zur Drogenentkriminalisierung eher auf der linken, liberalen und libertären Seite des Spektrums zu finden sind.“

Aber um den Inhalt eines Buchs gehe es „überhaupt nicht mehr, wenn Mitglieder des Wächterrates aktiv werden – sondern nur noch um die richtige oder eben nicht richtige Gesinnung des Autors.“ Es seien „Haltungsinhaber der gleichen Sorte, die gleichzeitig die Hände ringen und bei jeder Gelegenheit über die so genannte gesellschaftliche Spaltung klagen. Über die Intoleranz. Über das gesellschaftliche Klima, das – schlimm, schlimm – so rauh geworden ist. Über die schrecklichen Filterblasen.“

Alexander Wendt gesteht dem Buchhändler sogar zu, selbst zu entscheiden, „wen er in seine Räume lassen möchte“. Jemand könne auch eine schon gemachte Zusage wieder kassieren. Jeder könne erklären, „dass er keine Lust auf eine Diskussion oder nur eine Begegnung mit jemand hat, der nicht astrein aus dem eigenen Milieu stammt“.

Aber, und da trifft Wendt den Nagel auf den Kopf: „Gern wüsste ich einmal ein Beispiel irgendeiner Institution, die, sagen wir einmal, nichtlinks ist, und jemand wieder mit der Begründung ausgeladen hätte, der Betreffende habe sich, wie man gerade erfahre, einmal links geäußert oder etwas Linkes geschrieben.“

Die Intoleranz sei in Deutschland sehr einseitig: „Den Schutzwall mit Wachtürmchen und Papierkontrolle baut eben nur eine Seite auf: die Seite der Wunderbunten und Vielfältigen.“ (WS)

 

 

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