Bravo! – Terry Gilliam im „ZEIT“-Interview

Max Erdinger

https://www.youtube.com/watch?v=UNOvmQuyT8M
Terry Gilliam - Foto: Screenshot Youtube

Ehrlich überrascht bin ich, daß die „Zeit“ ein solches Interview abdruckt. Bravo! Mehr davon! Die positive Medienkritik.

In der „Zeit“ gibt es ein überaus lesenswertes Interview mit Terry Gilliam, einem der Gründer der legendären „Monty Pythons“ zu lesen. Mir steht das Wasser in den Augen. Nicht nur, weil ich seit bald einem halben Jahrhundert der größte Monty Pythons-Fan bin.  Endlich sagt es mal einer.

Zitate:

Die beste Comedy basiert auf Ehrlichkeit und Wahrheit, politische Korrektheit tut es zu oft nicht.

Eine Programmdirektorin für Comedy bei der BBC hatte angekündigt, dass sie keine Truppe von sechs Weißen aus Oxford oder Cambridge mehr zusammenstellen würde. Gilliam dazu:

Als ich auf einer Pressekonferenz danach gefragt wurde, habe ich gesagt, dass ich es leid bin, als weißer Mann für jedes Unrecht dieser Welt verantwortlich gemacht zu werden, dass ich jetzt eine schwarze Lesbe auf dem Weg zu einer Geschlechtsumwandlung wäre und Loretta genannt werden möchte. Das war ein Witz, könnte aber auch wahr sein. Ein Filmfestival in Nordamerika hat sich daraufhin anscheinend entschieden, meinen Film nicht zu zeigen.

Wir leben in einer Zeit, in der das Wort an sich schon das Verbrechen ist – nicht das, was damit gemeint war. Das führt dazu, dass Leute nicht richtig kommunizieren. Sie benutzen Euphemismen oder vermeiden es, bestimmte Dinge zu sagen. Ich finde das sehr traurig. Auseinandersetzungen sind wichtig, um einander zu verstehen.

Zeit-Online stellt dann fest, die Rechtspopulisten würden die selben Argumente benutzen wie Gilliam: Nämlich, dass die Political Correctness zu weit gehe, dass sie selbst zensiert werden würden, dass man bestimmte Dinge doch sagen dürfen müsse – und will dann von Gilliam wissen, ob ihm das nicht zu denken gebe.

Terry Gilliam: „Nur weil die Rechten das sagen, heißt es nicht, dass ich es nicht auch sagen kann. Ich denke so und bin alles andere als rechts. Inzwischen frage ich mich, ob man ihnen nicht in die Hände spielt, wenn man es mit der Political Correctness übertreibt. Es gibt einen großen Unterschied zwischen Humor und Hass. Wenn Leute beides nicht unterscheiden können, begeben wir uns auf gefährliches Terrain. ( … ) Ich würde gern mehr Provokateure auf der Linken und in der Mitte sehen. Auf der Rechten gibt’s ja schon genug.

„Während der #MeToo-Debatte habe ich gesagt, dass einige Frauen davon profitiert haben, mit Harvey Weinstein auf sein Hotelzimmer gegangen zu sein. Das habe ich nicht getan, um seine Opfer zu beleidigen, sondern weil es stimmte. Viele fanden meine Aussagen jedoch widerlich.“

Natürlich ist Terry Gilliam nicht „rechts“, vorausgesetzt, er hat „rechts“ in diesem Interview mit der grottenfalschen, dennoch allgemein gebräuchlichen Interpretation von „rechts“ als „braunlinks“ gemeint. Ansonsten wäre er freilich ein Rechter, also ein Konservativer, der Veränderungen nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber steht, sondern unbedingt das bewahren will, was immer gilt. Und immer gilt, daß an der Wahrheit kein Weg vorbeiführt. Politische Korrektheit ist die AUsblendung der Realität und der Konformitätszwang zur Lüge.

Es bleibt zu hoffen, daß dieses hervorragende Interview in der „Zeit“-Redaktion Spuren hinterläßt. Terry Gilliam hat recht. Aber sowas von.

 

 

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