Historiker: „AfD-Boykott an Kirchentag unklug und falsch!“

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Das Ende ders Christentums in Deutschland? (Foto: Valery Shanin/ Shutterstock)

Köln – Die Kirchen sollten sich nicht anmaßen, dass sie in politischen Debatten und im Umgang mit der AFD „die absolute Wahrheit“ hätten. Dies sagte der Historiker Andreas Rödder in einem Interview mit dem Deutschlandfunk, das in Auszügen als KNA-Meldung auf der Nachrichtenplattform Domradio erschienen ist. Besonders deutlich wandte sich der Mainzer Professor für neueste Geschichte an der „Johannes Gutenberg Universität“ gegen den Ausschluss der AfD auf dem evangelischen Kirchentag in Dortmund 2019.

Nach Ansicht des Historikers sei es richtig, politisch Grenzen zu ziehen, andererseits sollte die Grenzziehung nicht aus „genuinen religiösen oder kirchlichen Gründen“ vorgenommen werden, sondern sie müsse zu hundert Prozent politisch begründet werden.

„Vor diesem Hintergrund würde ich sagen, diesseits dieser Grenze ist es nötig, sich mit der AfD kritisch konstruktiv auseinanderzusetzen, und Ausgrenzung diesseits dieser Grenze, die ich gerade genannt habe, halte ich für politisch unklug und für politisch auch nicht richtig.“

Die Kirchen sind laut Rödder im gesellschaftlichen Diskurs „dann am fruchtbarsten, wenn sie ihre spezifische Kompetenz aus ihrem kirchlichen Selbstverständnis heraus in Diskussion einbringen, ohne sich zu einem permanenten politischen Player – wie alle anderen – zu machen“.

In diesem Zusammenhang schlägt der Mainzer Wissenschaftler auch im Hinblick der Flüchtlingsdebatte kritische oder zumindest nachdenkliche Töne an, wenn er das Stichwort „Polarisierung der Extreme“ ins Spiel bringt: So haben die christlichen Kirchen in der Flüchtlingsfrage von 2015 „einen hohen moralischen Ton bezogen, sie haben in der Flüchtlingskrise eine sehr stark moralisch grundierte verabsolutierte Position der Willkommenskultur und der Aufnahme von Flüchtlingen betrieben“.

Der Politik habe man dann die Mühe und die Widrigkeiten der politischen Ebene überlassen.

„Und das ist etwas, wo ich sagen würde, das ist am Schluss unredlich.“

Auch der mit viel öffentlichem PR-Getöse eingeleiteten und viel zu spät gekommener Aufarbeitung der Missbrauchsfälle begegnet Rödder mit Skepsis. Sie erschüttere derzeit die Autorität der Kirche. „Die Kirchen müssen aufpassen, dass sie ihren Glaubwürdigkeitskredit nicht überziehen“, so Rödder.

Professor, der Klartext redet: „Unser Land ist aus der Balance geraten“

Mit diesen Aussagen hat der Mainzer Universitätsprofessor wieder einmal mehr bewiesen, dass er nicht zu den stromlinienförmigen Denkern im Land zählt. In einem Artikel des Sterns im Juni diesen Jahres mit dem Titel „Unser Land ist aus der Balance geraten“, redet er in Sachen Migrantengewalt Klartext, nennt Namen der Opfer und Herkunft der Täter und kommt zu dem Ergebnis: „Je mehr Einzelfälle passieren, desto weniger lässt sich sagen, dass es nur Einzelfälle sind. Deutschland ist noch nicht fertig mit dem, was im Herbst 2015 passiert ist.“ (KL)

 

 

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