Gemeinsamer Wahlkampfauftritt: Söder und Merkel wollen Seehofer abschießen

Verneigte sich vor Angela Merkel: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Foto: Screenshot Youtube

Knapp zwei Wochen vor der Bayern-Wahl vollzieht Ministerpräsident Markus Söder eine 180-Grad-Wende: Er lobt Merkel, räumt kritische Positionen und geht dafür auf seinen Parteichef und Bundesinnenminister Horst Seehofer los. Söder war mit Angela Merkel in Ottobeuren zu einem gemeinsamen Wahlkampftermin zusammen gekommen. Vom Auftreten der Bundeskanzlerin erhoffe er sich Rückenwind für den Urnengang sagt er jetzt sogar.

Noch vor einigen Wochen hatte der bayerische Ministerpräsident getönt: „Zu meiner Abschlusskundgebung kommt keine Bundeskanzlerin, sondern ein Bundeskanzler“ – damit meinte er Österreichs asylkritischen Regierungschef Sebastian Kurz. Von all dem ist nun nichts mehr zu spüren; Söder biederte sich an diesem Abend bei Merkel an, wo es nur geht. Gleichzeitig attackierte er deren Intimfeind und seinen Partei-Chef Seehofer.

„Ausdrücklich“, betonte Söder nun säuselnd, wie „herzlich“ er Merkel begrüße. Und vor dem Mikrofon des Bayerischen Rundfunks kannte seine Servilität überhaupt keine Grenzen mehr. Dass er sich vom Besuch der zuletzt in Bayern unerwünschten Kanzlerin „Rückenwind für meinen Wahlkampf“ wünsche, flötete er nun in Richtung Kanzleramt.

Inhaltlich ließen sich Merkels und Söders Rede kaum auseinanderhalten. Beide legten ein Bekenntnis für eine pro-europäische Politik ab. Aber während Merkel sich mit Kritik an Seehofer zurückhält, übernimmt diese Drecksarbeit Söder für sie. Offensichtlich soll der letzte Merkel-Kritiker nach der Bayern-Wahl geschasst werden. Die Kanzlerin hätte in der Einwanderungs- und Innenpolitik dann endgültig freie Hand. Söder signalisierte in Ottobeuren, dass er das gut fände.

Zunächst sagte er, dass er den späten Wechsel im Amt des Ministerpräsidenten von Horst Seehofer auf ihn inzwischen für einen Fehler halte. Er sei jetzt sechs Monate Ministerpräsident, „wegen mir hätte es auch schon ein bisschen eher starten können“. Seehofer hatte einen früheren Wechsel abgelehnt.

Und dann watscht der Ministerpräsident seinen Parteichef auch noch wegen dessen Streits mit Merkel über Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen ab. Lösungsorientiert lasse sich etwas erreichen, „der aggressive Ansatz, da kann man nichts lösen“, sagt der Ministerpräsident laut Augsburger Allgemeine. Und dann lobt er auch noch, dass Merkel in Europa Erfolge erzielt habe.

Die CDU-Chefin nahm diese Unterwerfung mit Genugtuung zur Kenntnis. Kürzlich sie noch stand wegen der Abwahl ihres Vertrauten Volker Kauder als Fraktionschef der CDU/CSU gehörig unter Druck. Doch jetzt macht sogar die Schwesterpartei in Person von Söder Männchen. Außerdem scheint festzustehen, dass Merkel und Söder ein wahrscheinliches Wahldebakel Seehofer zuschreiben werden und diesen deswegen zum Rücktritt auch als CSU-Chef zwingen. Dann würde Söder ihm nachfolgen. Und Merkel hätte an der bayerischen Front endgültig Ruhe. (WS)

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