Genial! -Linke Sozialwissenschaftler als Scharlatane entlarvt

Max Erdinger

Strunzdumm: Ein linker Wissenschaftler bei der Arbeit (Foto: Von Lucky Business/Shutterstock

In den USA hat ein Akademiker-Trio seine linken Kollegen aus den Sozialwissenschaften der Scharlatanerie überführt, wie bazonline berichtet. Mit frei erfundenen Studien, unter anderem über Hundesex und Hitlers „Mein Kampf“, bestätigten sie den linken Akademikerkollegen deren Weltbild – und die wiederum publizierten den unsubstantiierten Mist mit Feuereifer. Danach stellte das pfiffige Trio seine zivilreligiösen Kollegen bloß und sorgte so für allgemeines Gelächter.

Es ist zum Brüllen: „Hundeparks seien ein «überraschend repressiver und gewalttätiger Raum». Um das herauszufinden hat die Sozialwissenschaftlerin Helen Wilson knapp eintausend Stunden in drei Pärken in Portland, Oregon, verbracht und die Vierbeiner bei Tausenden Paarungsversuchen beobachtet. Für die Forscherin steht klar: «Hundeparks sind Petrischalen einer hündischen ‹Vergewaltigungskultur›». Doch eben daraus könne die Menschheit eine wichtige Lehre ziehen: Männern könne man wie Hunden Manieren antrainieren, um so sexuellen Missbrauch zu verhindern, so Wilson.

Diese „Studie“ ist im Mai von der britischen Zeitschrift für  feministische Geografie „Gender, Place & Culture“ publiziert worden. Im englischsprachigen Raum wird als „feministische Geografie“ das bezeichnet, was im deutschsprachigen Raum unter „kritische Geografie“ läuft. Wenige Wochen später hat die Arbeit jedoch ersten Spott hervorgerufen: „Im Grunde genommen ist die ganze Überlegung hinter Wilsons Studie der Glaube, dass die Erforschung der Vergewaltigungskultur und Sexualität bei Hunden in Parks eine hervorragende Art ist, mehr über die Vergewaltigungskultur und Sexualität bei Menschen zu erfahren„, fasste Katherine Timpf den pseudowissenschaftlichen Stuß für das konservative US-Magazin «National Review» zusammen. Sie schrieb, die Studie sei idiotisch, weil Menschen schließlich keine Hunde seien.

Zwanzig frei erfundene Studien

Der Clou: Niemand wusste bis dahin, daß es Helen Wilson gar nicht gibt. Auch hatte niemand stundenlang in Parks gesessen und Tausenden Hunden bei ihren Paarungsversuchen zugesehen. Das Ganze war Teil einer Entlarvungsaktion dreier Akademiker, die innerhalb knapp eines Jahres absichtlich zwanzig gefälschte und völlig absurde Studien verfasst hatten.

Den genialen Streich ausgedacht haben sich Helen Pluckrose, ihrer Eigenbezeichnung nach „Exilantin aus den Humanities“, die angeblich religiöse Schriften über Frauen im Mittelalter studiert; James A. Lindsay, seines Zeichens Autor und Mathematiker, sowie Peter Boghossian, Assistenzprofessor für Philosophie an der Portland State Universität.

Das erfinderische Trio war davon überzeugt, daß es an den Universitäten nicht mit rechten Dingen zugehen könne, besonders nicht in speziellen Bereichen der Geistes- und Sozialwissenschaften, wie die Gruppe im Begleitartikel zur späteren Enthüllung erklärte. Im Auge gehabt hätten sie spezifisch jene Bereiche, „die lose als ‹Kulturwissenschaften› oder ‹Identitätsstudien› (z.B. Geschlechterforschung) oder ‹kritische Theorie› bekannt sind, weil sie in jener postmodernen Art der ‹Theorie› verwurzelt sind, die in den späten sechziger Jahren entstand“. In einem Video spricht das geniale Trio von „politischer Korruption„, welche sich an den Universitäten breitgemacht habe.

Die Gruppe kritisierte also, daß in diesen akademischen Forschungsbereichen dem gesellschaftlichen Gejammere mehr Bedeutung beigemessen werde, als der Suche nach objektiver Wahrheit. Dieser Relativismus habe sich in den von ihnen veräppelten Fakultäten mindestens „fest etabliert“, so er sie nicht sogar vollständig dominiere. Studenten, Universitätsmitarbeiter und andere Abteilungen würden zunehmend dazu gedrängt, sich der Weltanschauung ihrer linken Kollegen aus den Sozialwissenschaften anzuschliessen, obwohl deren Weltanschauung keineswegs wissenschaftlich fundiert sei.

Mit ihren Fake-Studien wollte das pfiffge Trio beweisen, wie leicht es ist, in den Fachjournalen dieser Bereiche völligen Blödsinn zu veröffentlichen. Zu diesem Zweck äfften sie Sprache und Jargon der Sozialwissenschaftler nach und zitierten Fachliteratur. Im Resümee der „Hunde-Studie“ hieß es beispielsweise: „Dieser Beitrag endet mit der Anwendung schwarzer feministischer Kriminologiekategorien, durch die meine Beobachtungen verstanden werden können, und mit der Ableitung von Lektionen, die für die Interaktion zwischen Mensch und Hund relevant sind, um dann praktische Anwendungen vorzuschlagen, die hegemoniale Männlichkeiten aufbrechen und den Zugang zu emanzipatorischen Räumen verbessern„.

Sieben von zwanzig ihrer lustigen Fake-Studien wurden tatsächlich in den einschlägigen Fachjournalen publiziert. Weitere sieben befanden sich noch im Review-Prozess, als eine Journalistin dem Trio vor drei Monaten auf die Schliche kam. Die aufklärerischen „Betrüger“ mussten ihr lustiges Projekt deshalb diese Woche vorzeitig aufdecken.  „Manchmal dachten wir uns einfach eine verrückte oder menschenunwürdige Idee aus und versuchten es einmal», erklärt die Gruppe heute. „Was wäre, wenn wir eine Arbeit schreiben würden, in der wir behaupten, Männer sollten wie Hunde trainiert werden – um die Vergewaltigungskultur zu verhindern?“ So sei beispielsweise die Hundepark-Arbeit entstanden.

Ihre  „Hundestudie“ ist übrigens die erfolgreichste Fälschung gewesen und hat den Peer-Review-Prozess von «Gender, Place & Culture» mit Leichtigkeit bestanden. Die Arbeit sei „wundervoll“ und ein „wichtiger Beitrag„, urteilten die anonymen Experten. Die Zeitschrift selbst, die als eine der zehn bestbewerteten Fachzeitschriften zu Geschlechterstudien gilt und führend in „feministischer“, also „kritischer Geografie“ ist, würdigte die Fälschung im Rahmen einer Feier zum 25-jährigen Bestehen des Fachblatts als einen der zwölf herausragenden Beiträge zeit ihres Bestehens.

Hitlers „Mein Kampf“ teilweise umgeschrieben – und prompt publiziert

Den linken Kollegen aus den Sozialwissenschaften verrückte oder menschenunwürdige Ideen nachzuweisen, ist die Idee hinter allen Arbeiten des Trios, wie sich an den vier folgenden Beispielen belegen läßt:

  • «Durch die Hintertür: Heterosexuelle männliche Homohysterie, Transhysterie und Transphobie durch den rezeptiven, penetrativen Sexualspielzeuggebrauch bekämpfen» wurde von «Sexuality and Culture» veröffentlicht. Die Arbeit empfiehlt, dass Männer sich Dildos anal einführen, «um weniger transphobisch und feministischer» zu werden.
  • Das Trio schrieb ein Kapitel aus Adolf Hitlers «Mein Kampf» um und schickte es der feministischen Zeitschrift für Sozialarbeit «Affilia». «Unser Kampf ist mein Kampf. Solidaritätsfeminismus als intersektionale Antwort auf den neoliberalen Choice-Feminismus» wurde im August zur Publikation akzeptiert.
  • Eine Arbeit argumentierte, es seien «unterdrückende kulturelle Normen», die den Muskelaufbau als wertvoller als den Fettaufbau definierten. «Bodybuilding» müsse also auch Fettleibige einschliessen, denn «ein dicker Körper ist bereits legitim aufgebaut.» Diese Fälschung wurde von «Fat Studies» publiziert.
  • Eine Studie schlug vor, Lehrer sollten ihre Schüler nach Identität und Status diskriminieren: Je privilegierter eine Schülerin oder ein Schüler, desto weniger Aufmerksamkeit und Zuneigung solle sie oder er erhalten, so die Logik. Die Privilegiertesten könnten auch bestraft werden, indem sich Lehrer weigerten, ihre Beiträge anzuhören, ihren Beitrag verspotteten, ihnen absichtlich ins Wort fielen, und sie mit Ketten um den Hals auf dem Boden sitzen liessen – als Bildungschance, oder «Erfahrungsreparationen». Die Reviewer des Journals für feministische Philosophie «Hypatia» kommentierten, es sei eine «solide» und «interessante» Arbeit, die «einen starker Beitrag» zur Fachliteratur leisten werde. Die Arbeit wurde aber bis zur Aufdeckung des Projekts mit Hinweisen für eine Wiedervorlage zurückgewiesen–was auf eine reale Publikationschance hindeutet. Der Aufsatz sei «einfach noch nicht fertig», so einer der Experten.

James A. Lindsay, der Autor und Mathematiker des geistreichen Trios, stellte hinsichtlich des Geistezustandes seiner linken Kollegen aus den Sozialwissenschaften fest, diese hätten „eine Art religiöse Architektur in ihrem Kopf„.

Die entlarvten Sozialwissenschaftler bemühen sich nun emsig, die äußerst peinliche Angelegenheit tiefer zu hängen. Yascha Mounk, dem interessierten Deutschen spätestens seit seinem Auftritt in den ARD-Tagesthemen bekannt, wo er im Februar dieses Jahres freimütig einräumte, es handle sich bei der gegenwärtigen Massenimmigration um das historisch einmalige Experiment, eine monoethnische Gesellschaft in eine multiethnische zu verwandeln, ist Politikdozent an der Harvard-Universtität.  Er kritisierte die Vorgehensweise des humorvollen Trios, indem er als erstes die Frage in den Raum stellte, ob es vertretbar sei, Fachjournale hinters Licht zu führen. Schließlich sei dadurch das Vertrauen in die Aufrichtigkeit des Gegenübers verletzt worden. Der Politiktheoretiker Jacob Levy von der McGill-Universität erklärte, er sei „unheimlich unbeeindruckt davon, dass ein Betrieb, der sich auf eine weit verbreitete Annahme des Nicht-Betrugs stützt, teilweise von Personen getäuscht werden kann, die 10 Monate lang bewusst versuchen zu betrügen„.

Das Trio selbst begegnete dieser Kritik allerdings unwiderlegbar mit der Feststellung, der „Aufdeckungsschwindel“ sei notwendig gewesen, da an die gewonnenen Erkenntnisse auf keine andere Weise heranzukommen gewesen wäre. Diesem Argument hatte selbst Mounk nichts mehr entgegenzusetzen und musste einräumen, daß in vielen Sozialwissenschaften genau solche Täuschungen ebenfalls gebraucht würden.

Andere Kritiker versuchten,  die getäuschten Fachjournale in ihrer wissenschaftlichen Bedeutung kleinzureden. Für einige wenige trifft das auch zu. Allerdings publizierten in den jüngeren Ausgaben von „Gender, Place & Culture“ oder „Sexuality and Culture“ auch Sozialwissenschaftler von namhaften Universitäten, darunter Akademiker der Universitäten Zürich und Freiburg.

Ein weiterer Kritikpunkt an dem pfiffigen Trio ist, daß sie mit ihrer witzigen Enthüllung rechten und konservativen Kritikern der Sozialwissenschaften weitere Munition lieferten. Und genau hier kollidieren die Weltanschauungen ganz eindeutig: Exakt der Realitätsbegriff, der alles durch die politische Brille sieht, ist das, was das Trio bloßstellen wollte.

Etliche Kommentatoren sehen auch Ähnlichkeiten mit der legendären Sokal-Affäre. Im Jahr 1996 hatte der US-Physiker Alan Sokal im Journal „Social Text“ einen Aufsatz veröffentlicht, in dem er vermittels des Gebrauchs postmodern aufgeblasenen Soziologenslangs das Gesetz der Schwerkraft in Abrede stellte. Yascha Mounk nennt deshalb den aktuellen Fall, auch wegen seines grösseren Umfanges, „Sokal im Quadrat“.

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