Die Energiewende: Ein technisches und wirtschaftliches Fiasko

Prof. Dr. Ing. Hans-Günter Appel

Fake-Strom (Foto: Durch mikeledray/shutterstock)
Fake-Strom (Foto: Durch mikeledray/shutterstock)

Die Stromversorgung in Deutschland soll in den nächsten drei Jahrzehnten vollständig aus Wind-, Sonne- und Biogasanlagen kommen. Eine solche Energiewende ist technisch zum Scheitern verurteilt und führt in den wirtschaftlichen Ruin. Wegen offensichtlich fehlender Sachkenntnisse und ideologischer Verblendung wird jedoch dieser Weg von der Bundesregierung und allen Bundestagsparteien (ohne die AfD) weiter verfolgt. Der Eifer führt zu vielen nicht abgestimmten  Einzelaktionen in Bundesministerien und Landesregierungen. Der Bundesrechnungshof rügt zu Recht eine fehlende Koordination und Erfolgskontrolle. Doch der ruinöse Aktivismus geht ungehemmt weiter. 

Nach den Berichten in den Medien hat Ökostrom in Deutschland jetzt ein Drittel der Stromerzeugung erreicht. Die Bundesregierung will die Anlagen noch Verdreifachen, um eine Vollversorgung zu erreichen. Doch diese einfache Rechnung geht nicht auf. Schon heute haben wir bei Starkwind und Sonnenschein zu viel Ökostrom, der entsorgt werden muss, denn Strom lässt sich in den großen Mengen nicht speichern. Mögliche wirtschaftliche Speicher sind noch nicht einmal vom Prinzip her angedacht. Das bedeutet: Wir müssen noch viele Jahrzehnte  ohne solche Speicher leben.

Wir haben heute schon zu viel Ökostrom

Die Auswertungen des Im-und Exports zeigen, rund die Hälfte des erzeugten Ökostroms wird als Überschuss weit unter den Vergütungskosten, also zu Dumpingpreisen,  in das Ausland abgegeben. Kann er auch dort nicht verwertet werden, muss die Entsorgung bezahlt werden. Es gibt dann negative Börsenpreise. Die Entsorgungskosten summieren sich zurzeit auf etwa 200 Millionen Euro im Jahr. Immer häufiger werden nun Ökostromanlagen bei Starkwind und Sonnenschein abgeschaltet, um den Überschuss und damit Zuzahlungen zu vermeiden.

Die Betreiber der Ökostromanlagen stört das nicht. Sie erhalten nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) dann eine Ausfallentschädigung  für den nicht erzeugten und nicht brauchbaren Strom. Der Stromverbraucherschutz NAEB e.V. nennt daher zu Recht diesen Strom Fake-Strom. 2017 wurden in Deutschland 5,5 Milliarden kWh Fake-Strom erzeugt, der entweder unter Zuzahlung entsorgt werden musste oder als Phantomstrom vergütet wurde. Mit jeder neuen Fake-Strom Anlage steigen diese Kosten schnell weiter. Wir haben schon heute zu viel Ökostrom.

Ökostrom zerstört die Netzstabilität

Von den Grünen hört man immer wieder die Behauptung, Strom aus Kern- und Kohlekraftwerken verstopfen die Netzleitungen. Ökostrom könne daher nicht verteilt werden. Mit den teuren Nord-Süd Trassen würde dieses Problem behoben. Politiker mit solchen unsinnigen Behauptungen haben offensichtlich nie von der 45 Prozent-Regel gehört. Für ein stabiles Wechselstromnetz mit einer konstanten Frequenz von 50 Hertz (50 Schwingungen pro Sekunde) sorgen die großen Kraftwerke, die miteinander synchronisiert sind (Grundlast). Die großen rotierenden Massen der Generatoren und Turbinen  halten die Frequenz weitgehend konstant, wenn sich Verbraucher spontan einschalten oder abschalten. Der Leistungswechsel wird durch eine geringe Frequenzänderung  angezeigt, die das Signal ist, mehr oder weniger Dampf auf die Turbinen zu leiten, bis die Sollfrequenz wieder erreicht ist. Die rotierenden Massen sind eine Momentan-Reserve, die ohne Zeitverzögerung greift. In einem stabilen Netz muss eine Grundlast (Leistung) von mindestens 45 Prozent aus den großen Kraftwerken für eine ausreichende Momentan-Reserve vorliegen. Durch die stark schwankende Ökostrom-Einspeisung wird die Regelleistung immer häufiger und immer stärker gefordert. Vor der Energiewende kostete die Netzregelung rund 100 Millionen Euro im Jahr. 2017 war sie bereits auf 1,4 Milliarden angestiegen; und sie steigt weiter mit jeder neuen Ökostromanlage.

Die vielen kleinen Ökostromanlagen, die, abhängig  vom launischen Wetter, Strom mit ständig wechselnden Leistungen erzeugen, können kein stabiles Netz bilden. Sie brauchen als Taktgeber  die konventionellen Grundlastkraftwerke, an denen sie ihre Frequenz und Phase vor dem Einspeisen ausrichten. Leichte Abweichungen der geringen Leistungen werden von den Grundlastkraftwerken geschluckt. Bei Starkwind und Sonnenschein werden jetzt bereits manchmal mehr als 55 Prozent der in Deutschland abgerufenen Leistung als Ökostrom erzeugt. Dies ist nur möglich, weil das deutsche Netz durch den europäischen Verbund stabilisiert wird. Die 45 Prozent Regel ist im Verbundnetz noch gegeben. Eine sichere und bezahlbare Vollversorgung mit Ökostrom ist nicht möglich. Jede weitere Ökostromanlage erhöht die Stromkosten und gefährdet die Netzstabilität. Ob die Mitglieder der Kohlekommission diese Zusammenhänge kennen?

Keine Wirtschaftlichkeit

Ökostromanlagen mit der gleichen Jahresleistung  sind fünfmal teurer als Kraftwerke. Nach Angaben der ehemaligen Umweltministerin Barbara Hendricks werden zur Erzeugung der gleichen Strommenge für Ökostrom auch fünfmal mehr Arbeitskräfte beschäftigt. Nach 20 Jahren Entwicklungs- und Erprobungszeit sind die Anlagen ausgereift. Wesentliche Kostenreduktionen sind nicht mehr zu erwarten. Damit bleiben die Erzeugungskosten deutlich höher als von den konventionellen Kraftwerken. Selbst die nach 20 Jahren abgeschriebenen Ökostromanlagen können nicht mit den Kraftwerken konkurrieren. Der wetterabhängige nicht planbare Ökostrom hat einen geringen Börsenwert, der unter den Betriebskosten liegt. Anlagen müssen daher nach Auslaufen der EEG-Förderung still gesetzt werden.

Die Empfehlung des Bundesrechnungshofes, die Wendegesetze durch eine hohe CO2-Abgabe zu ersetzen, damit Ökostrom preiswerter wird als konventioneller Strom, führt nur zu höheren Strompreisen, ohne die Wende zu stützen. Im Gegenteil. Der wetterwendische Ökostrom destabilisiert weiterhin das Netz. Die 45 Prozent Regel muss eingehalten werden und es müssen konventionelle Anlagen bereit stehen, die bei Minderung  oder gar Versiegen der Ökostromeinspeisung einspringen. Die Volkswirtschaft muss daher weiterhin Anlagen für eine vollständige Versorgung mit konventionellem Strom und die zusätzliche, unnötige und teure Zusatzversorgung mit Ökostrom bezahlen. Die Empfehlung des Bundesrechnungshofes müsste daher lauten: Schluss mit der technisch und wirtschaftlich unsinnigen Wende. Erhöhung des Wirkungsgrades der konventionellen Kraftwerke. Damit kann der Brennstoffverbrauch vermindert werden. Das ist auch eine bleibende Reduzierung der CO2 Emissionen bei gleicher Stromproduktion.

Das Weiterführen der Energiewende lässt die Strompreise immer schneller steigen bei sinkender Netzstabilität. Wann wird Deutschland die Energiewende aufgeben und wieder zu einer realistischen Energiepolitik zurückkehren?

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